Für Bücher von „früher“ schlägt mein Herz besonders, neben bekannten Klassikern lese ich gerne auch etwas von Schriftstellern, die heute schon fast in Vergessenheit geraten sind. Solche Bücher sind für mich wie kleine Entdeckungstouren einer unbekannten Welt.

Als bei „Blogg Dein Buch“ ein Roman einer nahezu vergessenen viktorianischen Schriftstellerin zum Rezensieren angeboten wurde, habe ich mich sofort darum beworben – und es auch bekommen. 
Ich präsentiere „Das Geheimnis der Lady Audley“ von Mary Elizabeth Braddon!
Autorin: 
Mary Elizabeth Braddon (1837-1915) war eine Beststellerautorin der viktorianischen Zeit. In ihrem Leben hat sie mehr als 80 Romane geschrieben und gehörte zur meistgelesenen Schriftstellerinnen der viktorianischen Ära. Mary musste früh für ihr eigenes Geld verdienen, da ihre geschiedene Mutter alleine für den Unterhalt der Familie sorgen musste. Zuerst versuchte Mary es mit der Schauspielerei, später widmete sie sich aber nur der Schriftstellerei und verdiente damit einen ordentlichen Lebensunterhalt. Ihr Verleger, John Maxwell wurde auch ihr Lebensgefährte – ein Skandal in der damaligen Zeit. Heiraten konnte sie ihn erst 15 Jahre später, als die geisteskranke Ehefrau von John verstorben ist (Oh, eine Geschichte wie aus Jane Eyre, einem meiner Lieblingsbücher). 
Große zeitgenössische Schriftsteller schätzten sehr die Geschichten von Mary Elizabeth Braddon, zu ihren begeisterten Lesern zählten William Makepeace-Thackeray, Charles Dickens und George Bernhard Shaw
„Mary Elizabeth Braddon“ via Wikipedia Commons
Cover: 
Das Cover finde ich total gelungen und passend – in einer Buchhandlung würde ich dem Buch auf jeden Fall einen zweiten Blick widmen. 
Handlung: 
Der wohlhabende Sir Michael Audley, ein attraktiver Witwer mittleren Alters verliebt sich in die junge Gouvernante des Dorfarztes. Obwohl er nichts über sie weiß, liebt er sie so innig, dass er ihr einen Heiratsantrag macht, der mit wohlwollen angenommen wird. 
Als Robert Audley, der Neffe von Sir Michael mit seinem Freund George Talboys zu besuch kommt, wird schnell klar, dass die frisch vermählte Lady Audley Geheimnisse hat, von denen keiner etwas ahnt. Sowohl sie als auch George Talboys benehmen sich seltsam. Als George plötzlich ohne jegliche Nachricht verschwindet, versucht Robert um jeden Preis herauszufinden, was mit ihm passiert ist und welche Rolle Lady Audley dabei spielt. 
Sprache: 
Die Sprache ist das Einzige, was mich an diesem Buch enttäuscht hat. Ein Grund, warum ich gerne alte Bücher lese, ist die „schöne“ und „elegante“ Sprache. Ich mag es, wenn Worte benutzt werde, die heute nicht so geläufig sind, ich mag den manchmal komplizierten Satzbau, ich mag die langatmigen Beschreibungen. Die vorliegende Übersetzung ist sehr zeitgenössisch – sie ließt sich schnell und flüssig, hat aber den Charme eines viktorianischen Romans eingebüßt. Mir schwebt dauernd der Vergleich mit Büchern und Heften aus der Reihe „Romantic Thriller“ vor, die ich als Teenie in großen Mengen verschlungen habe. Ich könnte mir vorstellen, dass viele junge Leser das als sehr entspannend erleben, wenn die Sprache der heutigen Zeit angepasst ist; meine Erwartungen waren anders. 
Mein Fazit: 
Ich hab das Buch mit viel Begeisterung gelesen, es ist von Anfang an spannend. Obwohl ich auf Seite 30 geahnt hab, wie das Buch ausgehen wird, gab es viele unerwartete Wendungen, die mich immer mehr gefesselt haben. Und auch das von mir „erahnte“ Ende ist überraschend anders ausgefallen. Die Geschichte fand ich richtig gut, sie war nicht nach dem gleichen Schema geschrieben, wie viele Krimis von früher oder von heute. 
Besonders gerne mochte ich die geheimnisvolle und etwas düstere Atmosphäre von Audleys Court, efeubewachsene Mauern, nebelige, verregnete Tage, sternlose Nächte – ein Setting, wo man hinter jeder Ecke ein Geheimnis wittert. Der Vergleich zum Zeitgenossen Wilkie Collins liegt nahe, die Atmosphäre, die Personen und auch ein wenig das Setting hat mich an „Die Frau in Weiß“ oder „Der rote Schal“ erinnert. In Anhang des Buches in einer Kurzbiografie wird erwähnt, dass Mary Elizabeth Braddon oft mit Jane Austen verglichen wird – dem würde ich nicht zustimmen, die Themen, die Handlungen und auch nicht die Erzählweise haben nichts gemeinsam, außer dass sie gelegentlich in Herrenhäusern spielen. Und beide Schriftstellerinnen haben ihr eigenes Geld verdient – eine Seltenheit damals. Jane Austen behandelte eher die Thematik der „Vermählung“, während bei diesem Buch eher „Trennung“ und „Verlassen“ im Mittelpunkt stehen. 
Leider ist „Das Geheimnis der Lady Audley“ das einzige Buch der Autorin, welches zurzeit in Deutschland erhältlich ist, die meisten ihrer Bücher wurden nie ins Deutsche übersetzt, daher danke an den Dryas-Verlag, dass sie dieses Schätzchen ins Programm aufgenommen haben. Ich hoffe, dass es nicht das einzige Buch der Autorin bleibt, welches ich mal zu Lesen kriege. 
Wie immer bei BdB muss ich das Buch noch bewerten. Wie schon erwähnt, hat mich die Sprache etwas enttäuscht, daher ziehe ich ein Herz ab. 
Das Buch kostet 12,95 € und Ihr bekommt es in Buchhandlungen, in Online-Shops oder direkt beim Dryas-Verlag
Erstellt am Oktober 27, 2013
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