Hildburghausen – eine kleine verschlafene Kreisstadt im Süden Thüringens, die ich vielleicht nie entdeckt hätte, wenn die Dunkelgräfin nicht wäre. Die Geschichte der Dunkelgräfin ist spannend wie ein Krimi und geheimnisvoll, wie eine eine Erzählung von Wilkie Collins. Welches Geheimnis steckt hinter der Geschichte um die Dunkelgräfin?

Nach dem ich die MDR-Doku „Die Dunkelgräfin von Hildburghausen“ gesehen habe, stand es ganz schnell fest, dass ich mich auch auf die Spuren der Dunkelgräfin begeben muss.

Hildburghausen

„Dunkelgräfin“, schon der Name klingt interessant für mich.

Wer war die Dunkelgräfin, die gemeinsam mit dem Dunkelgrafen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Hildburghausen lebte?

Das Paar lebte sehr zurückgezogen, von der Welt nahezu abgeschieden. Ihre Identität war damals schon unbekannt. Schon zu deren Lebzeiten kursierten viele Legenden und Gerüchte über die Dunkelgräfin, die immer verschleiert war und den Dunkelgrafen, der mit Ihr das Haus teilte. Das Paar war aber nicht verheiratet und auch kein Liebespaar.

Bis heute weiß man nur sehr wenig über die Dunkelgrafen. Das Paar ist am 07.02.1807 nach Hildburghausen gezogen und hat dort 3 Jahre gelebt, danach sind sie in das nur wenige Kilometer entfernte Schloss Eishausen gezogen, um in Abgeschiedenheit leben zu können.

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Friedhof Eishausen

Wer war der Dunkelgraf?

Wer der Dunkelgraf war, ist bekannt. Es war der Holländer Leonardus Cornelius van der Valck, später auch Vavel de Versay genannt. Er war holländischer Diplomat am Pariser Hof bis zur französischen Revolution. Der Name „Versay“ könnte von Versailles stammen.

Auf seinem Grab findet man keinen Namen, nur die Daten seiner Lebzeit in Eishausen. Wenige Infos findet man auf dem Schild nebenan.

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Wer war die Dunkelgräfin?

Wer die Dunkelgräfin war, das weiß bis heute keiner. Die Unbekannte verstarb 1837, sie wurde namenlos beerdigt. Nach dem Tod des Grafen wurde ein Brief gefunden, in dem er mitteilte, dass die Tote die Bürgerliche Sophia Botta aus Westfalen war. Der Name taucht aber in keinem Tauf- oder Heiratsregister auf. Im Nachlass des Grafen fand man auch eine Geldbörse mit eingestickten Feimaurersymbolen und ein in Wien gedrucktes katholisches Gebetbuch in französischer Sprache.

Jahrhunderte hielt sich das Gerücht, dass es sich bei der Dunkelgräfin um Marie Thérese Charlotte de Bourbon (1778-1851) gehandelt haben sollte, um die Tochter von Ludwig VI und Marie Antoinette. Während der Französischen Revolution wurde das Königspaar samt der Familie enthauptet. Marie Thérese, auch Madame Royale genannt, war die einzige überlebende aus der königlichen Familie. Im Rahmen eines Gefangenenaustausches wurde Marie Thérese zu ihren österreichischen Verwandten gebracht, denn das Kaiserpaar Maria Theresia und Franz Stephan I von Österreich waren ihre Großeltern. Marie Thérese heiratete später den Herzog von Angoulême und zog nach Frankreich zurück.

Aber war die Marie Thérese Charlotte, Herzogin von Angoulême wirklich die Tochter des französischen Königs?

Angeblich wurde Marie Thérese während des Gefangenenaustausches selbst ausgetauscht. Sie soll während der Gefangenschaft geschwängert worden sein und litt an psychischen Problemen. Als Vertreterin der Monarchie wurde sie nicht mehr gebraucht, daher wurde sie durch ihre Halbschwester Ernestine Lambriquet ersetzt. Ernestine war die uneheliche Tochter von Ludwig VI und seiner Kammerzofe. Diese lebte fortan am österreichischen und später auch französischen Hof, während die echte Marie Thérese versteckt wurde. Es gibt angeblich einen Brief von Maria Karolina, der Königin von Neapel, der Schwester von Marie-Antoinette mit folgendem Inhalt:

„Ich bin krank vor Angst, dass diese Bestien sich erlauben, ein anderes Mädchen anstelle meiner Nichte nach Wien zu schicken.“

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden adelige Personen, die anders waren, die versteckt werden sollten, in Klöstern oder abgelegenen Schlössern untergebracht.

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Wie kam der Dunkelgraf und die Dunkelgräfin nach Hildburghausen?

Der holländische Diplomat Leonardus Cornelius van der Valck, der sich plötzlich Vavel de Versay nannte, bekam die Aufgabe übertragen, die Dame, die später Dunkelgräfin genannt wurde, zu verbergen. Um vor Napoleon zu fliehen versteckten sich die beiden zuerst in Würtemberg, in Ingelfingen. Hierüber sagt eine Legende, dass das Paar nachts um 2 Uhr geflohen ist, als am Vortag der Sohn eines Geheimrats das Gesicht der Dame gesehen hat. Ihre Flucht ging über Gotha und Jena, bis nach Hildburghausen, wo sie 3 Jahre blieben und sich dann im nahegelegenen Eishausen niederließen. Während der Zeit in Hildburghausen lebte das Paar in dem Haus, wo auch die Freimaurerloge tagte, daher wird gerne bei der Gesichte eine Verbindung zu den Freimaurern hergestellt.

