Alle Welt spricht über „Shades of Grey“, Sex mit Folter und Schmerz ist zur Zeit so angesagt, daher möchte ich auch einen Beitrag schreiben…. aber ich werde heute nicht irgendein Buch vorstellen, sondern DEN Klassiker des Genres.

Bevor ich anfange, zuerst eine kurze Erläuterung über den Ursprung der Wörter Sadismus und Masochismus, beide haben nämlich einen literarischen Ursprung. Der Sadismus wurde nach dem Schriftsteller Marquis de Sade (1740-1814) und der Masochismus nach Leopold von Sacher-Masoch (1836-1895) benannt.

Wer war denn Leopold von Sacher-Masoch?
Geboren und aufgewachsen ist Herr von Sacher-Masoch in Lemberg, sein Studium der Rechtswissenschaft, Mathematik und Geschichte absolvierte er in Wien. Nach einer kurzen Tätigkeit als Dozent in Graz widmete er sich der Schriftstellerei. Zur damaligen Zeit war er ein vielgelesener und gefeierter Schriftsteller. Seine Werke, die das Unterwerfungsverlangen thematisieren, gehörten zu seinen beliebtesten Romanen. 
Die Handlung des Buches ist schnell erzählt. 
Der Erzähler und zugleich die Hauptperson Severin von Kusiemski lernt in einem verlassenen karpatischen Bad die junge Witwe Wanda von Dunajew kennen. Zum diesen Zeitpunkt gehören nur Gemälde oder Statuen von vollkommenen Frauen zu den Objekten der Begierde des Protagonisten. Wanda hilft Severin, seine Phantasien in die Wirklichkeit umzusetzen und als Gegenleistung unterschreibt Severin einen schriftlichen Vertrag, dass er ihr als Sklave dienen wird. Beide unternehmen eine Reise durch Europa und siedeln sich in Italien an. Dort lernt Wanda einen deutschen Maler kennen, der auch ihren Reizen verfällt und einen griechischen Adeligen, der wiederum selber die dominante Rolle übernimmt. 
Was das Buch faszinierend macht, sind die intensiven Beschreibungen des Gefühlslebens der beiden Protagonisten. Wanda, die sich zu Severin hingezogen fühlt, möchte zu Beginn ihn eher mit Zärtlichkeit überschütten und nicht ihm Schmerzen zufügen. Doch sie merkt schnell, dass sie in ihm nur wahre Leidenschaft und Obsession entfacht, wenn sie ihren Geliebten erniedrigt, wenn sie ihm seelische und körperliche Schmerzen zufügt. Wanda findet immer mehr gefallen an ihrer Rolle und wird von Severin umso mehr geliebt, je härter und kälter sie ist. Als Sklave bekommt Severin einen neuen Namen: Gregor, er muss in einer Dienerunterkunft wohnen, Bedienstetenkleidung tragen und niedere Aufgaben verrichten und Wanda quält ihn psychisch und physisch immer stärker und immer häufiger. 
Den Höhepunkt und ein rapides Ende erreicht die Geschichte, als „der Grieche“ auf den Plan tritt und die Dominanz übernimmt. Wanda unterwirft sich ihm völlig und auch von Severin wird Gehorsam erwartet. Die Situation kippt und die Qualen bedeuten für Severin nur noch unendlichen Schmerz, das Lustvolle daran ist verloren. 
Das Buch hat viele Bezüge zur antiken Mythologie, zur Kunst und zur Geschichte. Das große Vorbild für die Venus ist das Bild „Venus mit dem Spiegel“ von Tizian. Severin vergöttert die vom Pelz umhüllte Venus. Aber auch die Despotin Katharina die Große, die gerne Pelze getragen hat, wird von Severin angebetet. Die Liebe zu Bildern und Statuen erinnert an Pygmalion und Galathea aus der griechischen Mythologie und wurde auch in der Literatur oft verarbeitet, z. B. in „Das Marmorbild“ von Josef von Eichendorff, im „Pygmalion“ von Rousseau oder von Goethe.
„Venus mit dem Spiegel“ von Tizian via Wikipedia Commons
Übrigens… die zweite Ehefrau von Leopold von Sacher-Masoch hat ihren Namen in Wanda umbenennen lassen und auch sie hatte einen Vertrag mit ihrem Ehemann, der besagte, dass er ihr Sklave sein soll.
Hat mir das Buch gefallen??? Schwer zu sagen… eine Handlung ist fast nicht vorhanden, die Sprache ist recht gewöhnlich. Es hat mich trotzdem gefesselt (hier ist das Wort doch so schön doppeldeutig :-D). Nicht als unterhaltsame Lektüre, eher als ein voyeuristischer Einblick in die Varianten und Abgründe der menschlichen Obsessionen. Viel Sex und Erotik enthält das Buch nicht, es war schon zum Erscheinungszeitpunkt kein Skandalroman, sondern eher eine moralische Lektüre. Wer einen Erotikroman oder ein BDSM-Buch erwartet, wird enttäuscht sein. Trotzdem werde ich das Buch gerne weiter empfehlen, wie gesagt, es hat mich schon ein wenig fasziniert. Außerdem kann man so schön klugscheißern, wenn man weiß, wo der Masochismus her kommt. 
Und noch eine wichtige Info, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Auch Roman Polanskis neuester Film befasst sich mit der Gesichte der „Venus im Pelz“, es ist jedoch keine direkte Nacherzählung des Buches, er Film ist aber stark an die Geschichte angelehnt. In der Hauptrolle sieht man natürlich wieder Polanskis wunderschöne seine Ehefrau und Muse Emmanuelle Seigner
(c) R.P. Productions, A.S Films, Monolith Films
Zum Schluss noch ein Zitat… es hat mich sehr beeindruckt, da steckt viel Wahrheit drin: 
„Dass das Weib, wie es die Natur geschaffen und wie es der Mann gegenwärtig heranzieht, sein Feind ist und nur seine Sklavin oder seine Despotin sein kann, aber nie seine Gefährtin. Dies wird sie erst dann sein können, wenn sie ihm gleich steht an Rechten, wenn sie ihm ebenbürtig ist durch Bildung und Arbeit.“
Bei der Sachertorte werde ich jetzt jedenfalls immer die Assoziation mit Masochismus haben… in Graz gibt es wirklich eine besondere Kreation zu kaufen, eine Abwandlung der Sachertorte: die Sacher-Masoch-Torte. 
Erstellt am August 21, 2013
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3 Antworten zu “„Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch … vom Namensgeber des Masochismus”

  1. Wieder was gelernt auf deinem tollen Blog! Man erkennt sofort, was dir Bücher bedeuten! Liebe Grüße, Andrea

  2. Carolina sagt:

    Thanks for this excellent review, I found it very interesting. Liebe GrüBe *:)

  3. Carolina sagt:

    Cute your new picture, you look great!
    Bye, bye

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