Arras war ein zufälliger Zwischenstopp. Eine PKW-Reise in die Bretagne ist recht weit und anstrengend. Ich fahre nicht so gerne lange Strecken, denn auch wenn man sich abwechseln kann, ist es eintönig. Außerdem sind Zwischenstopps ideal, um die Gegend “auf dem Weg” kennen zu lernen. Die Region Hauts-de-France liegt ungefähr auf dem halben Weg in Richtung Bretagne. Dank der Durchreise-Aufenthalte habe ich schon die Kulturstädte Lille und Roubaix entdeckt. Auch Arras lag zufällig auf meinem Weg, eine Stadt, die ich bisher nur als “Stadt der mittelalterlichen Wandteppiche” kannte. Arras hat mich begeistert. Genossen habe ich vor allem das französische Flair mit sehr vielen Cafés, Restaurants und Bars. Abends war sie Stadt so lebendig. Tagsüber ein Bummel durch die Innenstadt und der Besuch von einigen historischen Sehenswürdigkeiten, abends dann der Genuss – so ist der perfekte Urlaub. Die wunderschöne Stadt Arras im Nord-Pas de Calais möchte ich Euch heute zeigen. Die alte Stadt hat mir sehr gefallen, daher bin ich überzeugt, dass sich eine Reise nach Arras in Frankreich lohnt. 

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Auch abends ist Arras unglaublich lebendig.

Über Arras – die schöne Altstadt in Nord Pas de Calais

Die mittelalterliche Altstadt mit vielen kleinen und engen Gassen hat eine charmante Atmosphäre. Sehr prunkvoll dagegen ist der Marktplatz und die Häuser drumherum, denn hier sieht man prachtvolle Barockbauten. Im 16. Jahrhundert wurde die Altstadt quasi neu aufgebaut, weil nach einem Erlass vom Philip II. durften die Häuser nicht über die Straße hinausragen. Die Fassaden wurden daher alle im Stil des flämischen Barock umgebaut worden sein. Damals gehörte die Stadt noch zu Flandern und nicht zu Frankreich. Während des I. Weltkrieges hat Arras sehr gelitten, während des II. Weltkrieges noch mehr. Aber die Altstadt wurde in voller Pracht wieder aufgebaut, so dass sie heute zu den schönsten Städten in Nordfrankreich zählt.

Gefallen hat mir vor allem die Altstadt, denn trotz der Zerstörung hat Arras noch sehr viel historische Bausubstanz. Auch der Einzelhandel von Arras war interessant, ich habe einige Geschäfte jenseits des Mainstream gefunden. Am meisten habe ich aber die Lebendigkeit der Stadt genossen. Die Straßen waren voll, die Straßencafés waren schon am Nachmittag voll. Alle waren entspannt und haben gelacht. Es hat Spaß gemacht, dort zu sein, draußen zu sitzen, Bier und Wein zu trinken und die Menschen zu beobachten. Aber auch Kulturinteressierte finden hier viel Auswahl, wie ihr im nächsten Absatz lesen könnt.

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An Markttagen ist der Marktplatz von Arras nicht so leer.

Die Sehenswürdigkeiten von Arras

Die Kathedrale und das Kloste Saint Vaast

Natürlich gehört eine monumentale Kathedrale zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Kathedrale von Arras und das Kloster sind miteinander verbunden, sie gehören zusammen. Das Ensemble ist beeindruckend. Das Kloster stammt aus dem Mittelalter und gehört zu den ältesten Bauwerken von Arras. Im Kloster befindet sich heute ein Museum der schönen Künste. Neben Kunst des 17. bis 19. Jahrhunderts kann man hier viel Kunstgewerbe sehen, z. B. die berühmten Arras-Wandteppiche. Die Kathedrale wurde im Stil des Neoklassizismus erbaut. In der Kathedrale kann man ein Reliquiar mit einem Hemd von Thomas Becket, dem englischen Lordkanzler aus dem 13. Jahrhundert sehen.

Das Rathaus mit hohem Belfried

Das Rathaus von Arras ist das imposanteste Gebäude der Stadt. Die schönsten Räume des Rathauses können im Rahmen einer Führung besucht werden, allerdings nur am Wochenenden und in den Sommermonaten Juli und August, denn dann wird dort nicht gearbeitet. Der hohe Turm des Rathauses, Belfried genannt, kann bestiegen werden.

Geburtshaus von Maximilien Robespierre 

Der Besuch des Hauses von Maximilien de Robespierre war mein großer Wunsch, doch leider wurde das Museum gerade renoviert. Der Revolutionär stammt ursprünglich aus Arras, er ist hier aufgewachsen, sein Vater war Anwalt in Arras. Heute befindet sich im Haus von Robespierre ein Museum, die Bewertungen sagen jedoch, dass man nur sehr wenig über Robespierre und die Ideen der Französischen Revolution erfährt, das Museum widmet sich mehr der Geschichte des Handwerks und Kunsthandwerks. Ich muss unbedingt noch einmal wieder kommen, um mir ein eigenes Bild zu machen.