Das Paar war sehr wohlhabend und lebte unter besonderem Schutz der Herzöge von Sachsen-Hildburghausen. Weil die Dame immer verschleiert war, wurde sie von der Bevölkerung „Die Dunkelgräfin“ genannt. Sie führte ein sehr abgeschiedenes Leben und wurde von ihrem Begleiter streng bewacht. Die Dame verließ das Schloss nur in der Kutsche oder verschleiert für Spaziergänge im Garten. Kontakt hatte sie zu keinem im Ort. Das Personal durfte die Gräfin nicht anschauen und nicht mit ihr sprechen.

Das alles sind aber nur Legenden, die sich aber sehr hartnäckig bis zum heutigen Tage gehalten haben.

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Grab der Dunkelgräfin

Um die Identität der Dunkelgräfin zu klären, wurde das Grab in Hildburghausen im Jahr 2013 geöffnet. Einige Skelettteile wurden für die DNA-Analyse entnommen. Der DNA-Vergleich mit noch lebenden Nachfahren von Marie Antoinette hat ergeben, dass die Dunkelgräfin nicht Marie Thérese sein kann.

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Wer die Dunkelgräfin war und warum sie immer ihr Gesicht verborgen hatte, wird vermutlich weiterhin ein spannendes Geheimnis bleiben. Aber gerade das Ungeklärte macht den Fall spannend!

Erstellt am Januar 13, 2015


16 Antworten zu “Die Geschichte der Dunkelgräfin von Hildburghausen”

  1. feuerblut sagt:

    Eine spannende Geschichte!
    Danke fürs Teilen – den Link zu diesem Blogpost muss ich mir regelrecht aufheben, vielleicht lässt sich eine Geschichte dazu schreiben 🙂

  2. Danke für diese fesselnde Geschichte, die du wieder wunderbar mit deinen schönen Fotos in Szene gesetzt hast.
    LG
    Susanne

  3. klingt total interessant <3

  4. Tolle Geschichte – Danke für's Erzählen 🙂

  5. Emilia sagt:

    Ein toller Bericht und tolle Fotos. Ich liebe solche Geschichten und Legenden.

  6. Maegwin sagt:

    Bestimmt! Es gibt schon eine ganze Menge Geschichten über die Dunkelgräfin!

  7. TiaMel sagt:

    Die Geschichte über die Dunkelgräfin habe ich damals in einer Zeitschrift gelesen und fortan verfolgt. Sehr spannend fand ich, dass es sich bei der mysteriösen Dame evtl. um die Tochter von Ludwig VI und Marie Antoinette handeln konnte. Doch nach dem Ergebnis, dass sie es nicht ist, bin ich doch noch immer sehr neugierig, wer die Dunkelgräfin nun wirklich war. Eins steht jedenfalls fest, sie muss ungemein vermögend gewesen sein und evtl. zu der damaligen oberen Schicht gehört haben.

    Vielen Dank für die tolle Erzählung (:

  8. Thea sagt:

    Wer weiß wer in dem Grab bestattet wurde, vielleicht ihre Zofe, das richtige Grab der Dunkelgräfin ist bestimmt geheim 😉

  9. Anonym sagt:

    Ich vermute, dass Marie Antoinette damals nicht geköpft wurde sondern ein Double ihren Platz einnahm. Marie Antoinette wurde indes außer Landes gebracht und starb als "Dunkelgräfin" in Hildburghausen.

  10. Burgdame sagt:

    Die Zeit würde nicht so ganz passen, die Dunkelgräfin lebte etwas später, daher die Theorie mit der Tochter. Laut der DNA-Analyse war das aber keiner aus der Familie.

  11. Anonym sagt:

    Interessanterweise hat die Dunkelgräfin im einzig erhaltenen (textlich ziemlich auffälligen) Dokument den Cornelius Leonardus van der Valck mehrfach Ludwig (Louis) genannt. Außerdem existiert eine Todesanzeige betr. v.d. V. aus dem Jahr 1804. War der Dunkelgraf überhaupt v.d.V. oder hat er nur dessen Identität angenommen ?
    Darüber hinaus war das Grab der Dunkelgräfin schon einmal 1891 geöffnet worden, ohne daß man genauer weis, was damals im Einzelnen geschah.

  12. Ich verfolge seit Jahren bereits diese interessante Geschichte auch in Hinblick auf die Freimaurer und die Gothaer Richtung. Und wenn die Freimaurer dieses sogenannte Paar gedeckt hatten ist hier vielleicht auch ein Ansatz in den Unterlagen zu finden zumal damals die Truhe der Illuminaten nach Schweden geschafft wurden und auch der Dunkelgraf aus Schweden kommt. Und wie kann ein Bürgerlicher plötzlich ohne geadelt zu sein ein Adliger werden? Ich würde schon aus diesem Grund den Dunkelgraf viel besser beleuchten. Der Schlüssel liegt ganz sicher hier! E.G.

    • Burgdame sagt:

      Über den Dunkelgrafen habe ich neulich erst eine sehr interessante Geschichte von Ludwig Bechstein gelesen. Seine Theorie geht jedoch in eine ganz andere Richtung.

  13. Harry Stolle-Baum sagt:

    Solange man nicht absolut sicher weiß, wer die Dunkelgräfin wirklich war, kann man auch nicht behaupten, dass es die Prinzessin Marie Therese von Bourbon nicht war!

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