Haruki Murakami gehört zu meinen Lieblingsschriftstellern, seine Bücher sind wie Filme von David Lynch. Sie beginnen gradlinig und real, bekommen aber oft surreale Wendungen, für die es keine Erklärung gibt.

Genau so ist es in „1Q84“! Es ist eine Trilogie, gerade habe ich den dritten Teil zu Ende gelesen. 
Zuerst aber etwas über den Plot der Geschichte.
Das Buch beginnt, als Aomame, eine erfolgreiche Fitnesstrainerin und gelegentliche Auftragskillerin auf dem Weg zum neuen Mord ist. (Aomame tötet nur Männer, die Frauen Gewalt antun.). Sie steht im Stau und es besteht die Gefahr, dass sie ihr Ziel nicht rechtzeitig erreicht, daher steigt sie auf der Autobahn aus dem Taxi und nutzt einen Fluchtweg. Durch diesen Fluchtweg gelangt Aomame in eine Paralellwelt, zuerst merkt sie keinen Unterschied, denn es sind nur Kleinigkeiten, die diese Welt von unserer Welt unterscheiden, über der Welt scheinen aber zwei Monde. Gleichzeitig wird die Geschichte von Tengo erzählt, einem nebenberuflichen Mathematiklehrer, der aber Schriftsteller werden möchte. 
Tengo und Aomame sind zusammen zur Grundschule gegangen, sie waren beide Außenseiter, hatten aber nie Kontakt miteinander, bis auf einmal, als Aomame Tengos Hand genommen und gedrückt hat. Kurz darauf hat Aomame die Schule verlassen und sie haben sich nie wieder gesehen, denken aber beide immer wieder an diesen Moment. 
In der Paralellwelt von 1984, die von Aomame 1Q84 genannt wird, existiert eine Sekte, die „Die Vorreiter“ genannt wird. Die Sekte lebt abgeschieden von der Welt, es gibt aber immer wieder Vorfälle, die sie in Verruf bringen. Angeblich werden dort auch junge Mädchen vom Leader der Sekte missbraucht. Die Förderin eines Frauenhauses beauftragt daher Aomame, den Leader der Sekte umzubringen. 
Auch Tengo wird in die Welt der „Vorreiter“ hineingezogen. Er wird zum Ghostwriter für einen Bestseller der Tochter des Leaders. In dem Buch „Die Puppe aus Luft“ erzählt die Tochter vom Leben in der Sekte, von der Paralellwelt und von den „Little People“, die eine vorherrschende Rolle sowohl für die Sekte als auch für die Paralellwelt spielen. Die 17-jährige Autorin flieht vor der Sekte und versteckt sich bei Tengo in der Wohnung. 
Das war die Kurzzusammenfassung der ersten zwei Bände. Schaut Euch noch die Kritik von Iris Radisch an, ich finde sie sehr passend und sehr gelungen. 
Ich möchte aber heute vom dritten Teil der Trilogie erzählen. 
Der Leader der „Vorreiter“ ist tot, umgebracht von Aomame. Die Vorreiter beauftragen Ushikawa, einen gescheiterten Privatdetektiv, um herauszufinden, wo sich Aomame aufhält. Diese versteckt sich unweit der Wohnung von Tengo, trotzdem begegnet sie sich erst ganz zum Schluss des Buches.
Im Teil 3 gibt es drei Hauptpersonen und drei Handlungsstränge: Aomame, die sich vor den Vorreitern versteckt und stets an Tengo denken muss, Tengo, der seinem im Koma liegenden Vater Gesellschaft leistet und stets an Aomame denken muss und Ushikawa, der bei seiner Observierung ahnt, dass zwischen Tengo und Aomame eine Beziehung besteht. 
Während die ersten beiden Teile rasant, interessant, handlungsreich und ziemlich emotionslos waren, geht es im dritten Teil vom allem um die Gefühle der Hauptpersonen. Die Geschichte nimmt eine seltsame, fast kitschige Wendung. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten.
