Merkmale einer Seifenoper:

  • Täglich neue Fortsetzung
  • Mehrere Handlungsstränge
  • Cliffhänger am Ende einer Folge
  • Viele spektakuläre Zufälle
Merkmale eines Romans von Dumas: 
  • Viele Kapitel
  • Mehrere Handlungsstränge
  • Cliffhänger am Ende eines Kapitels
  • Viele spektakuläre Zufälle
Versteht es nicht falsch, ich liebe die Bücher von Alexandre Dumas! Ich liebe sie so sehr, dass ich überlege mir eine Fleur de Lis auf die linke Schulter tätowieren zu lassen, aber bis jetzt hab ich mich nicht getraut.

Gerade habe ich „Joseph Balsamo“ ausgelesen, daher der heutige Post.

Zu dem Buch hab ich gegriffen, weil es ich demnächst „Der Friedhof von Prag“ von Umberto Eco lesen möchte. Mein Mann sagte, dass im Buch von Eco immer wieder Bezug auf Joseph Balsamo nimmt, daher muss zuerst die Grundlagenlektüre gelesen werden.

Zuerst aber etwas zum Inhalt des Buches.

Das Buch spielt im Jahre 1770, vorwiegend in Frankreich, während der Herrschaft vom Ludwig XV, kurz vor der Eheschließung von Marie Antoinette mit Ludwig XVI
Das Buch beginnt damit, dass Joseph Balsamo (auch Graf von Cagliostro) die Aufnahmeriten einer Freimaurerloge durchläuft – aber obwohl die Riten ein streng gehütetes Geheimnis sind, kennt er sie im Vorfeld. Warum? Angeblich weil er ein Hellseher ist.

Die Handlung verlagert sich dann nach Frankreich, wo Joseph Balsamo einem Zwischenstopp beim veramten Baron de Taverney-Maison-Rouge macht. Er landet dort eher zufällig, er kündigt der Familie jedoch an, dass die Dauphine Marie Antoinette in Kürze bei ihnen eintrifft – auch diese Vorhersage trifft zu. Die Dauphine bittet die Familie mit ihr in Versailles zu leben, daher bricht der Baron mit seiner Tochter Andrée und den wenigen Bediensteten (dabei ist auch die Zofe Nicole Leguay, die Marie Antoinette zum Verwechseln ähnlich sieht) nach Versailles auf.

Der Sohn des ehemaligen Verwalters, Gilbert, soll zwar auf das Schloss Taverney und den Hund des Hausherren aufpassen, er hat allerdings viele philosophische Schriften von Rousseau gelesen, daher ist er überzeugt, sowohl er als auch der Hund ein Recht auf Freiheit hat, also lässt er den Hund frei und geht selbst nach Paris – offiziell um dort Arzt und Philosoph zu werden, eigentlich aber, weil er die Tochter des Barons innig liebt und ihr folgen muss.

Zur gleichen Zeit versucht die Geliebte vom Ludwig XV, Madame du Barry am Hofe eingeführt zu werden, was aber einem Skandal gleicht und mit vielen Intrigen verbunden ist.

Zufälligerweise trifft Gilbert auf dem Weg nach Paris die Schwester von Madame du Barry, die ihn in deren Schloss nimmt. Er flieht aber, weil er nicht frei sein kann und zufällig begegnet er im Wald seinem großen Idol Jean-Jacques Rousseau, bei dem er einziehen kann. Und noch ein größerer Zufall will es, dass seine angebetete Andrée de Taverney Maison-Rouge ins Haus gegenüber von Rousseau einzieht. WOW, oder???

Ihr merkt schon, das Buch hat relativ wenig mit Joseph Balsamo zu tun. Dieser taucht erst am Ende des Buches wieder auf, wo er gemeinsam mit Kardinal von Rohan seltsame Geschäfte abschließt und diesem selbst hergestelltes Gold überlässt.

An dieser Stelle endet das Buch leider sehr abrupt – und zwar ist „Joseph Balsamo“ der erste Teil der Tetralogie „Memoiren eines Arztes“. Im Teil zwei „Das Halsband der Königin“ geht es um die Halsbandaffäre. Diejenigen die sich in französischer Geschichte auskennen oder die Mangas mögen, haben das vielleicht schon erkannt. Die Geschichte wird auch im Manga „Die Rosen von Versailles“ erzählt – ich hoffe es gibt noch einige unter Euch, die Lady Oscar genau so geliebt haben wie ich???

Ich fand das Buch super!!!

Es ist total spannend geschrieben. Wie schon oben erwähnt, jedes Kapitel endet an einer Stelle, wo man einfach weiter lesen muss. Die vielen Zufälle sind spektakulär!!! Die Personen sind toll beschrieben, mit viel Detailreichtum und zum Teil mit etwas Ironie. Die meisten Protagonisten sind real, nur wenige sind erfunden. Neben einer spannenden Handlung erfährt man aber auch sehr viel über die französische Geschichte, über die Liebschaften, Intrigen und die Ideale der französischen Revolution.

Ich empfehle es jedem, der historische Abenteuerromane mit viel Spannung mag.

Kennt Ihr Bücher von Dumas? Oder kennt ihr Lady Oscar? 

Erstellt am Januar 5, 2013
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Kategorien: Alles Andere


4 Antworten zu “Was hat Alexandre Dumas mit einer Seifenoper gemeinsam?”

  1. Ich kenne kein Buch von Dumas; aber dieses hier klingt spannend. Danke für die schöne Rezension.

    Viele Grüße.

  2. Von Dumas kenne ich nur "Die drei Musketiere", "Zwanzig Jahre danach", "Der Mann mit der eisernen Maske" und "Der Graf von Monte Christo". Letzteres habe ich schon mehrmals gelesen und hole es immer mal wieder hervor. Deine Rezension zu "Joseph Balsamo" klingt interessant, werde ich mir mal notieren.
    Liebe Grüße
    Susanne

  3. Hallo,
    ich wollte immer schon mal die drei Musketiere gelesen haben. Dumas fasziniert mich auch deswegen, weil die drei Musketiere (bzw. seine anderen Bücher) zur Zeit Richelieus spielen. Und Richelieu fasziniert mich wiederum auch, weil in seiner Zeit Frankreich so Gestalt angenommen hat, wie es heute noch besteht. In einem Roman etwas über diese Zeit zu lesen, finde ich toll. Noch ein Punkt: Dumas kommt aus Rouen in der Normandie; 2x bin ich vor langer Zeit in Rouen gewesen; eine tolle Stadt !

    Gruß Dieter

  4. Pasadena85 sagt:

    war Lady Oscar nicht eine Zeichentrickserie?
    wenn ja, dann mochte ich die nicht 😉

    kannte Dumas bisher nicht und wusste auch nicht, dass er "der Mann mit der eisernen Maske " und "Der Graf von Monte Christo" schrieb.

    ich stehe nämlich eigentlich so gar nicht auf historische Romane (bis auf die von Noah Gordon) oder Geschichte an sich..in der Schule fand ich das noch langweiliger als Physik, traurig,aber wahr ..

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