Das Schloss Wilhelmsthal steht etwas im Schatten des Schlosses Wilhelmshöhe in Kassel. Spätestens seit das Schloss Wilhelmshöhe mit dem wunderschönen Bergpark UNESCO-Weltkulturerbe geworden ist, ist das Areal international bekannt und ein wahrer Besuchermagnet. Das Schloss Wilhelmsthal liegt etwas entfernt von Kassel, sehr ländlich, eingebettet in wunderschönen Garten. Das Schloss mit dem großen Park ist nicht so bekannt und nicht überlaufen, dennoch absolut sehenswert. Ein Ausflug zum Schloss Wilhelmsthal lohnt sich, denn es soll das schönste Rokoko-Schloss im Norden von Deutschland sein. 

Schloss Wilhelmsthal ist sehr schmuckvoll und sehr besuchenswert.

Geschichte des Schlosses Wilhelmsthal

Erbaut wurde das Schloss als Lustschloss im Auftrag des hessischen Landgrafen Wilhelm VIII. Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Schloss war nur eine Sommerresidenz, während der Winter war das Schloss unbewohnt. Die Kamine sind nur Zierde, sie wurden nie genutzt. Wilhelm VIII. war verheiratet mit Dorothea Wilhelmine von Sachsen-Zeitz. Die Ehe war angeblich nicht glücklich. Dorothea soll nicht schön gewesen sein, schon mit 35 Jahren litt sie an einer Geisteskrankheit und zeigte sich nicht mehr in der Öffentlichkeit.

Während der napoleonischen Zeit residierte in Kassel Jérôme Bonaparte, der jüngste Bruder von Napoleon. Jérôme wurde von Napoleon zum König des damaligen Königreiches Westphalen ernannt. Kassel wählte er zur Hauptstadt. Während er seine Zeit am liebsten im Schloss Wilhelmshöhe verbrachte, war das Schloss Wilhelmstal das Lieblingsschloss seiner Ehefrau Katharina von Württemberg, sie lebte meistens hier. Jérôme hat nur sehr selten hier übernachtet.

Was kann man im Schloss Wilhelmsthal sehen? 

Die Innenräume des Schlosses sind besonders prunkvoll, schließlich wurden sie größtenteils nach den Entwürfen des Innenarchitekten Johann August Nahl gestaltet, dem Innenarchitekten des Schlosses Sanssoucis in Potsdam und des Palais Rohan in Straßburg.

Sehr bekannt und sehenswert ist auch die “Schöneitengalerie”, eine Gemäldesammlung mit Frauenportraits aus der Rokoko-Epoche, diese Gemälde wurden von Johann Heinrich Tischbein gemalt. Tischbein ist heute vor allem für seine Porträts berühmt, dabei sah er sich selbst als Historienmaler. Als er zum Hofmaler des Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel ernannt wurde, musste er zuerst alle Portrait-Aufträge abarbeiten, bevor er sich seinen präferierten Historienwerken widmen konnte. 

Während der Führung im Schloss Wilhelmsthal habe ich auch erfahren, warum in der Epoche des Barock und Rokoko die Möbel und Wände mit reichlich viel Stoff geschmückt wurden. Edle Stoffe waren im 18. Jahrhundert sehr kostbar, daher drückte man mit drapierten Stoffen den Wohlstand aus. Viel Stoff bedeutete viel Reichtum. Das kann man besonders an den pompösen Betten sehen, z. B. am roten “Lit de la polonaise” (polnisches Bett) vom Foto oben. Das lit de la polonaise war im Rokoko mode, es hat vier nach Innen gebogene Stützen, die mit dem selben Stoff verziert sind, wie das Bett selbst. 

Was man nicht in jedem Schloss zu sehen bekommt, ist der Dienstbotentrakt. Doch während der Führung in Wilhelmstal kann man auch die Räume der Dienstboten und die Schlossküche besuchen. 

Der Schlosspark von Wilhelmsthal

Der Schlosspark ist eine ausgesprochen schöne Parkanlage, die zu European Garden Heritage Network gehört. Fächerförmig liegt der Park am Berg, während sich das Schloss im Tal befindet. Der Kaskadenlauf mit Wasserspielen wird derzeit renoviert, in Zukunft werden die Wasserspiele bestimmt so imposant wie im Schloss Wilhelmshöhe sein. 

Ein Spaziergang im Schlosspark Wilhelmsthal ist ein Genuss.

Und am Ende eine Legende: “Die weiße Dame von Wilhelmsthal” 

Was wäre ein Schloss ohne eine Geistergeschichte? Die Geschichte um die weiße Dame von Wilhelmsthal ist, wie so häufig, eine traurige Liebesgeschichte. Einer der letzten Landgrafen von Hessen-Kassel (es wird erzählt, dass es angeblich Wilhelm IX. war), lernte bei einem Besuch in Schlesien die schöne Apothekertochter Rebekka kennen und verliebte sich. Doch Rebekka war schon mit einem schlesischen Adeligen verlobt. Der Landgraf von Hessen-Kassel war eine besonders gute Partie, daher verließ Rebekka ihren Verlobten und ging nach Hessen, wo sie den angeblich den Landgrafen heiratete. Sie wurde zur Baronin ernannt, doch die Ehe war nicht standesgemäß, daher durfte sie nicht in der Residenz Schloss Wilhelmshöhe leben, sondern wurde in das Schloss Wilhelmsthal verbannt und von ihrem Gatten schnell vernachlässigt

Ihr ehemaliger Verlobter konnte sie nicht vergessen, er folgte ihr nach Kassel, um sie wieder nach Schlesien zu entführen. Sie war unglücklich, floh daher bereitwillig mit ihm. Die Flucht wurde leider entdeckt. Während der Mann lediglich des Landes verwiesen wurde, soll Rebekka im Keller des Schlosses ermordet worden sein. Schon kurz nach ihrem Tod berichteten die Diener und die Dorfbewohner, dass sie die tote Baronin im blutbefleckten weißen Kleid im Schloss und im Schlosspark nachts umhergehen gesehen haben. 

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Erstellt am Dezember 13, 2020

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Eine Antwort zu “Schloss Wilhelmsthal bei Kassel – Schönstes Rokoko-Schloss in Norddeutschland”

  1. winfried sagt:

    Ich habe leider nie die Erlaubnis erhalten Innenaufnahmen zu machen um sie dann öffentlich zeigen zu dürfen. War fast täglich das Jahr über im Park unterwegs, bis ich jetzt nach Marburg gezogen bin.

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