Lesezeit: ca. 3 Minuten
bodmin Moor Nebel Steinkreis Jamaica Inn Daphne de Maurier Annette von Droste Hülshoff
O schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
wenn es wimmelt vom Heiderauche,
sich wie Phantome die Dünste drehn
und die Ranke häkelt am Strauche,
unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
wenn aus der Spalte es zischt und singt –
o schaurig ist’s, übers Moor zu gehn,
wenn das Röhricht knistert im Hauche!
Fest hält die Fibel das zitternde Kind
und rennt, als ob man es jage,
hohl über die Fläche sauset der Wind –
Was raschelt drüben am Hage?
Das ist der gespenstische Gräberknecht, 
der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
hinducket das Knäbelein zage.
bodmin Moor Nebel Steinkreis Jamaica Inn Daphne de Maurier Annette von Droste Hülshoff
Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
unheimlich nicket die Föhre.
Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin,
das ist die unselige Spinnerin,
das ist die gebannte Spinnlenor‘,
die den Haspel dreht im Geröhre!
 
Da birst das Moor, ein Seufzer geht
hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Magret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“
Der Knabe springt wie ein wundes Reh,
wär nicht Schutzengel in seiner Näh‘,
seine bleichenden Knöchelchen fände spät
ein Gräber im Moorgeschwele.
bodmin Moor Nebel Steinkreis Jamaica Inn Daphne de Maurier Annette von Droste Hülshoff
Da mählich gründet der Boden sich,
und drüben, neben der Weide,
die Lampe flimmert so heimatlich,
der Knabe steht an der Scheide.
Tief atmet er auf, zum Moor zurück
noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja, im Geröhre war’s fürchterlich,
O schaurig war’s in der Heide!
bodmin Moor Nebel Steinkreis Jamaica Inn Daphne de Maurier Annette von Droste Hülshoff


Ein Moor im Regen und Nebel zu besuchen, ist wirklich ein einmaliges Erlebnis. Ich fand es so schaurig und gruselig, wie im Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff. 

Eigentlich haben wir im Moor den Steinkreis „The Hurlers“ gesucht, den wir auch gefunden haben. Allerdings haben wir uns nicht getraut, den Weg zu verlassen, um in die Nähe des Steinkreises zu gehen. 

bodmin Moor Nebel Steinkreis Jamaica Inn Daphne de Maurier Annette von Droste Hülshoff



Aber was wäre das für ein Post, ohne König Artus zu erwähnen. Auch um Bodmin Moor ranken sich Sagen, die mit dem legendären König in Verbindung gebracht werden. In einem der Seen im Moor soll das Schwert Excalibur liegen, Sir Bedivere soll es dort versenkt haben, als König Artus im Sterben lag. 

Und die Buchfreunde unter Euch finden im Bodmin Moor auch eine Anlaufstelle: das Jamaica Inn, welches Daphne du Maurier im gleichnamigen Buch verewigt hat. Das Buch wurde von Hitchcock (wie viele andere von Daphne du Maurier) verfilmt und trug den Titel „Riff-Piraten“.

bodmin Moor Nebel Steinkreis Jamaica Inn Daphne de Maurier Annette von Droste Hülshoff


Über das Inn werden verschiedene Geistergeschichten erzählt. Nachts hört man schlürfende Schritte auf den Fluren, morgens kann man manchmal Pferdehufe hören, obwohl es in der Nähe keine Pferde gibt. In einigen Zimmern hat man ein Gemurmel in einer fremden Sprache gehört. 

Es gibt eine Sage, dass ein Gast von einem Unbekannten nach draußen gebeten wurde, also ließ er sein Getränk stehen und ging zu dem Fremden. Am nächsten Morgen hat man seine Leiche im Bodmin Moor gefunden – was passiert ist, kann keiner sagen. Der Gast wird jedoch auch heute noch gelegentlich im Inn gesichtet, doch sobald man in seine Nähe kommt, löst er sich in Luft auf. 

England hat sehr viele geheimnisvolle Orte zu bieten. 

Erstellt am Juni 3, 2012


7 Antworten zu “Bodmin Moor im Nebel”

  1. Pastellfee sagt:

    wow, traumhafte Fotos, da wär ich gern mit dabei gewesen! Und das Gedicht passt auch gut 🙂

  2. Oh, was für eine schaurig schöne Stimmung. Ganz wunderbare Fotos…

    Liebe Grüße 🙂

  3. Phantastische Bilderm die viel Raum für eigene Phantasien lassen…
    Viele Grüße Synnöve

  4. monika sagt:

    line full of melancholy and strange nostalgia.

  5. ein wunderschöner Post, mit tollen Fotos

  6. Agnes sagt:

    Die Bilder sind phantastisch, und das Gedicht ist wunderschön.
    ABER…….
    Das Gedicht der münsterländischen Dichterin Anette von Droste Hülshoff, was die eindeutig eine Beschreibung der münsterländischen Moore ist, paßt wahrhaftig nicht zu den Bildern des Bodmin Moores in Cornwall.

  7. Maegwin sagt:

    Also ich finde, dass es total passt, weil es die düstere Stimmung eines jeden Moors einfängt. Auch in England gibt's Büsche der Heiderauke und auch auf den Bildern sieht man die "Riesenhalme wie Speere", Quellchen gibt's dort an jeder Ecke.

    Für mich ist das Gedicht nicht nur eine Beschreibung des münsterländischen Moores, sondern eine Schilderung der Gefahren, der Legenden und der Eindrücke verschiedener Moore. Ein Moor im Münsterland war bestimmt eine Inspiration für das Gedicht, aber wenn Annette von Droste Hilshoff in England gelebt hätte, wäre das Gedicht bestimmt genau so gut geworden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.