Reisen ist für mich immer eine gute Gelegenheit, sich mit der Geschichte eines Landes auseinander zu setzen. Was wusste ich vor meiner Reise nach Sofia über die bulgarische Geschichte? Ich muss gestehen, dass es recht wenig war. Dass Bulgarien lange unter osmanischer Herrschaft war, wusste ich, dass im 19. Jahrhundert das Land befreit wurde auch. Die spätere sozialistische Periode ist mir auch bekannt. Doch das Wissen um die Geschichte Bulgariens ist eher ein lückenhaftes und im Nebel verborgenes Halbwissen. Während des Besuches in Sofia ist mir aufgefallen, dass die Bulgarischen Fürsten und später Zaren immer aus dem deutschen Adel stammen. Warum? Darüber möchte ich mehr wissen, daher handelt der heutige Artikel vom Fürstentum Bulgarien und seinen Herrschern.

Geschichte Bulgariens kurzgefasst

Bulgarien ist ein sehr altes Land, daher ist diese Zusammenfassung sehr knapp gefasst. Fasziniert hat mich die Hochkultur der Thraker, die noch vor den antiken Griechen auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien lebten und unglaubliche Schätze hinterließen. Später wurden die Gebiete von Rom erobert und nach der Teilung des römischen Reiches, an das byzantinische Reich angegliedert.

Im frühen Mittelalter entwickelte sich ein Großbulgarisches Reich, welches mehr oder weniger 700 Jahre bestand hatte – wobei das sehr vereinfacht gesagt ist. Danach folgten 500 Jahre osmanischer Herrschaft, die erst mit einem Aufstand 1876 und dem Russisch-Türkischen-Krieg 1877-78 beendet wurde. Die Slawen wurden von der Herrschaft der Osmanen befreit.

Museum, Kunstmuseum, Sofia, Bulgarien, Schloss Sofia,
Der ehemalige Fürstenpalast (links) beherbergt heute zwei Museen.

Alexander I. von Battenberg – erster Fürst von Bulgarien

Der Einzug des deutschen Adels begann mit dem Berliner Kongress 1878. Das Osmanische Reich wurde von Russland besiegt und die europäischen Großmächte beschlossen untereinander, was aus dem Balkan werden sollte. Der Fürst von Bulgarien sollte kein Russe sein, um den Einfluss von Russland am Balkan einzudämmen. Doch Russland als Kriegsgewinner musste zufrieden gestellt werden. Also einigte man auch auf Prinz Alexander Josef von Battenberg (1857-1893). Alexander I. von Bulgarien war der Sohn des Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt und der Gräfin Julia Hauke, die später den Titel von Battenberg bekam. Das war ein wenig auch ein Zugeständnis an Russland, denn Alexander I. war auch der Neffe des russischen Zaren Alexander II..

Die Mutter des ersten bulgarischen Fürsten, Julia Hauke stammt vom Schloss Seifersdorf bei Dresden. Wenn Ihr mehr über ihre Geschichte und ihre Beziehung zu Familie Windsor erfahren möchtet, lest meinen Artikel über Seifersdorf.

Alexander I. von Battenberg war von 1879 bis 1886 Fürst von Bulgarien. Er war ein sehr liberaler Fürst, der die bulgarischen Ambitionen unterstützte und stärkte. Das gefiel der russischen Regierung nicht, sie initiierte einen Putsch gegen Alexander I. und zwang ihn, abzudanken.

Kunstmuseum Sofia, Schloss Sofia, Alexander von Battenberg
Hier residierte einst Alexander I. von Battenberg – heute befindet sich im Schloss ein imposantes Kunstmuseum.

Mausoleum von Battenberg, Fürsten von Bulgarien, Sehenswert in Sofia
Mausoleum der Familie von Battenberg in Sofia

Ferdinand I. von Sachsen-Coburg und Gotha – erst Fürst und dann Zar von Bulgarien

Auch der Nachfolger vom Alexander I. von Battenberg stammt aus einem deutschen Adelshaus, dieses Mal aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha. Ferdinand Maximilian Karl Leopold Maria von Sachsen-Coburg und Gotha (1861-1948) wurde zum bulgarischen Fürsten gewählt, er war der Großcousin von Prinz Albert, dem Ehemann von Queen Victoria.

Nach der Abdankung von Alexander I. wurde Ferdinand, ein Kandidat der Habsburger zum Fürsten von Bulgarien gewählt. Der Günstling der Habsburger war bei den Russen sehr unbeliebt. Und wieder wurde ein bulgarischer Herrscher von europäischen Großmächten bestimmt, die Bulgaren hatten kein Mitspracherecht. Zuerst unterstützte Ferdinand I. die Freiheitsbestrebungen der Bulgaren und arbeitete eng mit dem Bulgarischen Unabhängigkeitskämpfer und späteren Präsidenten Stefan Stambolow. Aber nach dessen Tod kehrte Ferdinand zu der konservativen Politik zurück, die von Russland befürwortet wurde. Er wurde zur russischen Marionette. 1908 erklärte Ferdinand die Unabhängigkeit von Bulgarien und nannte sich Zar. Durch die Beteiligung von Bulgarien am I. Weltkrieg an der Seite von Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich wurde er mit dem Kriegsende zur Abdankung gezwungen und ging ins Exil nach Coburg.

Kirche Bojana,Grab Eleonore von Sachsen-Coburg-Gotha,
Grab von Eleonore, Königin von Bulgarien – Ehefrau vom Ferdinand I. . Es war Eleononres Wunsch, in der Kirche Bojana in Sofia begraben zu werden, obwohl der Rest der Familie in Coburg bestattet ist.

Boris III. von Sachsen-Coburg-Koháry

Nach Ferdinands Abdankung am 3. Oktober 1918 wurde sein Sohn, Boris III. Zar von Bulgarien. Bis 1943 war Boris III. Zar, bis zu seinem geheimnisvollen Tod. Gerüchte erzählen, dass er von Hitler vergiftet wurde, weil er die Bulgarischen Juden nicht ausliefern lassen wollte. Tatsache ist, dass Boris sehr plötzlich und sehr überraschend nach einem Besuch bei Hitler starb.

Bulgarien als Spielfigur ausländischer Großmächte

Nach 500 Jahren osmanischer Besatzung wünschten sich die Bulgaren Freiheit und Unabhängigkeit. Doch immer wieder waren sie nur ein Spielstein beim Risiko-Spiel der europäischen Großmächte. Was mit dem Berliner Kongress 1878 begann, endete mit zwei katastrophalen Weltkriegen. Die deutsche Herkunft der europäischen Monarchen war weiter verbreitet, als mir bisher bewusst war. Schon alleine auf dem Balkan gab es sehr viele Herrscher, die aus deutschem Adel stammen. Ich glaube, das Thema wird mich länger beschäftigen und es wird bestimmt nicht mein letzter Post darüber sein.

Erstellt am März 31, 2019

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2 Antworten zu “Warum hatte Bulgarien deutsche Könige?”

  1. Nina sagt:

    Interessanter Artikel…nur die Jahreszahl 2018 kann nicht stimmen

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