Ich hab nicht nur viele Bücher in meinen 4 Wänden, sondern auch einige wunderbare Comics – ein besonderes Schätzchen meiner Sammlung muss ich Euch heute zeigen… oder eher beschreiben. Wenn ich zuviel zeige, wird mein Blog noch wegen pornografischen Inhalten geschlossen.


„Lost Girls“ von Alan More und Melinda Gebbie 

Bevor ich Euch den Comic vorstelle, zuerst einige Infos über die Autoren. 
Alan Moore kennen wahrscheinlich die meisten von Euch! Von ihm kommen die grandiosesten Comics und auch die besten Comicverfilmungen der letzten Jahre: V wie Vendetta, Watchmen, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, From Hell oer Green Lantern – um nur mal die wichtigsten zu nennen. 
Melinda Gebbie ist eher eine unbekannte amerikanische Underground-Comicautorin, ich zumindest kannte sie bis dato nicht.
Durch die gemeinsame Arbeit an „Lost Girls“ sind die beiden zusammen gekommen und sind bis heute ein Paar, verheiratet seit 2007 (und ich bin überzeugt, dass sie ein sehr aufregendes Liebesleben haben). 
Die Handlung des Comics ist sehr sehr schnell erzählt. Wendy von „Peter Pan“, Alice von „Alice im Wunderland“ und Dorothy von „Der Zauberer von Oz“ sind nun erwachsen. Am Vorabend des ersten Weltkrieges treffen sie sich zufällig im Hotel „Himmelgarten“ am Bodensee, und vertreiben sich die Zeit indem sie sich gegenseitig ihre erotischen Erlebnisse erzählen. Und selbstverständlich bleibt es nicht beim Erzählen, sie erleben viele neue erotische Abenteuer: miteinander, mit zufälligen Bekanntschaften, ihren Männern, mit dem Pagen und dem Hoteldirektor. 
Die Geschichte endet damit, dass die Hotelbewohner erfahren, dass der der österreichische Thronfolger Franz-Ferdinand umgebracht wurde. Die Protagonisten verlassen das Hotel in Vorahnung des herannahenden Krieges. 
Mehr gibt es zu der Handlung eigentlich nicht zu sagen…. 
Warum zeige ich Euch den Comic trotzdem? 
Weil der Comic so voller Anspielungen ist, es ist eine Sammlung von Anspielungen auf Literatur, Musik und Kunst. 
Die Handlung  hat Ähnlichkeit mit „Decamerone“ von Giovanni Boccaccio, die Protagonisten dort fliehen vor der Pest  aufs Land und erzählen sich erotische Geschichten als Zeitvertreib. Das Hotel „Himmelgarten“ erinnert an das Sanatorium im „Zauberberg“ von Thomas Mann, denn in dem Roman lernt der Protagonist Hans Castrop verschiedene Herren kennen, deren Weltansichten in fesseln und zum Verweilen im Sanatorium anhalten. Auch Castrop wird erst durch den Beginn des I. Weltkrieges aus dem Sanatorium gerissen.
Wendy träumt vom Fliegen, laut Freuds „Traumdeutung“ ist das ein Ausdruck sexueller Wünsche und der Ehemann von Wendy hat große Ähnlichkeit mit Sigmund Freud. Es gibt Verweise auf Faust, auf Oscar Wilde oder auf „Tannhäuser“.
Zum Beispiel besuchen die Protagonistinnen die Uraufführung des Ballett von Igor Strawinski „Die Frühlingsweihe“ – das Bild dazu ist expressionistisch-dadaistisch, sehr passend zum Ballett. Der Höhepunkt des Balletts bringt auch für die Damen einige Höhepunkte. 
Hier ein Zitat über die Musik von Strawinski:„Oh, der Klang… Es war, als sei er mir längst vertraut und doch war nie auch nur eine halb so seltsame Musik an mein Ohr gedrungen, gleichwohl Scheu wie Gier auslösend. Es schauderte mich, bis zwischen meine Beine, die ich in stiller Ekstase zusammengepresst hielt. Das Publikum war ein ruheloser Ozean, verdutzt, in Trance.“

Alleine das Anschauen des Comics ist ein Genuss, weil er so wunderschön gezeichnet ist. Die Kapitel sind den Stilen verschiedener Künstler nachempfunden, die um die Jahrhundertwende gelebt und gearbeitet haben.
Aber auch die Beschreibungen sind eine Wonne, die Erotik ist nicht nur in anmutige Bilder, sondern auch in schöne Worte verpackt: „…die aromatischen Kelchblätter ihres Mysteriums vom silbernen Tau benetzt…“ oder „…das Tal umgeben von gewundenen Farnwedeln mit der lichtlosen Grotte voller Rätsel…“
Gerne würde ich mehr Bilder zeigen, aber der Comic besteht nur aus Sex – daher gibt es nur eine kleine und harmlose Auswahl. 
 Die sieben Todsünden sind eine Hommage an Alfons Mucha.
Ein anderes Kapitel ist Egon Schiele nachempfunden.
Allan Moore sagt selber, dass es sich bei diesem Werk um Pornografie für gebildete Leserschaft handelt. Das Buch soll zeigen, dass Pornografie schön sein kann, sie soll raus aus der Schmuddelecke, daher auch die hochwertige Aufmachung mit Goldprägung, gebunden und im Schuber. Und es ist ihm und Melinda Gebbie wunderbar gelungen!!!!
Ich hab die Comics sehr genossen, für mich sind sie ein Meisterwerk! Bei der blumigen Sprache würde ich eher Frauen als Zielgruppe sehen, aber ich bin überzeugt, dass auch Männer große Freude an dem Werk haben werden.  Wer sich aber von zum Teil sehr detaillierten und sehr abwechslungsreichen Sexszenen abschrecken lässt, sollte nicht zu diesem Comic greifen.

Verlag: Cross Cult; Preis: 75 € (meine Ausgabe war aber deutlich günstiger, weil sie eine abgestoßene Ecke hat).

Alle Bildrechte: Alan Moore & Melinda Gebbie entnommen aus Lost Girls (Amigo Grafik GmR / Cross Cult).

Erstellt am Juni 23, 2013
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3 Antworten zu “Lost Girls – nun sind Wendy, Alice und Dorothy definitiv sehr erwachsen!”

  1. Das ist sehr speziell. Aber für einen Comic sieht es tatsächlich sehr kunstvoll/künstlerisch aus.

    LG

  2. Lli Lian sagt:

    Wow, das wäre genau nach meinem Geschmack. Das hebt sich deutlich von der breiten Masse ab und ist mit Sicherheit auch nicht überall zu bekommen. :/ Der Preis ist natürlich saftig, aber laut deiner anschaulichen Rezi wohl durch und durch angemessen. Schon alleine die Idee des Ganzen finde ich ja irre. 🙂 Danke für die schöne Vorstellung.

    LG Llil

  3. Carolina sagt:

    Interesting erotic comic.
    Hope you have an amazing day.

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