Meine regelmäßigen Leser wissen, wie sehr ich Grossbritannien liebe. Fast jedes Jahr reise ich in dieses bezaubernde Land. Da ich fast alles mag, was englisch ist, bin ich selbstverständlich ein ganz großer Krimi-Fan. Englische Krimis sind mit Abstand die Besten. Auch die, die nicht von Engländern geschrieben wurden, meine Lieblingsautorinnen Martha Grimes und Elizabeth George sind Amerikanerinnen – schreiben aber wundervolle typisch britische Krimis. Und wenn Ihr hier gelegentlich vorbei schaut, dann habt Ihr vermutlich schon bemerkt, dass ich doch recht viel über Bücher aus dem oder über das 19. Jahrhundert schreibe, daher gehört mein Herz sehr der viktorianischen Ära. Deshalb ist es eigentlich klar, dass das folgende Buch genau in mein Beuteschema fällt und ich es unbedingt lesen musste.

Der Autor

Robert Cedric Marley ist ein Pseudonym des deutschen Autors Gerald Hagemann. Der Autor hat sich viel mit der britischen Kriminalgeschichte beschäftigt und mehrere Romane sowie Sachbücher zu dem Thema geschrieben. Sehr interessant klingt für mich „Tatort Grossbritannien. Galgen, Mörder und Verbrecher: Ein Führer zu 300 Kriminalschauplätzen. (Meine nächste Reise nach England kommt bestimmt und das Buch kommt mit). Robert C. Marley ist vom Beruf Goldschiedemeister, stellt Zauberrequisiten her und in seiner Freizeit betreibt er ein eigenes Kriminalmuseum. Und…. Herr Marley ist quasi mein Nachbar, seine Goldschmiede soll irgendwo in der Nähe von Paderborn sein (hier wohne ich) und er lebt in Lemgo (ich arbeite in Blomberg).

Nun aber zum Buch… zuerst möchte ich die schöne Aufmachung erwähnen, durch den dunkelblau eingefärbten Schnitt sieht das Buch ziemlich edel aus.

Die Story

Die schaurigen Morde von Jack the Ripper sind noch nicht lange her, als mehrere namhafte Goldschmeidemeister in London und Umgebung auf sehr kreative und ziemlich grausame Weise ermordet werden. Dem ersten wird flüssiges Gold in den Rachen gegossen, einem anderen werden Hufeisen an die Füße genagelt und der dritte wird versilbert und graviert.
Die Aufklärung der Verbrechen wird Chief Inspector Donald Sutherland Swanson übertragen, natürlich löst dieser die Aufgabe mit Bravour. Doch vorher hat er viele Rätsel zu lösen, muss sich mit Politikern im Travestie-Milieu auseinandersetzen, muss ein Code knacken und diverse Gefahren auf sich nehmen.
Und wer ist die geheimnisvolle Miss Comfort, die der Inspektor schon auf den Nacktfotos aus der Schublade des einen Opfers gesehen hat? Was hat der Dandy Oscar Wilde mit der Sache zu tun, der den Inspektor auf ein Eis und ein Absinth und später zu einer Kissenschlacht einlädt? Die Fragen werden natürlich beantwortet, aber erst ganz zum Schluss.

Das sage ich…

Sehr gelungen fand ich, dass historische Personen immer wieder in die Geschichte eingewoben werden. Es beginnt mit der Hauptperson, ein Inspektor Donald Swanson hat wirklich bei den Verbrechen um Jack the Ripper ermittelt. Oder der noch sehr junge Keith Murdoch taucht im Buch auf, der Vater von Rupert Murdoch, der Neffe des aufdringlichen Journalisten Brian Springer von der Sun.

„(…) merken sie sich den Namen Murdoch, er wird es noch weit bringen, der freche Kerl. Hat nämlich ein Auge für skandalträchtige Geschichten. Liebt es, die Türen aufzureißen, wenn es der Chef mit der Sekretärin auf der Toilette treibt.“

Wie schon oben erwähnt, spielt auch der Schriftsteller Oscar Wilde eine bedeutende Rolle und Arthur Conan Doyle ist Swanson mit seinen hervorragend-logischen Schlussfolgerungen bei den Ermittlungen behilflich.

Während die Hauptprotagonisten sehr detailreich, mit allen Vorlieben und Skurrilitäten dargestellt werden, fand ich einige Nebenpersonen etwas blass, ich hätte gerne etwas mehr über sie erfahren. Z. B. Detective Charles Stedman, der im Keller (dem „Vorzimmer zur Hölle“ oder dem „Sprechzimmer des Teufels“) arbeitet und sich überwiegend mit Fingerabdrücken beschäftigt. Das fand ich ein wenig schade. Er war eine so interessante Person, vielleicht taucht er in späteren Büchern wieder auf???

„Die Sache mit den Fingerabdrücken ist mir nicht ganz geheuer, Sir. (…) Das ganze hat in meinen Augen mehr von Okkultismus als von exakter Wissenschaft.“

Am Ende habe ich getrauert, mein Lieblingsprotagonist/in hatte die Goldschmiede auf dem Gewissen! Also dass muss doch wirklich nicht sein, erst so viel Sympathie wecken und dann ihm/ihr die ganzen Morde anhängen.

Ohne zu viel vorweg zu nehmen, das Buch ist spannend, sehr kurzweilig, humorvoll und sehr empfehlenswert. Das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Man merkt, dass der Autor über ein Thema schreibt, von dem er viel Ahnung und Spaß dabei hat.

Das Buch empfehle ich allen, ….

  • die Sherlock Holmes, dem von früher und dem von heute.
  • die sich diese -> Jack The Ripper Tasche kaufen möchten oder schon auf Jacks Spuren gewandelt sind.
  • die die Serie „Ripper Street“ mögen.
  • die sich von Oscar Wilde zur „Eiscreme und Absinth einladen lassen möchten und hinterher eine Kissenschlacht veranstalten möchten“.
  • Fans von Anne Perry.
Das Buch kostet 9,50 € und wurde vom Dryas-Verlag herausgebracht. 
Herzlichen Dank für das kostenlose Rezensionsexemplar. 
Erstellt am Juli 22, 2014

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