Ostwestfalen hat viele interessante Ausflugsziele zu bieten, der Gräfliche Park gehört aber zu den beliebtesten. Nicht nur aus der näheren Umgebung kommen Besucher, um den englischen Landschaftspark zu genießen. Es ist ein Ort, der zum Verweilen und Flanieren einlädt. Es ist nicht ein Park, sondern ein perfekt arrangiertes Ensemble verschiedener Gärten. Hinter jeder Ecke entdecke ich etwas Neues, denn jeder Garten ist anders.  Die Gestaltung ist so anmutig, dass ich manchmal das Gefühl, durch ein Gemälde zu spazieren. Es ist aber nicht nur der perfekte englischer Garten und die farbenfroh arrangierten Blumenbeete, die mich anziehen. Ein Spaziergang im Park ist ein wenig wie eine Reise in die Vergangenheit. Die mondänen Alleen mit alten Baumbestand und die alten Logierhäuser sind noch erhalten. Es fehlen noch die Kutschen und Damen in Empire-Kleidern und schon könnte man sich wie in einer Verfilmung von Jane Austen fühlen, denn die Anlage ist wirklich “gräflich”. Nicht umsonst wird der Gräfliche Park regelmäßig zu den 10 schönsten Parks in Deutschland gewählt. 

 

Springbrunnen mit Park, Gräflicher Park Bad Driburg, englischer Landschaftsgarten, Ostwestfalen

Blick auf den Gräflichen Park

Hotel, Restaurant, Trinkhalle, Gräflicher Park, Bad Driburg, Ostwestfalen

Hotel- und Restaurantgebäude mit Trinkhalle

Haus der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff, Bad Driburg

Haus der Grafen im Gräflichen Park, Bad Driburg

GESCHICHTE DES BADES DRIBURG UND DES GRÄFLICHEN PARKS

Die Heilwirkung der Quellen von Bad Driburg ist ist schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt, seit dem wird Driburg nicht nur wegen der Wirkung des Wassers besucht, sondern auch um ländliche Idylle und Schönheit der Landschaft zu genießen. Und natürlich wegen des Gräflichen Parks.

Gründer des Parks war Graf Kaspar Heinrich von Sierstorpff (1750-1842). 1779 besichtigte Kaspar Heinrich die Quellen von Driburg und beschrieb den Ort als “göttlich”, daraufhin kaufte er das Gelände samt Hof und baute dort einen Park nach englischem Vorbild. Da er eine 10-monatige Hochzeitsreise durch England machte, stammen die Einflüsse zur Gartengestaltung vermutlich von dort. Zur Unterhaltung baute er im Park ein Spielcasino und eine Bibliothek, einige Jahre später ein Badehaus und ein Tanzsaal. Seit dem verbrachte Kaspar Heinrich die Sommermonate in Driburg und die Wintermonate in Braunschweig, wo er Jägermeister beim Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel war. Kaspar Heinrich war ein volksnaher Adeliger, denn im Sommer speiste er täglich gemeinsam mit den Driburgern. Jeder hatte die Chance, mal neben dem Grafen zu sitzen, da es keine feste Sitzordnung gab. In der Reihenfolge des Erscheinens setzte man sich an die Tafel.

Später ließ Kaspar Heinrich mehrere Logierhäuser im Fachwerkstil auf dem Parkgelände erbauen, in einem der Häuser lebt die Familie von Oeynhausen-Sierstorpff bis heute. Im Zentrum des Parks liegt die neoklassizistische Trinkhalle, wo man auch heute die verschiedenen Heil- und Mineralwässer probieren kann. Während die Caspar-Heinrich-Quelle und die Marcus-Quelle neutral schmecken, ist die Rabe-Quelle sehr eisenhaltig und schmeckt mineralisch, rostig. Wasserkuren mit diesen Heilwässern können hier vom Arzt als Therapie oder Therapieunterstützung verordnet werden.

TRAGISCHE LIEBE VON FRIEDRICH HÖLDERLIN UND SEINER ARBEITGEBERIN

Eine schöne, doch traurige Liebesgeschichte hat sich in Driburg abgespielt. Sie wird über den Dichter Hölderlin (1770-1843) und seine Susette berichtet. In seinen jungen Jahen arbeitete Hölderlin als Hauslehrer für vier Kinder der Frankfurter Bankiersfamilie Gontard. Hölderlin und die Hausherrin verliebten sich ineinander, doch es war nur eine platonische Liebe, denn Susette war schon verheiratet. Als die französische Front in Richtung Frankfurt anrückte, schickte Herr Gontard seine Familie in den Norden, er selbst blieb in Frankfurt. Einige Tage Aufenthalt waren in Bad Driburg geplant, doch es wurden mehr als 6 Wochen, die Hölderlin in seinen Tagebüchern als die glücklichsten Wochen seines Lebens beschreibt. Als Gontard von der Beziehung erfuhr, ließ er seine Familie nach Frankfurt zurückreisen. Hölderlin musste seinen Hauslehrerposten verlassen und nach Homburg fliehen. Susette starb nur zwei Jahre später, angeblich am gebrochenen Herzen.

Susette war für Hölderlin nicht nur Geliebte, sondern auch seine Muse, daher nannte er sie “Diotima”. Sie war das Vorbild für die Gestalt der Diotima aus dem Roman “Hyperion”. Als Erinnerung an die tragische Liebesgeschichte gibt es heute im Gräflichen Park die Diotima-Insel mit einer Büste der Susette und einen Hölderlin-Hein. Das Wasser zwischen der Insel und dem Hein soll die große Kluft zwischen den beiden Geliebten symbolisieren, eine Kluft, die nie überwunden werden konnte.

