Seit ich die erste Staffel der Amazon Prime Serie „A Man in a High Castle“ gesehen habe, fiebere ich der zweiten Staffel entgegen. Am 13. Januar 2017 wird es endlich so weit sein, passend zu meinem Geburtstag, startet die deutsche Synchronversion der neuen Staffel. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe ich zur Buchvorlage gegriffen. Was ist besser, das Buch oder die Verfilmung? Ich bin überzeugt, dass gerade bei dieser Verfilmung es sehr viele kontroverse Meinungen geben wird.

 

DER AUTOR

Bücher des amerikanischen Autors Philip K. Dick (1928-1982) wurden schon häufig verfilmt. Den Autor kennen wenige, die Filme vermutlich Millionen. „Blade Runner“ ist ein Klassiker, aber auch für „Minority Report“, „A Scanner Darkly“, „Total Recall“, „Screamers“ oder „Paycheck“ lieferte Dick die Vorlage. Heute zählt Dick zu den Klassikern der Sciencefiction-Fiction-Literatur, er wird als Meister düsterer Visionen gefeiert. Doch zu seinen Lebzeiten war er ein introvertierter Einzelgänger. Sein Leben ist von exzessiver Arbeit gekennzeichnet, aber auch vom Drogenkonsum, gescheiterten Beziehungen, Verfolgungswahn und einem Suizidversuch. Angeblich hat er kaum sein Haus verlassen. Vielleicht ist das Wissen um seine Biografie hilfreich, wenn man seine Werke verstehen will.

 

DIE HANDLUNG

Der Plot ist relativ schnell erzählt. Die Handlung spielt in den 60-er Jahren in den USA. Auf den ersten Blick sind es die 60-er wie wir sie kennen und dennoch ist alles anders. Die USA ist zweigeteilt, ein Teil gehört Japan und der zweite Deutschland. Denn USA hat den II. Weltkrieg verloren, gewonnen haben ihn Deutschland und Japan. In der deutschen Zone gibt es eine Widerstandsgruppe, die im Besitz von Filmen (im Roman einem Buch) ist, eine Welt nach einem alternativen Kriegsende zeigt. Diese Medien zeigen eine Realität, in der Deutschland den Krieg verloren hat. Die Suche danach ist der Haupthandlungsstrang sowohl des Buches als auch der Serie.

 

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DIE SERIE „A MAN IN A HIGH CASTLE“

Es ist eine amerikanische Serie – das bedeutet, dass sie spannend, dramatisch und mit viel Romantik durchwebt ist.

Juliana wird durch ihre Schwester, eine Widerstandskämpferin, in den Kampf hineingezogen. Als ihre Schwester stirbt, nimmt sie deren Identität an und versucht, einen der Filme zum „Mann im hohen Schloss“ zu schmuggeln. Alle setzen ihre Hoffnungen in den „Mann im hohen Schloss“, keiner jedoch weiß, um wen es sich dabei handelt und wie man ihn finden kann. Bei der Suche trifft sie einen Doppelagenten, der sie auf der Reise begleitet. Die japanische Polizei wird auf Julianas Verhalten aufmerksam und nimmt ihren Ehemann Frank ins Visier. Die Tatsache, dass er Jude ist und er zufällig in ein Attentat auf den japanischen Kronprinzen verwickelt wird, stellt ein zusätzliches Problem dar.

Das ist nur der Plot der ersten Folgen der Serie, zu viel verraten möchte ich nicht. Erst ganz am Ende der ersten Staffel bekommt man einen winzigen Einblick, in eine andere Realität, eine existierende Parallelwelt. Glaube ich zumindest…. sicher bin ich mir nicht, die Staffel war zu Ende.

 

DAS BUCH „DAS ORAKEL VOM BERGE“

Eigentlich versuche ich zuerst ein Buch zu lesen, bevor ich mich einer Verfilmung widme. Hier war es jedoch anders, ohne die Serie hätte ich dem Buch vielleicht keine Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl wir ziemlich alle Bücher von Philipp K. Dick besitzen.

Zu Beginn ist die Geschichte ähnlich, das Buch weicht aber immer mehr von der Serie ab. Frank und Juliana sind geschieden, begegnen einander nie. Anderes als in der Serie beschreibt das Buch in Roman eine dritte alternative Geschichte. Viele der Figuren der Serie (z.B der SS-Obergruppenführer John Smith) tauchen im Buch gar nicht auf, anders herum sind wichtige Charakter (z.B. der Antikhändler Robert Childran) in der Serie nur Nebenfiguren. Im Buch werden die Asiaten als das scheinbar perfekte Volk geschildert, sie sind schön, höflich und gebildet.Die Europäer und Amerikaner dagegen sind ungehobelte Barbaren.

Während die Serie Spannungselemente einsetzt, ist die Geschichte im Buch spiritueller und traditioneller, deutlich ruhiger. Die asiatischen Philosophien wie I Ging oder Tao spielen eine Rolle. Sie sind vielleicht sogar entscheidend, sie bestimmen die Handlung, den Ausgang. Im Grunde sind die Menschen im Buch Marionetten, ihr Schicksal ist schon vorbestimmt. Am Ende der Geschichte finden Juliana unter mithilfe des I Ging heraus, dass ihre Welt die eigentliche Fiktion ist und die Protagonisten sehen, dass sie durchaus Einfluss auf ihr Leben haben können.

 

FAZIT

Das Buch ist gut! Es ist kurzweilig und spannend, jedoch sehr rational, gradlinig. Manchmal habe ich es fast als emotionslos wahrgenommen. In der Serie gibt es ein klares gut und böse Schema, welches es in der Romanvorlage (wie häufig bei Dick) nicht gibt, daher gibt es auch klaren Sympathieträger. Das Böse ist nicht personifiziert wie in der Serie. Ich hab’s in einem Zug durchgelesen. Doch empfand ich es als deutlich beklemmender als die Serie. Das Buch stellt viele Fragen, gibt aber wenige Antworten. Die Antworten können wir selbst klären – oder auch nicht. Die Serie wiederum ist unglaublich spannend, obwohl in der ganzen ersten Staffel nicht viel passiert.

Beide, sowohl das Buch als auch die Verfilmung zeigen uns Alternativen, was hätte passieren können, wenn der II. Weltkrieg anders ausgegangen wäre. Beide zeigen, dass es einen Hoffnungsschimmer gibt, die parallele Alternative.

Ich freue mich jedenfalls sehr auf den 13. Januar 2017 und verabschiede mich mit einem Satz aus dem neuen Trailer. „The Future belongs to those who change it.“

 

Erstellt am November 20, 2016


9 Antworten zu “Serie „A man in a high castle“ vs. Buchvorlage „Das Orakel vom Berge“ von Philip K. Dick”

  1. Binara sagt:

    Rational, geradlinig aber beklemmend – das Buch klingt so, als ob es nach meinem Geschmack wäre. Ich fand die Serie sehr spannend und freue mich auch auf die zweite Staffel.

    LG Binara

  2. Chrissi sagt:

    Danke für den Tipp, habe irgendwie gar nicht mitbekommen, dass es eine Buchvorlage gibt.Werde ich mir mal holen.Freue mich auch schon wenn die Serie weiter geht.
    LG Chrissi

  3. Anette sagt:

    Ich habe das Buch auch auf meiner Liste, bin sehr gespannt! Die Serie schau ich mir evtl. anschließend mal an.

  4. Das klingt gut! Lieben Dank fürs Beschreiben.

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