The Shepherds Crown ist der letzte Roman von Terry Pratchett, welcher im März diesen Jahres verstorben ist. Da Pratchett einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren war, muss hier nicht mehr viel über ihn berichtet werden. Die bekannteste und mit über 40 Bänden größte Buchreihe von ihm sind die Scheibenwelt-Romane, wozu auch dieses Buch gehört. Genauer gehört es zu den Geschichten um Tiffany Aching (dt. Tiffany Weh).

Die frühen Scheibenwelt-Romane konnte man unabhängig voneinander in einer beliebigen Reihenfolge lesen. Dieser Roman, wie die meisten späteren Bücher von Pratchett, benötigen zum Verständnis ein Vorwissen aus den Vorgängern. Bei diesem Roman ist es extrem, so das eine Zusammenfassung der Handlung in dieser Rezension schwer ist. Man sollte alle Tiffany Aching und die meisten anderen Hexengeschichten von Pratchett, sowie die vorletzten beiden Scheibenwelt-Romane kennen um der Geschichte folgen zu können.

Granny Weatherwax, die inoffizielle Hexe der Hexen (oberste Hexe) stirb und Tiffany Aching eine junge Hexe soll sie beerben und in Ihre Fußstapfen treten. Durch den Verlust von Granny Weatherwax sind die Grenzen zum Elfenreich geschwächt und nach einem Putsch gegen die Elfenkönigen versuchen die Elfen (erneut) in die Scheibenwelt einzudringen.

Die Geschichte ist nicht neu für Pratchett, dieser hat schon mehrere ähnliche Varianten erzählt. Es ist wie die anderen Tiffany Geschichten eine Coming-of-Age-Story und mit den Elfen hatten die Hexen schon einige Zwistigkeiten. Das große Thema der letzten Scheibenwelt-Romanen: wie die Gesellschaft auf die Veränderungen durch neue Techniken und Medien reagiert und wie die verschiedenen Gruppen sich in die neue Ordnung einfinden, ist auch in diesem Roman zu finden. Aber die eigentliche Geschichte ist nur ein Gerüst um das Buch zusammen zuhalten. Vielmehr ist der Roman ein Abschluss und eine Art Zusammenfassungen der Hexengeschichten.

Der Ton der Geschichte ist wie in den letzten Romanen düsterer als in den früheren Geschichten, obwohl der Humor nicht zu kurz kommt. Etwas neues gibt es dennoch. Pratchett hat in seinen Roman keine Pop-Kulturellen Bezüge, oder sie sind mir bisher nie aufgefallen. Diesmal schreibt er einen kurzen Monolog über Holzfäller in Frauenkleidern. Wenn Euch das nichts sagt, dann schaut mal hier.

Im Nachwort vom Lektor steht, dass Pratchett den Roman fast fertig gestellt hat, er hat ihn nicht selbst beendet. Das merkt man an einigen Stellen. So werden einige Nebenplots nicht aufgelöst.

Allgemein ist die Sprache von Pratchett nicht einfach und enthält viele Wortspiele. Selbst LesernInnen mit sehr guten Englischkenntnissen wird dadurch einiges entgehen (mich eingeschlossen) . Zu dem spielen in diesem Roman, wie in den anderen Tiffany Geschichen, die Nac Mac Feegle eine “große” Rolle. Die Feegle sprechen einen an das schottische angelehnten Dialekt. Das Buch enthält einen Anhang mit Feegle Vokabeln für englisch Muttersprachler. Das Buch ist also eher eine Herausforderung als entspannte Lektüre.

Es ist nicht der Beste und nicht der schlechteste Roman von Pratchett. Die Story ist bekannt und hinterlässt einige Lücken. Es ist zwar nicht das große Finale aber ein schöner Abschluss der Geschichten um Tiffany und den Hexen und der Bücher über eine Welt, die auf einer Scheibe spielen, die von Elefanten getragen wird, die auf einer Riesenschildkröte stehen.

