Es gibt sehr viele Bücher, die in der Vergangenheit Bestseller waren und heute von der Bildfläche verschwunden sind. Zu solchen Büchern fühle ich mich immer magisch angezogen, sie sind wie kleine Entdeckungen…. Ich freue mich immer wieder, wenn ich solche Bücher in die Hände bekomme. Daher ist es umso schöner, wenn der Dryas-Verlag schon längst vergessene Bücher ins Programm aufnimmt.

„Elf Abenteuer des Joe Jenkins“ von Paul Rosenhayn ist wieder so ein Schätzchen aus der Vergangenheit. Das Buch ist im Jahre 1915 erschienen und machte Paul Rosenhayn fast über Nacht zum einen der meistgelesenen deutschen Krimiautoren. Heut ist der Autor nahezu unbekannt.

Paul Rosenhayn (1877-1929) war ein sehr erfolgreicher deutscher Krimi-Schriftsteller. Neben der Schriftstellerei war Rosenhayn auch Drehbuchautor für Stummfilme, was man in den Kurzgeschichten durchaus merkt, sie eignen sich wunderbar für kurze Filmepisoden. Neben 30 Romanen und Sammelbänden mit Kurzgeschichten schrieb er über 40 Drehbücher.

Wie man schon aus dem Titel entnehmen kann, enthält das Buch 11 Kurzkrimis. Es sind 11 ganz kurze Krimiepisoden, die hier zusammengetragen wurden. Sie sind kurz und rasant, sie könnten auch in einer Zeitungskolumne als wöchentliche Serie erschienen sein.

Joe Jenkins, der berühmte amerikanische Detektiv bereist Europa und löst unerklärliche Fälle in Berlin, Paris, Stockholm, London und Hamburg. Jeder Fall ist anders, jeder Fall ist auf den ersten Blick nicht lösbar, oft sind scheinbar übersinnliche Kräfte am Werk. In einem Fall erscheint ein toter deutscher Offizier seiner Ehefrau, immer und immer wieder, bis diese kurz vor dem Wahnsinn steht. In einem anderen Fall leuchtet ein überirdisches grünes Licht in dem Raum, wo ein wichtiger Vertrag aufbewahrt wird. Oder ein Geschäftsmann bekommt immer wieder Visitenkarten eines längst verstorbenen Zahnarztes. Die Wendungen sind dann doch sehr überraschend und völlig erklärbar.

Die Sprache hat zwar einige „ältere“ Ausdrücke, ist aber doch überraschend modern und lässt sich schnell und einfach lesen. Das fand ich etwas erstaunlich, da es sich um den Originaltext aus dem Jahr 1915 handelt. Das Buch wird dieses Jahr 100 Jahre alt.

Die Geschichten sind kurz, zu kurz, um wirklich kniffelige Fälle aufzubauen und umfassende Ermittlungen durchzuführen. Die Personen, die Orte sind nur sehr oberflächlich geschildert, zu blass.
Es fehlten mir Indizien und Hinweise, um mitzurätseln. Der Fall wurde geschildert, die Lösung wurde geschildert… das „Dazwischen“, der Weg zur Lösung spielt bei den Fällen aber keine Rolle. Die Ideen sind mysteriös und extravagant, nur die Lösungen sind zu plötzlich da.

Der Vergleich mit Sherlock Holmes hängt, Joe Jenkins ist der coole, schlagfertige Amerikaner und nicht der genial-intelligente Brite. Aber auch er ist wie alle Personen sehr „blass“ und nichtssagend – nach der Lektüre könnte ich nicht sagen, was für ein Mensch Joe Jenkins ist. Genau so ging es mir mit allen Personen aus den Geschichten.

Zwar kann das Buch nicht mit den großen Klassikern der Krimiliteratur wie Agatha Christie oder Arthur Conan Doyle mithalten, trotzdem freue ich mich sehr, dass wir wieder die Möglichkeit haben, es zu lesen. Ich als begeisterte Krimileserin möchte es nicht missen.

Das Taschenbuch kostet 10,95 €, das eBook 4,99 €.

Vielen Dank an den Dryas-Verlag, dass mir das Buch kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt wurde. 

Erstellt am Januar 1, 2015
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Eine Antwort zu “„Elf Abenteuer des Joe Jenkins“ von Paul Rosenhayn”

  1. Das klingt wirklich gut. Den Namen des Autors habe ich heute zum ersten Mal gehört, wieder was Neues gelernt.

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