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Eine der schönsten und vor allem eine der bedeutendsten Bibliotheken in Deutschland könnt Ihr in Wolfenbüttel finden, die Herzog August Bibliothek. Hier befindet sich tatsächlich das zweitteuerste Buch der Welt, das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Lange Jahrzehnte war es das teuerste je verkaufte Buch, doch vor kurzem wurde ein Manuskript von Leonardo da Vinci für etwas mehr verkauft. Aber warum befindet sich eine so bedeutende Bibliothek in einer Kleinstadt wie Wolfenbüttel? Das verdankt Wolfenbüttel zwei Herzögen, Julius und Augustus, denn beide waren sehr belesen und begeisterte Büchersammler. 

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Fast eine Million Bücher befindet sich heute in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel – es sind Bücher und Handschriften aus 14 Jahrhunderten.

 

Herzog Julius (1528-1589) und die Bibliotheca Julia

Julius war der viertgeborene und der dritte überlebende Sohn des Herzog Heinrichs des Jüngeren. Daher war es nicht geplant, dass er je irgend etwas erben würde. Auch hatte er einen verkrüppelten Fuß, erfüllte daher nicht die Wunschvorstellung seines Vaters, wurde also für die Kirchenlaufbahn ausgebildet. So konnte Julius sich seinen Interessen widmen, dazu gehörten Bücher und Kultur.
Doch ganz überraschend fielen beide seiner Brüder in einer Schlacht und Julius wurde Herzog. Er war derjenige, der das Luthertum in seinem Herzogtum eingeführt hat, obwohl sein Vater erzkatholisch war. Im Rahmen der Säkularisation hat Julius die Klosterbibliotheken aufgekauft und somit vor der Zerstörung gerettet. So entstand die erste Bibliothek in Wolfenbüttel, die Bibliotheca Julia. Der Grundstock der Bibliothek soll aber eine Sammlung von Ritterromanen gewesen sein, denn obwohl das Reiten und Jagen nicht zu seinen Stärken gehörten, war Julius ein großer Fan von Ritterromanen.

 

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Viele alte Globen und Landkarten gehören auch zum Bestand der Bibliothek.

 

Herzog August (1579-1666) und die Bibliotheca Augusta

Die Geschichte um Herzog August war ähnlich, denn er war der siebtgeborene Sohn, also hatte er faktisch gar keine Chancen auf eine Herrschaft. Dafür hatte er viel Spielraum für Bildung, studierte in verschiedenen Städten und zählte zu den gelehrtesten Herrschern seiner Zeit. Und er liebte Bücher und Schriften. Seine besondere Vorliebe soll Schachbüchern und Geheimschriften gegolten haben. Auch hat August selbst Bücher geschrieben, z. B. das erste deutschsprachige Schachlehrbuch. Nach einem Erbfolgestreit wurde August im Alter von 56 Jahren unerwartet doch Herrscher der Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel. Wolfenbüttel machte er zu einem in ganz Europa bekannten kulturellen Zentrum, dabei baute er systematisch die Bibliothek auf. Im 16./17. Jahrhundert war die Bibliotheca Augusta die größte Bibliothek in Europa.

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Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel ist ein beeindruckender Prachtbau.

 

Was macht die Herzog August Bibliothek so besonders?

HAB (Abkürzung für Herzog August Bibliothek) ist eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Bibliotheken der Welt. Hier werden die wertvollsten Bücher Deutschlands gelagert: das Evangeliar Heinrichs des Löwen und der Sachsenspiegel. Das Evangeliar aus dem 12. Jahrhundert ist das wichtigste Werk der deutschen Inkunabeln, mit ausgesprochen prachtvollen Illustrationen. Der Sachsenspiegel ist das erste deutsche Rechtsbuch des Mittelalters. Dazu kommen Bibelabschriften aus dem 5. und 6. Jahrhundert nach Christus oder die Landgüterverordnung Karl des Großen aus dem 9. Jahrhundert. Das sind nur wenige Beispiele für einzigartige und unbezahlbare Werke. Es gibt dort eine Vielzahl von Schriften, die an die 1000 Jahre alt sind. Insgesamt umfasst die Bibliothek an die 800.000 Bücher und Schriften. Eine besondere Abteilung ist den Künstlerbüchern gewidmet, denn die Bibliothekssammlung umfasst eine bedeutende Sammlung von Künstlerbüchern aus dem 20. Jahrhundert. Die Künstlerbücher sind eine relativ neue Kunstform, welche erst im 20. Jahrhundert entstanden ist. Hierbei nutzen verschiedene Künstler das Medium Buch als Platform für ihre Werke. Sie gestalteten nicht nur die Illustrationen, sondern das gesamte Buch. Leibnitz und Lessing gehörten in der Vergangenheit zu den Bibliothekaren von Wolfenbüttel und deutlich später auch Erich Kästner.