Gero

Anmerkung von Eva: 

Vor knapp 3 Wochen sind wir umgezogen. Als ich unsere Bücher in Bananenkisten gepackt habe, war ich doch ein wenig überrascht, dass wir 4,5 Bananenkisten nur mit Büchern von Terry Pratchett füllen können. Wir haben alle Bücher in deutscher und englischer Ausgabe, alle Ergänzungswerke, Kochbücher, Atlanten, Kalender und sogar ein Buch über ein “Scheißhaufen”. Als ich im Frühjahr auf Spiegel die Schlagzeile über Pratchetts Tod gelesen hab, hatte ich Tränen in den Augen und auch als das letzte Buch bei uns angekommen ist, war ich ganz wehmütig, weil es das letzte ist. Pratchett ist Geros allerliebster Schriftsteller. Ich bin nun etwas ratlos, was ich ihn in den nächsten Jahren zu Weihnachten oder Geburtstag schenken soll, denn ein Buch von Pratchett war fast immer dabei. Ich hatte das Bedürfnis, hier eine Ergänzung zu Geros Rezension zu schreiben, was der Autor für uns bedeutet. Geros Urteil war für mich ….zu emotionslos. Da meine Englischkenntnisse leider nicht gut genug sind, warte ich auf die deutsche Ausgabe.

P.S. Ihr solltet unbedingt dem Klick zu Holzfällern in Frauenkleidern folgen.

Der Roman ist noch nicht auf deutsch erschienen, der Erscheinungstermin ist für Mitte November geplant. Die englische Ausgabe kostet ca. 14,95 € beim deutschen Onlinehandel bzw. 20 Pfund bei Random House.

Vielen Dank an den Verlag und Blogg Dein Buch, dass uns das Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Erstellt am Oktober 20, 2015
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Kategorien: Alles Andere


3 Antworten zu “Terry Pratchetts letzter Roman “The Shepherd’s Crown””

  1. Ohhhh! Granny Weatherwax stirbt?!? Naja, vielleicht hat er das bewusst im Hinblick auf seine eigene Lebenserwartung gemacht. Ich hebe mir die letzten Bücher noch ein bisschen auf, habe gerade "Snuff" gelesen.
    Ach ja, dem Link zu den Holzfällern brauche ich glaube ich nicht zu folgen, ich kann mir denken, was sich dahinter verbirgt 😉

  2. Rostrose sagt:

    Hallo du Liebe,
    uns geht es ähnlich mit Terry P. und seinen Büchern, wir haben viele oder vermutlich alle davon, manche auch in beiden Sprachen… (nur nicht die Zusatzwerke / Kochbücher etc.) … und waren erschüttert, als wir von seiner Erkrankung und sehr traurig, als wir von seinem Tod hörten. Er hat uns viel Freude gebracht – und meine absoluten Lieblinge waren (neben Kater/Herzensbrecher Greebo und Susanne) die Hexenfiguren, die er kreiert hat. Für mich ist es deshalb auch ein ziemlicher Hammer zu erfahren, dass er Oma Wetterwachs vor seinem eigenen Ableben noch sterben hat lassen. (Wobei mir klar ist, dass TP eine recht pragmatische Einstellung zum Tod hatte – er holt jeden ab über kurz oder lang.) Tiffany hat sich in den ersten (ich glaube drei) Bänden ja schon als mögliche würdige Nachfolgerin erwiesen, dennoch hätte ich Granny W. gerne als unsterblich betrachtet, wenn schon ihr Schöpfer es nicht ist…
    Und jetzt switche ich noch rasch zu den Monty Pytons, die ich auch sehr mag! :o)
    Ganz liebe Rostrosen-Wochenendgrüße
    von der Traude
    ☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼
    http://rostrose.blogspot.co.at/2015/10/irland-reisebericht-ring-of-kerry.html
    ☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼☼
    PS zu deiner Frage vonwegen Brückengeländer in Hamburg: Naja, es war nur etwa 2 m hoch, also nicht sooo gefährlich ;o))

  3. Katta sagt:

    Wunderbar, ein wirklich klasse Eintrag <3

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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