Büste der Susette Gontard auf der Diotima-Insel

Hölderlin-Hain

Tulpen, Trinkhalle, Gräflicher Park, Bad Driburg

Blick auf die Trinkhalle

DESIGNER DES HEUTIGEN PARKS

Wie schon oben erwähnt, besteht der Park aus unterschiedlichen Themengärten. Die vermutlich wichtigste Parkgestalterin war Gräfin Ramona von Oeynhausen-Sierstorpff, denn der Gräfliche Park und deren Gestaltung war ihr Lebenswerk. 2001 wurde der Gräfliche Park und damit auch die Gräfin mit dem “Goldenen Lindenblatt” ausgezeichnet, dem berühmtesten Preis im Bereich Gartengestaltung, vergeben von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur.

Der Park hat überall keine Hügel, damit man die Schönheit aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann.

2014 wurde im Park ein Irrgarten angepflanzt. Zunächst nur knöchelhoch, sind die Sträucher inzwischen auf 2,5 Meter angewachsen und man kann sich dort schnell verirren. Noch diesen Monat wird mitten im Irrgarten ein begehbarer Turm erbaut, eine Skulptur des Künstlers Michael Sailstorfer.

Kunst kann man an verschiedenen Stellen des Parkes bewundern, z. B. der Ying-Yang Brunnen der englischen Künstlerin Angela Conner oder den Staudengarten des berühmten niederländischen Gartenarchitekten Piet Oudolf. Der Oudorf-Garten im Gräflichen Park ist einer der wenigen frei zugänglichen Gärten des Künstlers in Europa. Der Rosengarten wurde vom britischen Schriftsteller und Gartendesigner Peter Coast geplant. Die Gartenterasse des Restaurants Caspar’s und den Garten am gräflichen Haus gestaltete die international rennomierte Gartengestalterin Lady Arabella Lennox-Boyd, die auch den Garten der Eaton Hall, des Anwesens des 6. Duke of Westminster, gestaltete.

Wildgehege, Rehe, Hirsche, Bad Driburg

Das Wildgehege ist nicht nur bei Kindern beliebt.

FAZIT

Der Gräfliche Park hat bis heute den Flair des 18./19. Jahrhunderts erhalten und doch gibt es überall moderne, zeitgenössische Gestaltungselemente. Die Verknüpfung der Vergangenheit mit der Gegenwart ist hier sehr gelungen. Nicht umsonst wurde der Park nicht nur mit dem Goldenen Lindenblatt ausgezeichnet, sondern wurde auch in das “European Garden Heritage Network” aufgenommen. Wenn Ihr Ausflugsziele in NRW sucht, dann lohnt sich ein Besuch im Gräflichen Park auf jeden Fall. Und wenn Ihr eine stilvolle Übernachtungsmöglichkeit sucht, empfehle ich das Hotel Gräflicher Park Grand Resort. Nach einem Besuch im Park lohnt sich auch ein Shopping-Abstecher in die Innenstadt von Bad Driburg oder der Besuch der Burgruine Iburg.

ECKDATEN

Adresse

Brunnenallee 1
33014 Bad Driburg

Eintritt in den Park

Erwachsene 5 €
Kinder unter 14 frei
November bis März ist der Eintritt kostenlos.

Führungen

Öffentliche Führung jeden Dienstag, 14.30 Uhr; Preis: 3 €
Anmeldung und Treffpunkt im Gästeservice-Center im Park (05253-95 23 700)
Gruppenführungen auf Anfrage

 

Zum Aufenthalt in Bad Driburg wurde ich von Touristik Information Bad Driburg und Gräflicher Park Grand Resort eingeladen. Für die Einladung bedanke ich mich ganz herzlich, meine Meinung bleibt jedoch unberührt. 

Erstellt am Mai 7, 2017


10 Antworten zu “Gräflicher Park in Bad Driburg – englischer Landschaftsgarten in Westfalen”

  1. Dirk sagt:

    Ein informativer Text, der die Historie ausführlich beleuchtet, und hübsche Fotos. Das mit der Lesezeit hast du ja schon beherzigt 😉 Viele Grüsse Der Gute Reisende!

  2. shadownlight sagt:

    Das sind wundervolle Bilder liebe Eva und ein toller, sehr informativer Beitrag. Danke dafür.
    Liebe Sonntagsgrüße!

  3. Hallo Eva,
    ein sehr spannender Bericht über den Gräflichen Park. Besonders gefällt mir die Geschichte von Friedrich Hölderlin und seiner Diotima … Der Hölderlin-Hain blüht derzeit noch wunderschön, das würde den beiden gefallen. Vielen Dank für diese gedankliche Reise in die Vergangenheit und die schönen Bilder. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist groß, sich einmal bei einem Spaziergang durch den Park zu treffen 😉
    Viele Grüße
    Katja

    • Burgdame sagt:

      Liebe Katja, ich bin überzeugt, die Blütenpracht würde jeden begeistern. Außerdem bietet der Park unzählige Rückzugsmöglichkeiten für verliebte Paare, nicht nur bei Hölderlin war er beliebt.
      Herzliche Grüße

  4. SonJa Jeremias sagt:

    Sehr schöne Fotos und auch ein schöner Text! Dieser Park lädt wirklich zum Verweilen ein und ist für uns als Auflugsziel fest eingeplant.
    LG Sonja

  5. Melli sagt:

    Der Park ist einfach wunderschön… Allein das Grün des Rasens ist beeindruckend, ganz abgesehen von den wunderschönen Blumen, alten Bäumen und den tollen Gebäuen. Ich bin mir sicher, dass ich auch demnächst mal wieder vorbeischauen werde.
    Danke dir fürs Erinnern!! Ein wirklich toller Beitrag!

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