Führung durch die unterirdischen Gänge von Arras

Alte Städte haben oft uralte und geheimnisvolle unterirdische Gänge. So ist auch die ganze Altstadt von Arras untertunnelt. Die ältesten Teile stammen noch aus dem 10. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um alte Sandsteinbrüche in 12 Meter tiefe. Früher fand hier Handel statt, in den Weltkriegen dienten die unterirdischen Gänge als Unterschlupf. Die Katakomben von Arras können nur im Rahmen einer Führung besucht werden, diese werden in englisch und französisch angeboten. Nähere Informationen und Termine findet Ihr auf der Webseite und in der Tourist-Office. 

Die antike Stadt Nemetacum

Schon vor 2000 Jahren haben Menschen hier gesiedelt, daran erinnern die Ausgrabungen der römischen Stadt Nemetacum. Hier kann man nicht nur die Grundmauern der römischen Siedlung bewundern, sondern erfährt auch viel über die Lebensweise damals. Die archäologische Stätte ist allerdings auch nur in den Sommermonaten Juli und August für Besucher geöffnet. 

Restaurantempfehlung für Arras: Le Cht’is Charivari 

Während meiner Reisen möchte ich lokales Essen probieren – was erscheint da passender, als ein Ch’ti im Namen des Restaurants. Meine Sympathie gegenüber den Sh’tis ist groß – der Film “Willkommen bei den Sh’tis”* ist dafür verantwortlich. Das Restaurant ist eher rustikal, mit einigen witzigen Nuancen. Ich habe draußen gesessen, von hier hat man einen sehr schönen Blick auf den Grand Place. Die Küche ist traditionell, auf der Karte findet man viele Fleischgerichte, ich habe mich aber für Muscheln in Maroilles-Käse-Sauce entschieden, sehr lecker. Hier merkt man sehr die Einflüsse aus Belgien, denn die belgische Grenze ist nah. Und auch hier der belgische Einfluss – zu den Muscheln habe ich nicht Wein sondern das Ch’ti Bier gewählt. 

Willkommen bei den Sh’tis – die Sh’tis stehen dazu, Sh’tis zu sein.

Übernachten in Arras – B&B Au 21

Auch wenn große Hotels viel Komfort haben, bin ich immer wieder auf der Suche nach individuellen Übernachtungsmöglichkeiten, gerne auch privat. In Arras bin ich in einem nostalgischen und stilvollen B&B abgestiegen, welches ich sehr gerne empfehle. Das Haus heißt AU 21, es ist ein Privathaus mit einigen Zimmern, die an Gäste vermietet werden. Hier ist alles absolut komfortabel, schon fast luxuriös, dazu aber sehr individuell, liebevoll und ein wenig im Stil der Country-Eleganz. 

Lohnt sich eine Reise nach Arras? 

Für mich ist die Vielfalt der alten Bauwerke und kulturellen Angebote ausschlaggebend, um eine Stadt interessant zu finden. Arras hat von beidem genug, denn die Besucher finden 2000 Jahre Geschichte hier. Sehr präsent ist hier aber auch die Geschichte der Weltkriege, vor allem des I. Weltkrieges, denn der Norden Frankreichs hat sehr gelitten. Rund um Arras findet man mehrere Erinnerungsstätten und zahlreichen Soldatenfriedhöfe. Charmant finde ich aber vor allem die Lebendigkeit der Stadt. Arras hat etwas mehr als 40.000 Einwohner – in deutschen Städten dieser Größe kehrt manchmal schon am Nachmittag Ruhe ein, die gastronomischen Angebote sind oft rar und die Straßen leer. In Frankreich ist es umgekehrt, Franzosen genießen das Leben mehr. Die Straßen, die Bars sind voll – die Stadt lebt und das macht Spaß.

Arras by night – die Altstadt ist immer stimmungsvoll beleuchtet.

Arras in der Literatur

Obwohl Arras recht klein und unbedeutend ist, wurde die Stadt mehrfacgh literarisch verewigt. Zwei Bücher möchte ich hier besonders hervorheben, von Andrzej Szczypiorski und von Antoine de Saint-Exupery

„Eine Messe für die Stadt Arras“ von Andrzej Szczypiorski*

Wie schon oben erwähnt, war Arras im 15. Jahrhundert eine Hochburg der Hexenverfolgung und Judenpogrome. Der zeitgenössische polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski beschreibt in deinem Roman die Stimmung der Stadt in der Zeit zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit. Er schildert die Folgen der Pest und die daraus resultierenden Denunziationen, Hetze und Verurteilungen.

„Flug nach Arras“ von Antoine de Saint-Exupéry*

Antoine de Saint-Exupéry, der Autor von „Der Kleine Prinz“ war nicht nur Schriftsteller. Eigentlich war er Berufspilot. Während des II. Weltkrieges flog er beim Aufklärungsgeschwader in Nordfrankreich. Seine Erlebnisse aus dieser Zeit und die Zustände in Nordfrankreich nach deutschen Angriffen verarbeitet er in seinem Buch „Flug nach Arras“.

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Erstellt am März 13, 2021

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