Was hat die Novemberrevolution 1918/1919 mit meinem Blog zu tun? Ich schreibe hauptsächlich über Burgen und Schlösser, manchmal auch über Museen, aber noch nie über politische Umstürze. Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten sehr viel. Denn die Konsequenz der deutschen Novemberrevolution war unter anderem die Abschaffung der Monarchie in Deutschland, womit ich direkten Bezug zu meinen Adelsgeschichten knüpfen kann. Doch war die Novemberrevolution überhaupt eine richtige Revolution? Mit den blutigen und grausamen Revolutionen in Frankreich oder Russland ist sie nur schwer vergleichbar. Die Veränderungen waren aber genau so bedeutend, es war der Beginn der Demokratie in Deutschland.

Da sich bald das 100-jährige Jubiläum der deutschen Novemberrevolution jährt, wird es deutschlandweit viele Ausstellungen und Events geben, die thematisch an das Ereignis anknüpfen. Auch in Hamburg, im Museum für Hamburgische Geschichte gibt es zum 100-sten Jahrestag der Novemberrevolution die Ausstellung „Revolution! Revolution? Hamburg 1918/1919“. Lest daher heute mehr über die sehenswerte Ausstellung. 

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MG 08/15 – meistbenutztes Maschinengewehr Anfang des 20. Jahrhunderts

Historische Museen Hamburg, Revolution in Hamburg, Novemberrevolution, Hamburg Museum, Museum für Hamburgische GeschichteHistorische Museen Hamburg, Revolution in Hamburg, Novemberrevolution, Hamburg Museum, Museum für Hamburgische GeschichteWar die Novemberrevolution eine Revolution?

Alles begann kurz vor dem Ende des I. Weltkrieges. Oder eher verliefen die Ereignisse parallel, denn der Krieg war noch nicht zu Ende als die Matrosen zweier Schiffe sich den Befehl zur „allerletzten Entscheidungschlacht“ widersetzen. Der Matrosenaufstand begann in Kiel, dort verbreitet sich die Nachricht über die Meuterei der Matrosen sehr schnell. Nach 4 Jahren Krieg, Leid und Hunger waren die Menschen hoffnungslos und der Machthaber überdrüssig. Daher verbünden sich die Arbeiter mit den Matrosen und gingen gemeinsam zum Protest auf die Straße. Die Nachricht vom Aufstand verbreitet sich sehr schnell, innerhalb von 3 Tagen gingen auch in Hamburg Menschen auf die Straße, noch 3 Tage später in Berlin. An den Protestmärschen in Hamburg beteiligen sich mehrere Tausend Menschen, auch viele Frauen und Kinder. Es war eine Revolution aller, nicht nur die der Männer.

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Tannhäuser-Partitur mit dem Vermerk, dass an der markierten Stelle die Aufführung aufgrund der Revolution unterbrochen wurde.

Trotz der Aufstände und Demonstrationen ging das Leben in Hamburg ohne große Einschränkungen weiter. Die Aufregung war zwar groß, denn überall traf man bewaffnete Soldaten an. Es gab aber nicht viele Schießereien, kaum Tote. Der OPNV fuhr weiter, es gab wenig Plündereien und Cafés, Kinos und Theater hatten geöffnet. Allgegenwärtig war das Schlagwort „Bewahrt Ordnung“, was irgendwie typisch deutsch ist. Trotzdem sprach die Bevölkerung kontinuierlich von der Revolution.

Die Rote Fahne war das Revolutionssymbol. Dennoch galt die russische Revolution eher als ein abschreckendes Beispiel. Vielleicht lief die deutsche Revolution nur deswegen so unblutig und geordnet ab, weil die Informationen über die Zustände in Russland noch so präsent waren? Als erste Folge wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet und Neuwahlen beschlossen. Es waren die ersten allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlen in Deutschland. Zum ersten Mal wurden auch Frauen zur Wahl zugelassen, auch war die Teilnahme nicht an ein bestimmtes Einkommen geknüpft. Das Alter für Erstwähler wurde von 25 auf 20 herabgesetzt. Die Parteien versuchten, alle zur Teilnahme zu mobilisieren. Die Wahl wurde stark beworben und wie ein Event gefeiert.

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Die Befindlichkeiten der Menschen, ihre Ängste und Sorgen werden hier greifbar.

Ausstellung Revolution! Revolution?

Anhand zahlreicher Exponate und Erinnerungen aus der Zeit zeigt die Ausstellung, wie es überhaupt zu der Novemberrevolution kommen konnte und warum sie ganz anders als andere europäische Revolutionen verlaufen ist.

Die Ausstellung ist in drei Abschnitte gegliedert. Der erste Teil veranschaulicht den Ablauf der Revolution. Hier werden auch die wichtigen Protagonisten und ihre Rolle vorgestellt.

Danach werden die Lebensumstände der Menschen gegen Ende des I. Weltkrieges und in der Zeit der Revolution gezeigt, denn nur dadurch bekommt man Gespür dafür, warum die Menschen so handelten. Hunger und Armut waren allgegenwärtig, die Frauen konnten ihre Familien nicht versorgen. Im Krieg wurde die Lebensmittelproduktion stark runtergefahrenEs gab viele Kriegsversehrte, sowohl körperlich als auch geistig. Krankheiten breiteten sich aus. Neben der Tuberkulose und der Spanischen Grippe, die Hamburg besonders getroffen haben, brachten die Kriegsrückkehrer auch Krankheiten wie Krätze, Syphilis, Läuse und Fleckfieber mit. Nach 4 Jahren Krieg hatten die Menschen genug, die Stimmung war ganz unten.

Im letzten Teil der Ausstellung werden die Errungenschaften und Veränderungen präsentiert, die bis heute Bestand haben und von denen wir profitieren, dazu gehört z. B. Pressefreiheit, Betriebsräte oder Tarifverträge.

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Natürlich habe ich in der Schule viel über die Novemberrevolution gelernt, doch hängen geblieben ist lediglich der Begriff und die wichtigsten Konsequenzen. Die Ausstellung hat alles wieder in Erinnerung gebracht und das sehr anschaulich und lebensnah. Es war alles greifbar, mit Bild- und Tondokumenten veranschaulicht. Gerade die Darstellung der Armut, des Hungers und auch der medizinischen Probleme, die ein Krieg mit sich bringt, haben mich sehr berührt. Sehr interessant fand ich, dass in der Ausstellung viel Wert auf die Rolle der Frauen gelegt wird. In vielen Berichten stehen die Männer im Mittelpunkt. In dieser Ausstellung merkt man erst, was die Frauen der damaligen Zeit alles leisten mussten.

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Eckdaten

Die Sonderausstellung „Revolution! Revolution – Hamburg 1918/1919“ läuft vom 25.04.2018 bis 25.02.2019.

Historische Museen Hamburg
Museum für Hamburgische Geschichte
Holstenwall 24
20355 Hamburg
info@hamburgmuseum.de
Tel. 040/428 132 100

Übrigens hat das Museum für Hamburgische Geschichte montags geöffnet und dienstags geschlossen.

 

 

Für die Einladung zum MeetUp #hamburg18_19 und die interessante Führung durch die Ausstellung bedanke ich mich ganz herzlich! So habe ich die Novemberrevolution endlich von einer anderen spannenden Seite erleben können. 

 

 

Erstellt am Juli 22, 2018

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2 Antworten zu “Revolution! Revolution? – Novemberrevolution in Hamburg”

  1. Bei dir lernt man immer wieder etwas Neues :).
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

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