Das charmante Schloss Tannenfeld ist heute unbewohnt, es verfällt leider. Doch ich finde es absolut sehenswert, es gehört für mich zu den schönsten Lost Places der Region. Von der Existenz des Schlosses hätte ich nichts erfahren, wenn ich nicht auf Burg Posterstein besucht hatte. Wunderschön ist auch der 15 Hektar große Landschaftspark im englischen Stil. Im Gegensatz zum Schloss Tannenfeld ist der Park heute noch sehr gepflegt. 

Lost Place in Thüringen, Schloss bei Zwickau,

Barock-Garten- und Schloss Tannenfeld

Schloss Tannenfeld, Lost Place bei Zwickau und Gera, Herzogin von Kurland

Das Schloss verfällt leider zusehends

Schloss Tannenfeld – ein Schloss der Herzogin von Kurland

Der Herzogin Anna Charlotte Dorothea von Kurland, geb. von Medem gehörten zwei Schlösser in der Altenburger Gegend, das Schloss Löbichau und das 2 Km entfernte Schloss Tannenfeld. 

Die Herzogin Dorothea heiratete den deutlich älteren Herzog Peter von Kurland, sie war seine dritte Ehefrau. Die Heirat bedeutete für sie einen deutlichen sozialen Aufstieg. Kurland (heute in Lettland) gehörte damals zum Königreich Polen-Litauen, nach der dritten Teilung Polens fiel es aber an Russland. Für den Herzog war das ein Glück, zwar musste er abdanken, doch er wurde von der Zarin Katharina II. für seinen Verlust entschädigt und gehörte dadurch zu den reichsten Männern Europas.

Das klassizistische Schloss Tannenfeld hat die Herzogin ca. 1800 bauen lassen. Bewohnt wurde Tannenfeld überwiegend von ihrer jüngsten Tochter Dorothée. Beide Schlösser bildeten den Musenhof der Herzogin, wo sie viele bedeutende Persönlichkeiten empfing. Bedeutende Gäste der Herzogin waren z. B. Zar Alexander I., Napoleon, Graf von Metternich, Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul und Friedrich Arnold Brockhaus. Es ist schwer zu glauben, dass Anna Dorothea das kleine Löbichau zu einem so bedeutenden Begegnungsort gemacht hat.

Schloss Tannenfeld, verlassenes Schloss in Thüringen

Das Schloss im Inneren

Verlassenes Schloss in Thüringen, Schloss Tannenfeld

Einst so imposant

Jean Paul schrieb über den Musenhof:

“Das freundliche, italienisch abgedachte Sommerschloss liegt, mit seinem Altane und seinen Säulen, vor dem weiten bowling-green, um welches sich der einfache Park mit seinen Baumgängen zieht, und an dem Park lehnt sich das freundliche, mit Bäumen durchgezogene Löbichau. Im Schlosse wohnen die Herzogin und ihre Schwester, die Gräfin Elisa von der Recke, und alle Gäste beider. In Tannenfeld, einem kleinen Sommer- oder vielmehr Frühlings-Sitz, eine halbe Stunde entfernt, wohnen die drei Töchter der Herzogin, die Fürstin Pauline von Hohenzollern, die Herzogin Johanna von Acerenza und die Herzogin Wilhelmine von Sagan mit ihren Pflegetöchtern und Freundinnen. Es kostete mir bisher Mühe, gute Leserin, so fot das Beiwort ‘reizend’ zu unterdrücken; später aber ist mir die Mühe nicht mehr anzusinnen….”

Schloss Tannenfeld, Schloss Löbichau, Musenhof

Gemälde der Herzogin Dorothea von Kurland (rechts) und ihrer Tochter Wilhelmine von Sagan (links)

Verfallenes Schloss in Thüringen

Die Prunkvollen Innenräume kann man heute nur noch erahnen.

Durch gelungenes Netzwerken und die Heiratspolitik der Herzogin heirateten zwei Töchter der Herzogin  berühmte Zeitgenossen.

Die eine Tochter, Wilhelmine von Sagan war drei Mal verheiratet, mit Prinz Louis von Rohan, mit Fürst von Trubezkoi und später Graf von Schulenburg. Sie hatte aber auch zahlreiche Liaisons mit bedeutenden Personen, z. B. mit dem Staatsmann Clemens Graf von Metternich. Die jüngste Tochter, Dorothée heiratete Edmond de Talleyrand-Pèrigord, einen Neffen des französischen Außenministers Talleyrand.

Nach der Abdankung des Herzogs Peter von Kurland zog sich die Familie nach Sagan in Schlesien zurück. In der Kirche zum Heiligen Kreuz in Sagan wurden die Herzogin von Kurland und ihr Ehemann und später auch ihre Töchter begraben. Das Schloss Tannenfeld blieb unbewohnt.

Das Sanatorium Tannenfeld – die verlassene Nervenheilanstalt

1899 erwarb der Arzt Arthur Tecklenburg das Schloss und richtete dort eine private Heilanstalt für Psychiatrie und Neurologie ein. Der berühmteste Bewohner der Heilanstalt war der Schriftsteller Hans Fallada. Fallada neigte schon während seiner Schulzeit zu Depression. Doch als bei einem geplanten Doppelselbstmord nur sein Freund starb, konnte Fallada es nicht verkraften und landete in einer Psychiatrie. Aufgrund der Empfehlung des Arztes machte er eine Lehre zum Landwirt auf dem Rittergut Posterstein. An Depressionen litt er Zeit seines Lebens, er nahm Drogen, landete daher später in der Klinik in Tannenfeld. In Tannenfeld schrieb Fallada seine ersten Gedichte und übersetzte Bücher. 