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Ein Spezialgebiet in der Bibliothek sind die Künstlerbücher – Bücher, die von Künstlern gestaltet wurden.

 

Bedeutende Sammlung alchemistischer Bücher

Vor 4 Jahren gab es in der HAB eine Sonderausstellung zum Thema Alchemie, ein Bereich, auf den ich sehr neugierig bin. Beim Erkunden von Schlössern und Burgen komme ich immer wieder mit dem Thema Alchemie in Berührung, denn viele Herrscher beschäftigten einen Alchemisten. Daher nutze ich die Gelegenheit, in der Bibliothek etwas mehr darüber zu erfahren. Vor Ort habe ich erfahren, dass die Bibliothek im Besitz einer Vielzahl alchemistischer Bücher ist, denn Herzog August scheint sich auch für den Bereich interessiert zu haben.

Inzwischen glaube ich, dass die Alchemie eine unglaublich spannende “Wissenschaft” war. Ich habe bewusst das Wort Wissenschaft genutzt, denn in der Barockzeit waren die meisten großen Wissenschaftler auch gleichzeitig Alchemisten, z. B. Newton hat sehr viel im Bereich Alchemie rumexperimentiert. Die Alchemisten (oder eher passender Alchemiker), waren Naturphilosophen, die versucht haben Materie zu verwandeln – was in der Chemie selbstverständlich ist. Heute bekannt ist meistens nur die Verwandlung von Gold oder Porzellan, doch Alchemisten haben mit einer Vielzahl von Stoffen experimentiert.

Das besondere an der Alchemie ist, dass es eine Geheimwissenschaft war, nur Eingeweihte konnten die Bücher lesen oder die Hinweise entschlüsseln. Die Alchemie war so geheim, dass vieles bis heute nicht entschlüsselt werden konnte. Gleichzeitig war es auch eine Bildwissenschaft, die sehr viel mit Symbolen gearbeitet hat.

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Alchemie ist eine Bildwissenschaft, alles wird durch Bilder ausgedrück, z. B. hier sieht man die sieben Hinweise, die zur Erleuchtung führen.

 

Die Bibliothek heute

Die Herzog August Bibliothek ist heute für Besucher und Benutzer zugänglich. Im Rahmen der Öffnungszeiten kann die Bibliothek täglich außer montags besichtigt werden. Angemeldete Nutzer dürfen die meisten Medien ausleihen, zwar nicht nach Hause nehmen, aber in der Bibliothek damit arbeiten. Die kostbaren Inkunabeln und Handschriften können natürlich nicht ausgeliehen werden, sie werden im Tresor aufbewahrt. Aber gelegentlich werden auch diese ausgestellt. Vielleicht wird es 2019 möglich sein, das Evangeliar des Löwen zu sehen.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für Freude es mir gemacht hat, durch die alten Gemäuer zu schlendern und die vielen alten Bücher zu bewundern. Es ist ein unglaublicher Ort. Ich könnte stundenlang mir die Bücher und ihre Buchrücken anschauen, die Titel lesen. Ich ging entlang der Regale und staunte. Völlig gefesselt war ich von der Sammlung der Künstlerbücher, der einige Räume gewidmet sind. So gerne würde ich darin blättern. Alte Bibliotheken gehören für mich grundsätzlich zum Pflichtprogramm einer Reise, die Bibliothek in Wolfenbüttel ist aber was ganz Besonderes.

Alte Landkarte, Landkarte Germanien

Landkarte mit germanischen Provinzen aus dem Jahr 1521 – Wer findet bekannte Städte?

 

 

Wolfenbüttel habe ich im Rahmen einer gesponserten Recherchereise besucht. Vielen Dank an die Lessingstadt Wolfenbüttel für die wunderbare Reise!

 

 

Erstellt am Oktober 28, 2018


Eine Antwort zu “Schöne Bibliotheken in Deutschland – Bibliothek von Wolfenbüttel”

  1. Oh das sind ja tolle Bilder!
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

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