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H.P. Lovecraft ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Wohl nicht nur von mir, auch viele Autoren wurden von seinem Geschichten inspiriert. So auch Jeffrey Thomas, ein 1957 geborener amerikanischer Autor, dessen Bücher teilweise beim lovecrafttophilen Festa-Verlag auf deutsch erschienen sind. Obwohl ich schon viele Weird Fiction Kurzgeschichtensammlungen gelesen habe, ist das meine erste Begegnung mit Jeffrey Thomas. Das Buch heißt „Geschichten aus dem Cthulhu-Mythos“, und genau dies sind es auch.

Gut finde ich, dass Jeffrey Thomas gar nicht versucht H.P. Lovecraft zu imitieren, sondern nur dem Cthulhu-Mythos als Basis nimmt und in seinen eigenen Stil schreib. Wo Lovecrafts Geschichten mehr auf Suspense basieren und als asexuell gelten, so gibt es bei Thomas eine Menge Sex und Gewalt. Dabei werden die Protagonisten schon mal von einer Horde Mutanten verfolgt, gegen die sie sich gut bewaffnet wehren. Was nicht schlecht sein muss.
Ich werde nicht alle dreizehn Geschichten im einzelnen rezensieren, sondern in Gruppen zusammenfassen. Die Geschichten „Zu Diensten“, „Konglomerat“, „Hinter undurchsichtigem Glas“ „Leichenkerzen“ sind ehre typische lovecraftsche Geschichten. Diese sind ganz unterhaltsam aber nicht so interessant zu besprechen. Obwohl man aus „Konglomerat“ einen ganz passablen Verschwörungsthriller hätte machen können.
Vier der Geschichten spielen in der Zukunft in der fiktiven Stadt „Punktown“, was ein wenig dem Arkham von Lovecraft ähnelt. Punktown liegt auf den Planeten Oasis und es treiben sich außer Menschen auch noch diverse Aliens und Mutanten dort herum. In drei der vier Geschichten ist John Bell eine Hauptperson und in diesen Geschichten wird versucht den Cthulhu-Mythos mit den Hardboiled Krimis á la Chandler oder Hammet zu verbinden. Ich finde, dass ist aber eher trashig geraten und erinnert mehr an Bruce Willis spielt John Sinclair. 
Sehr mutig finde ich die Geschichten „Aus dem Bauch der Hölle“,  „Pazuzus Kinder“ und die Punktown Geschichte „Der Tanz der Ugghiutu“. Die erste der Erzählung erzählt die biblische Geschichte von Jonas und dem Wal (Cthulhu!?!) neu. Die anderen stellen Parallelen zum radikalen islamistischen Terror her.
In „Meine Frau, Der Shogoth“ und „Die Kinder des Drachen“ versucht sich der Autor eine Verbindung von Cthulhu-Mythos und Erotik, woran auch schon Andere gescheitert sind. Was befremdlich schräg sein soll, wirkt doch konstruiert und aufgesetzt.

Shoggot, from Lovecraft´s “At the mountains of Madness”, Illustration by Pahko, (CC BY-SA 3.0)

Der Verlag schreibt auf dem Klappentext über die Geschichten: „ungewöhnlich, originell, beeindruckend“ und nennt Jeffrey Thomas den Hieronymus Bosch der Literatur. Bei Hieronymus Bosch der Literatur sei auf meinen Post über Baltasar Gracián verwiesen, auf den im Gegensatz zu Thomas, die Bezeichnung zutrifft. Die Geschichten sind, wenn man nur Lovecraft als Vergleich nimmt sicher ungewöhnlich und originell, stechen aber nicht besonders gegen andere Lovecraftania heraus. Beeindruckt haben mich nur die Geschichten mit real religiösen Bezügen, dass hatte ich so noch nicht gelesen. Wer nur ein paar unterhaltsame Cthulhu-Mythos Geschichten sucht, wird mit dem Buch sicher nicht enttäuscht. Wer Lovecraft noch nicht kennt sollte auf jeden Fall erst einmal die „Originale“ lesen.
Gero
Erstellt am Februar 27, 2013
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Kategorien: Alles Andere


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