Verlassenes Sanatorium in Thüringen, Sanatorium Tannenfeld, Lost Places in Thüringen

Nebengebäude des Schlosses, die als Sanatorium genutzt wurden

Lost Place bei Zwickau, Lost Places bei Gera, verlassenes Sanatorium

Auch dieses Wirtschaftsgebäude gehörte zu den Räumen der Nervenheilanstalt.

Was ist aus dem Schloss Löbichau geworden?

Das Schloss Löbichau war vermutlich genau so prachtvoll wie Tannenfeld. Es wurde 2009 abgerissen, 2015 wurde jedoch nach dem historischen Vorbild ein Neubau errichtet. In diesem Neubau befindet sich heute ein Alten- und Pflegeheim.

Buchempfehlung zum Schluss: “Die Großmutter” von Božena Němcová

Die Schriftstellerin Božena Němcová verbrachte ihre Kindheit auf dem Hof von Wilhelmine von Sagan und berichtet in ihrem Buch “Die Großmutter” *darüber. Wilhelmine wird dort als eine sehr verständnisvolle und gute Fürstin geschildert. Laut Wikipedia ist die tschechische Schriftstellerin Božena Němcová die uneheliche Tochter von Wilhelmine von Sagan oder von ihrer Schwester Dorothée von Talleyrand. Sie soll in die Obhut des Kutschers und des Dienstmädchens  gegeben worden sein. Doch das sind nur Spekulationen, es gibt keinerlei Belege darüber.

Schloss Tannenfeld, Lost Places in Thüringen

Innenräume Schloss Tannenfeld

 

Für alle Sucher von Lost Places noch eine Info am Rande. Das Schloss ist normalerweise nicht geöffnet und die Innenräume können nicht betreten werden. Ich hatte das Glück, dass ich einige Bauarbeiter dort angetroffen habe. Das gibt mir natürlich die Hoffnung, dass das Schloss doch wieder renoviert und sinnvoll genutzt wird. Mehr darüber könnt Ihr auf dem Blog Burgerbe nachlesen.

 

*Affiliate Link zu Amazon.de, d.h. wenn du über diesen Link bestellst, zahlst Du keinen Aufpreis, ich bekomme aber eine kleine Provision, die dem Erhalt dieses Blog zu Gute kommt.

 

 

Erstellt am April 1, 2018


12 Antworten zu “Lost Place Schloss Tannenfeld – vergangene Pracht”

  1. Julia sagt:

    Tolle Fotos! Du hast echt Glück gehabt das Du die Möglichkeit hattest, das Schloß von innen zu sehen. 🙂

  2. Anette sagt:

    Auch wenn Lost Places eine eigene Ästhetik haben, dir mir sehr gefällt, es tut mir in der Seele weh, wenn schöne Gebäude verfallen…

    • Burgdame sagt:

      Ja, geht mir auch so! Es macht mich eher traurig, als dass es mich fasziniert. Vor allem werden Lost Places oft von Vandalen besucht, die das Schöne mutwillig noch mehr zerstören.

  3. Hui, beides hätte mich auch mal interessiert einfach weil es lost ist.
    Und alles steht da noch so ohne geklaut zu werden?
    Liebe Ostergrüße!

    • Burgdame sagt:

      Wie schon geschrieben, es ist normalerweise abgeschlossen und verrammelt. Ich hab nur einige Bauarbeiter dort angetroffen. Ich glaube, sonst wäre das Schloss nicht in diesem Zustand.

  4. Wieder einmal habe ich auf deinen Blog verlinkt. Nicht nur diesen Artikel, sondern auch den über die Burg Posterstein.

    Liebe Grüße
    Alex

  5. Hartmut Liebe sagt:

    Ich war am 3. September 2018 im Gebiet der ehemaligen Herzogin von Kurland auf Tour in Tannenfelkd und Löbichau. Hatte bereits 2008 über die Herzogin und ihr Patenkind den Theodor Körner geschrieben. Schade, das wir uns nicht begegnet sind. Der Dichter der Freiheitskrieger verehrte die Herzogin und, so glaube ich, auch die Töchter und schrieb ihnen manchen schönen- gefühlvollen Vers. Vom Schloss und dem Park Tannenfeld bin sich stark beeindruckt. Dass das Schloss in Löbichau nach ehemaligen Vorbild umgebaut wurde freut mich sehr. Dass in Posterstein das Andenken an die schöne Herzogin und ihre ebenso schönen Töchter gepflegt wird freut mich ebenfalls. Mögen Posterstein, Tannenfeld ebenso Löbichau, seine Bauwerke und der schöne Park uns und unseren Nachkommen erhalten bleiben.
    Hartmut Liebe, Stadtroda, Geschichtsschreiber

  6. Marleen sagt:

    Guten Abend,
    Ich habe im Alten,- und Pflegeheim Tannenfeld als Pflegerin gearbeitet. Somit kenne ich alle Räumlickeiten von innen. Dieses Jahr war ich seit langem wieder einmal in der wunderschönen Parkanlage als die Rhododendron geblüht haben. Einen Spaziergang durch den Park kann ich jeden empfehlen. Zu gern würde ich heute in die Gebäude noch einmal reinschauen.
    Viele Grüße Marleen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.