Aufklärung der seltsamen Vorfälle habe ich nicht erwartet, das kenne ich schon von Murakami. Ich habe aber gehofft, dass man etwas über die Zusammenhänge erfährt, wie die Personen und die Handlungen zueinander stehen. Tengos Vater, z. B. war ein GEZ-Gebühreneintreiber. Als er schon im Koma lag, klopfte er immer noch bei den Hauptpersonen an die Türen und wollte, dass diese Rundfunkgebühren bezahlen. Warum? – das ist mir ein Rätsel geblieben. Vielleicht war es nur ein Teil der surrealen Welt, vielleicht war es ein Mittel, um Spannung und Geheimnisse zu erzeugen. Die Frage des Glaubens spielt in dem Buch eine sehr wichtige Rolle, vor allem im Leben von Aomame, deren Eltern Zeugen Jehovas sind. Sie fragt sich oft, ob es einen Gott gibt, der als Puppenspieler agiert. 
Auf dem Buchcover steht „Romeo und Julia unseres Jahrtausends“ Die literarische Welt – selten habe ich ein unpassenderes Zitat. Das Buch hat so ziemlich nichts mit Romeo und Julia gemeinsam. 
Es klingt schlecht, was ich über das Buch bisher geschrieben habe. Aber schlecht war der 3. Teil nicht. Nach den fulminanten ersten zwei Bänden, in denen eine geheimnisvolle und surreale Welt aufgebaut wird, die voller Absurditäten und versteckter Hinweise und angeblicher Zusammenhänge ist. Ich habe mir einen Abschluss gewünscht, den ich nicht erhalten habe – daher meine Enttäuschung. Das Ende wirft sogar noch mehr Fragen auf, da eventuell eine dritte Welt ins Spiel kommt – es gibt dort zwar nur einen Mond, allerdings steht der Tiger von Esso andersrum. 
Der Titel „1Q84“ soll Bezug nehmen auf „1984“ von George Orwell. Der Leader der Vorreiter ist ein totalitärer Herrscher, hat durchaus einige Merkmale vom „Big Brother“. Die Lebenswelt der Sektenmitglieder hat durchaus Parallelen zum Buch von George Orwell. 
Die Bücher von Murakami zu lesen lohnt es sich immer – ich würde sie jedem uneingeschränkt empfehlen, sie fesseln, betören und reißen mit. Ich war nur vom Abschluss der Erzählung etwas enttäuscht, weil ich etwas Anderes erwartet habe. Trotzdem sind die Bücher zusammen gesehen eine großartige und sehr stimmungsvolle Erzählung. 
Kennt jemand von Euch Haruki Murakami oder sogar die Bücher? 
Erstellt am Mai 18, 2013
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3 Antworten zu “1Q84, Teil 3 – ungewöhnlich gewöhnlich”

  1. Ohh, welch Freude einen Murakami-Leser zu finden!
    Ich LIEBE seine Bücher – sie sind zum Versinken schön und rücken meinen Blick auf die Welt immer wieder zurück auf das Wesentliche – oder auch nicht – ich kann es gar nicht beschreiben! Kann und nur jedem empfehlen, es einmal mit Murakami zu probieren ♡♡♡
    Welche hast Du noch gelesen?
    LG, Katharina
    http://smilebeautysmile.blogspot.de/

  2. Maegwin sagt:

    Es ist einfacher zu sagen, was ich noch nicht gelesen hab. Bisher noch keine der Kurzgeschichtensammlungen, die Schafsjagd/Schafsmann-Bücher und Sputnik Sweethearts. Und das Buch über den U-Bahnanschlag und übers Laufen auch noch nicht, werde ich wahrscheinlich auch nicht.
    Aber Du hast sooo recht, sie sind grandios gut! Ich liebe seine Bücher sehr.

  3. Hab ich mir gestern vom Grabbeltisch gekauft, mal sehe, ob es für mich als Skandinavienkrimifan nicht zu anspruchsvoll ist…LG und auf bald!!

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