Alte Friedhöfe zählt für mich zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten, die eine Stadt zu bieten hat. Während meines Wochenendtrips nach Berlin gehörte ein Friedhofsbesuch unbedingt zu meinem Sightseeing, denn auch im Herbst bei eiskalten Temperaturen kann ein Friedhof schön sein. Ich mag alte Gräber, ich mag Grabskulpturen, imposante Mausoleen, aber auch verfallene Gräber.

Im heutigen Post werde ich Euch zwei Berliner Friedhöfe zeigen, die für mich zu den sehenswertesten der Stadt gehören. Der Dorotheenstädtische Friedhof ist ein „Promifriedhof“, dort ruhen sehr viele Berühmtheiten der letzten Jahrhunderte. Der Alte Sankt Matthäus Kirchhof ist dagegen eher ein Geheimtipp. Es ist ein sehr kleiner Friedhof, jedoch kann man dort viele interessante und auch extravagante Gräber bewundern. Den ersten habe ich vor zwei Wochen besucht, den zweiten während meines Berlinbesuches im Frühjahr. 

DOROTHEENSTÄDTISCHER FRIEDHOF

Wie schon erwähnt, auf diesem Friedhof sammelt sich die Prominenz. Obwohl man hier sehr viele sehr berühmte Gräber finden kann, ist der Friedhof nicht überlaufen. Einigen Angehörigen, vereinzelten Touristen kann man hier begegnen, dennoch ist es eine Oase der Ruhe.

1762 wurde der Dorotheenstädtische Friedhof angelegt, direkt daneben wurde 20 Jahre später der französische Hugenottenfriedhof errichtet. Sehr schnell wurden bedeutende Persönlichkeiten hier begraben, schon Ende des 18. Jahrhunderts war es der begehrteste Friedhof von Berlin. Aufgrund der Nähe der Charité, der Universität und der Kunstakademie wurden hier die Akademie-Mitglieder, Wissenschaftler und Beamte beerdigt.  Heute ruhen hier sehr viele prominente Tote der letzten Jahrhunderte, zu den berühmtesten gehören Philosophen wie Hegel und Fichte, Bildhauer wie Rauch und Schadow oder Schriftsteller: Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Arnold Zweig oder Heiner Müller. Aber auch zeitgenössische Berühmte sind hier begraben, zum Beispiel der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau oder der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf.

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Grab von Bertolt Brecht und seiner Ehefrau, der Schauspielerin Helene Weigel

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Grab der Aurorin Anna Seghers

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Grab des Baumeisters Carl Friedrich-Schinkel

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Grab der Schriftstellerin Christa Wolf

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Grab des Bildhauers Christian Daniel Rauch

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Grab des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel

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Grab des Dramatikers und Lyrikers Heiner Müller

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Grab von Heinrich Mann und seiner Ehefrau Nelly

Philosoph Fichte Grab Friedhof

Grab von Johann Gottlieb Fichte

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Das Grab von Ernst Litfaß ist keine Säule

ALTER SANKT MATTHÄUS KIRCHHOF

Im Gegensatz zum Dorotheenstädtischen Friedhof ist der alte Sankt Matthäus Kirchhof ein Geheimtipp. Er taucht selten in den Reiseführern auf, ist aber nicht weniger sehenswert. Von der kulturhistorischen Perspektive fand ich den Friedhof sogar deutlich interessanter. Erbaut 1856, ist der Kirchhof deutlich jünger, nichtsdestotrotz hat der Friedhof viele bedeutende, unter Denkmalschutz stehende Grabstätten. Der Friedhof wurde im „Geheimratsviertel“ gegründet, einem wohlhabenden Stadtteil. Die meisten der Gräber gehören der vermögenden bürgerlichen Oberschicht, entsprechend repräsentativ sind sie.

Während der NS-Zeit wurde der Abriss des Friedhofs begonnen, da er bei den Planungen der „Welthauptstadt Germania“ im Weg stand. Ca. 1/3 der Gräber wurde umgebettet, zu den Umbaumaßnahmen von Berlin ist es jedoch nie gekommen.

Verwundert war ich, dass die Gebrüder Grimm in Berlin beerdigt sind, wo ich doch geglaubt habe, dass sie in Kassel und Göttingen ihren Lebensabend verbracht haben. Aber nein, kurz vor ihrem Tod im Alter von 73 und 78 sind sie nach Berlin gezogen. König Friedrich Wilhelm IV. hat sie zu Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften gemacht. Sie lebten im „Geheimratsviertel“ und wurden als eine der ersten Toten auf dem St. Matthäus Friedhof begraben.

Eine weiterer Promi ist der „König von Deutschland“ Rio Reiser. Sein Grab ist eins der vielen Homosexuellen-Gräber. Irgendwo habe ich den Begriff „Deutschlands schwulster Friedhof“ aufgeschnappt. Das ist die andere sehenswerte Seite des Friedhofs, denn die Gräber von Schulen und Lesben sind oft gestalterische Besonderheiten, manchmal mit einem Hang zum Kitsch.

Gräber der Gebrüder Grimm und ihrer Söhne

Grab von Rio Reiser

FAZIT

Viele reagieren mit Unverständnis, wenn ich erzähle, dass ich auf Reisen gerne Friedhöfe besuche, doch für mich gehören sie zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten einer Stadt. Alte Gräber sind schön, oft sind sie kleine Kunstwerke. Sie erzählen viel über die Epoche, in der sie entstanden sind. Friedhöfe sind für mich aber auch Orte der Ruhe, der Entspannung, sie sind mit Parks vergleichbar, laden zum Verweilen ein. Zuletzt ist ein Friedhofsbesuch ein Blick in die Vergangenheit, oft lese ich die Inschriften, überlege, wer die Menschen waren. Es ist aber auch ein Blick in die Zukunft, auf die eigene Sterblichkeit. Im Grunde sind Friedhöfe nur schöne und geschichtsträchtige Orte.

Beide der hier gezeigten Friedhöfe empfinde ich als sehr sehenswert, ein Besuch lohnt sich. Bei meiner nächsten Reise nach Berlin möchte ich den jüdischen Friedhof Weißensee besuchen.

 

Erstellt am Dezember 9, 2016


5 Antworten zu “Die schönsten Friedhöfe von Berlin”

  1. Zypresse sagt:

    Oh Eva, beim nächsten Aufenthalt in Berlin empfehle ich Dir einen Besuch auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf http://www.suedwestkirchhof.de/ Er hat eine ungewöhnliche Geschichte, ist wunderbar grün, hat eindrucksvolle Grabdenkmäler – ist also auf jeden Fall einen ausgedehnten Friedhofsspaziergang wert. Ach und Promis gibt es hier auch: Effi Briest (in Wahrheit Elisabeth von Ardenne), Theodor Fontane, Walter Gropius, Engelbert Humperdinck, Heinrich Zille… und viele mehr

  2. Anette sagt:

    Ich besuche auch sehr gerne alte Friedhöfe, besonders solche mit altem Baumbestand, es sind einfach besondere Orte und sie bieten so viel Ruhe.

  3. Doch doch, Friedhöfe können durchaus was Hübsches haben, aber klar. Ich finde sie zudem überhaupt nicht gruselig, etwas friedlicheres gibts ja gar nicht. Unsere Dorf-Friedhöfe sind zwar eher schlicht gestaltet, aber alte hübsche Grabstätten, die mit Liebe gefpflegt werden sind schon imposant. Die Gebrüder Grimm, Wahnsinn.
    Liebe Grüße

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