Ich hab einen belesenen Kollegen, der mich mit Büchern versorgt, die er doppelt hat – so bin ich auch an „Zanoni“ gekommen. Und da ich ein großer Fan von Büchern mit Magie, Verschwörungen und Geheimgesellschaften bin, musste ich es natürlich sofort lesen.

Portrait von Edward Bulwer-Lytton

WER WAR EDWARD BULWER-LYTTON
Edward Bulwer-Lytton (1803-1873) kennt man heutzutage hauptsächlich als Autor des Romans „Die letzten Tage von Pompeji“, auch für mich bisher das einzige Buch, welches ich von Baron Lytton kannte. Bulwer-Lytton hat zahlreiche Bücher geschrieben, zu seinen Lebzeiten galt er als einer der erfolgreichsten englischen Schriftsteller. Aber er hat auch eine Karriere als Politiker gemacht und war jahrelang ein Mitglied des britischen Unterhauses.
Gedenktafel zu ehren von Lord Lytton, St. Paul's Cathedral, London

Gedenktafel zu ehren von Lord Lytton, St. Paul’s Cathedral, London

ÜBER DAS BUCH „ZANONI“

Das Buch „Zanoni“ trägt den Untertitel „Die Geschichte eines Magiers“ – eins nehme ich aber Vorweg, es ist eher die Geschichte einer großen Liebe, als eines Magiers. Das Buch erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Magier Zanoni und der Opernsängerin Viola Pisani während der Französischen Revolution.
Zanoni ist einer der zwei letzten Mitglieder der Rosenkreuzer, denen wirklich gelungen ist, Unsterblichkeit zu erlangen. Er lebt schon seit einigen Jahrhunderten, er ist gebildet, weltgewandt und attraktiv. Viola dagegen ist ein naives junges Mädchen aus einem frommen Musikerhaus, die durch ihrem schönen Gesang und vor allem mit ihrer überragenden Schönheit auffällt.
Zwei Männer buhlen im Buch um die Gunst der schönen Viola, der schon oben erwähnte Zanoni und der junge Glyndon, ein englischer Maler. Zanoni, der weiß, dass er durch seine Liebe Viola ins Unglück stürzen wird, versucht daher zuerst Glyndon zu überzeugen, Viola zu heiraten. Er will sie Glyndon überlassen und ermutigt diesen, um Violas Hand anzuhalten. Doch Glyndon ist unsicher, er hat zu viele Bedenken, dass er nicht „standesgemäß“ heiratet und zögert zu lange.
Doch Viola liebt nur Zanoni, was auf Gegenseitigkeit beruht. Gemeinsam fliehen sie auf eine griechische Insel, wo sie wundervolle und fast kitschige Zweisamkeit erleben. Glyndon dagegen entscheidet sich für ein anderes Schicksal, er wir ein Anwärter der Rosenkreuzer. Sein Lehrmeister wird der zweite Unsterbliche der Rosenkreuzerbruderschaft, Zanonis Freund Mejnour. Von Mejnour bekommt er die ersten Aufgaben, die ihn zu höheren Geheimwissen führen sollen: Geduld, Schweigen und Enthaltsamkeit. Einfache Aufgaben, an denen Glyndon jedoch kläglich scheitert.
Roman "Zanoni" von Edward Bulwer-Lytton

 

MEIN FAZIT

Die männlichen Personen sind sehr detaillverliebt beschrieben, sie haben viele Facetten, verschiedene Seiten und verschiedene Abgründe. Die einzige weibliche Person des Buches, Viola finde ich aber doch enttäuschend farblos. Sie ist naiv und gutgläubig und vor allem schön – aber leider so nichtssagend.
Es gibt Spektulationen, dass Edward Bulwer-Lytton selber ein Mitglied des Ordens der Rosenkreuzer war, „Zanoni“ gilt nicht nur als okkulter Roman, sondern als eine Einweihungsschrift in die Geheimnisse und die Spiritualität des Ordens. Das Buch ist in „Sieben Bücher“ eingeteilt, die angeblich die sieben Stufen der Erkenntnis symbolisieren sollen. „Zanoni“ soll eins der Bücher sein, die Aleister Crowley am meisten beeinflusst haben.
Die Sprache ist sehr ausschweifend und blumig, die Beschreibungen manchmal zu langatmig, aber sehr schön. Obwohl die Sätze manchmal weitschweifig und ausgedehnt sind, ist die Geschichte spannend, liest sich schnell und flüssig. Die philosophischen, geschichtlichen oder religiösen Exkursionen fand ich manchmal ein wenig schwer nachvollziehbar, was aber vermutlich an meinem mangelnden Wissen in den Bereichen liegt. Sie waren jedoch nicht uninteressant.

„Mitten in der Ödnis steht ein altes Gebäude aus dem Mittelalter. Hier wohnt ein eigentümlicher Einsiedler. In der Zeit der Malaria flieht der eingeborene Bauer vor der giftigen Vegetation rings umher, aber er, ein Fremder und Ausländer atmet sicher die ansteckende Luft. Er hat keine Freunde, keine Genossen, keine Gefährten, nur Bücher und wissenschaftliche Instrumente. Oft sieht man ihn durch die Straßen der neuen Stadt wandeln, nicht mit der zerstreuten Stirne und dem unbekümmerten Wesen von Gelehrten, sondern mit beobachtenden, durchdringenden Augen, die die Herzen der Vorübergehenden durchschauen. Ein alter Mann, aber nicht schwächlich, aufrecht und staatlich, wie in der Blüte seiner Jahre. Niemand weiß, ob er reich ist oder arm. (…) Es ist Zanoni.“

Roman "Zanoni" von Edward Bulwer-Lytton
Die zweite Ausgabe hab ich mir ausgeliehen, um sie mit meiner zu vergleichen, da mein Kollege sagte, dass ich nur eine gekürzte Ausgabe hätte. Das kann ich aber nicht bestätigen, ich habe reingelesen und wesentliche Kürzungen sind mir nicht aufgefallen. Die Kapitel der alten Ausgabe beginnen jedoch mit verschiedenen Zitaten, was meine Ausgabe leider nicht mehr enthält.
„Zanoni“ gilt als Klassiker der okkulten Literatur – meine Erwartungen waren anders. Das Okkulte und die Spiritualität stehen hier nur am Rande, die Liebe steht im Mittelpunkt und besiegt oder zerstört alles. Ich will jetzt nicht spoilern, aber beim Ende des Buches hab ich doch überlegt, ob das Buch nicht von einer Frau geschrieben wurde. Ich mochte das Buch sehr sehr gerne und werde bestimmt noch mehr von Bulwer-Lytton lesen.
Fazit: Liebe besiegt alles, auch die Unsterblichkeit ;-).

 

Mehr über Edward Bulwer-Lytton? Hier geht’s zu meinem Artikel über sein Roman „Paul Clifford“.

Erstellt am November 17, 2013


Eine Antwort zu “„Zanoni – Geschichte eines Magiers“ von Edward Bulwer-Lytton”

  1. Carolina sagt:

    Thank you for this lovely recommendation! I do not know the author or the book but I've read about the Rosicrucians. It's an phantastic, interesting and enigmatic subject.
    I must get that book, I will seek and enjoy a lot … and, on second thought, maybe it was written by a woman 😉
    Hugs.

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