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Archäologische Museen sind manchmal etwas unnahbar. Das behaupte ich aus der Perspektive einer Laienbesucherin, die zwar Interesse an Archäologie und Frühgeschichte hat, aber keine tiefen Kenntnisse. Häufiger ist es mir schon passiert, dass ich durch Gänge voller Tonscherben, Pfeilspitzen und Münzen ging und bedauerlicherweise keinen Bezug zu den Inhalten bekommen habe. Das archäologische Museum in Halle ist anders, der Besuch im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle war sehr interessant, ich habe sehr viel Wissenswertes und Skurriles erfahren. Hinzu kommt die einmalige Raumgestaltung, die mal an eine römische Taverne oder einen germanischen Tempel erinnert. Mich hat das Museum sehr beeindruckt. Daher zeige ich Euch heute, warum sich ein Besuch im Museum für Vorgeschichte in Halle für jeden lohnt.

Grab-Menhir mit Zeichnungen, zuerst wurde der Menhir als einzelne Grabstele verwendet, später als Deckplatte eines Steinkammergrabes.

Über das Museum

Schon das Museumsgebäude ist ein Hingucker, es ist einzigartige Architektur, die an eine Verbindung von Historismus und Art Deko erinnert. Ein ähnliches Gebäude habe noch nirgendwo gesehen. Eröffnet wurde das Museum 1918, kurz vor dem Ende des I. Weltkrieges, vielleicht erklärt sich dadurch der etwas pathetisch wirkende Stil. Angeblich wurde das Gebäude der römischen Porta Nigra in Trier nachempfunden – wie passend für ein archäologisches Museum. Das Gebäude war von Anfang an als archäologisches Museum geplant. Das Museum für Vorgeschichte in Halle gehört zu den wichtigsten archäologischen Museen in Europa. Der Museumsbesucher wird chronologisch durch die Geschichte der Menschen geführt, von den ersten menschlichen Spuren, über fast 400.000 Jahre Geschichte des Menschen. Ich zeige Euch nur einige der Highlights des Museums.

Viele einzigartige Exponate

Es hat mich überrascht zu sehen, dass die ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheit so modern und abstrakt wirken. In Nebra wurde nicht nur die Himmelsscheibe gefunden, sondern auch eine 17.000 Jahre alte Skulptur einer Frau. Die Frauenfigur hat nur angedeutete Brust und Hüfte, die Figur könnte auch von Alberto Giacometti stammen.

Absolut faszinierend finde ich das Skelett der „Schamanin von Bad Dürrenberg“, es ist unglaublich, was man aus alten Knochen alles erfahren kann. Das Grab der Schamanin ist mehr als 9000 Jahre alt, es ist eine der ältesten bekannten Bestattungen in Mitteldeutschland. Anhand der reichen Grabbeigaben erkennt man die hohe Stellung der Frau. Woher weiß man aber, dass diese Frau eine Schamanin war? Der Schamanismus, wie er vor Jahrtausenden praktiziert wurde, ist in Sibirien bis ins 20. Jahrhundert sehr verbreitet gewesen. Die Grablage der Schamanin, die Art der Grabbeigaben, besonders die vielen Tierskelette und ein Hirschgeweih auf dem Kopf erinnern stark an die sibirischen Bestattungen der Schamanen. Forscher vermuten, dass die Frau sich selbst in Trance versetzen konnte. Einer ihrer Halswirbel war nicht vollständig ausgeprägt, daher könnte es sein, dass die Frau ihre Blutzufuhr in den Kopf selbst steuern konnte und auf Zuruf in Ohnmacht fallen konnte. Vielleicht war diese Fehlstellung eine besondere Gabe für die Frau, die ihr die hohe Stellung gebracht hat.

Gräber und Bestattungsorte gehören oft zu den Orten, die sehr viel über das Leben und die Menschen erzählen, daher sieht man im Museum viele Skelette, Grabbeigaben oder Stelen. Sehr berührend sind die 5000 Jahre alten Familiengräber, die im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt entdeckt wurden. Die Skelette liegen dicht beieinander, sind einander zugewandt, sie sind liebevoll angeordnet, halten sich zum Teil an den Händen. Es war sehr berührend, diese Gräber zu sehen.

Jeder Raum ein Individuum

Die besondere Raumgestaltung sticht im Museum Halle hervor, denn jeder Raum ist einzigartig und thematisch zur Epoche gestaltet. Die Räume sind auch ohne Exponate ein Erlebnis, denn sie sind so unglaublich stimmungsvoll gestaltet. Der Raum mit den oben genannten Familiengräbern ist ganz dunkel, die Gräber mit den Skeletten stehen, angeordnet wie ein Triptychon, die Atmosphäre hat etwas Sakrales.

Besonders kunstvoll fand ich die Räume mit römischen und germanischen Artefakten. Diese Räumlichkeiten sind Tempeln nachempfunden. Römische Tempel kennt man vielleicht, aber wer von Euch kann behaupten, schon mal einen heidnischen germanischen Tempel besucht zu haben? Gelernt habe ich, dass der Name „Germanen“ von den Römern stammt. In der Antike gab es keine gemeinsame Identität der Germanen, nur eine Vielzahl kleiner heidnischer Stämme. Römische Autoren nutzen die Begriffe „Germania“ und „Germanen“ für die Beschreibung der heidnischen Stämme zwischen dem Rhein und der Weichsel. Im Museum kann man zahlreiche germanische Grabfunde anschauen, einer davon ist besonders prachtvoll, mehrere Stücke aus Gold und Silber waren dabei. Das Fürstengrab zeigt nicht nur die Kunstfertigkeiten der Handwerker, sondern die internationalen Handelsbeziehungen vor 2000-3000 Jahren.

Himmelsscheibe von Nebra

Die Himmelsscheibe ist natürlich das Highlight des Museums. Es ist die älteste bekannte Himmelsdarstellung der Welt. Gefunden wurde die Himmelsscheibe tatsächlich von zwei Sondengängern, die sie zuerst an einen Hehler verkauft haben. Nach jahrelanger Forschung weiß man heute, dass die Abbildungen auf der Himmelscheibe in mehreren Epochen entstanden, die erste Abbildung wurde im laufe der Jahrhunderte ergänzt. Die Materialien der Himmelsscheibe stammen aus ganz Europa kommen.

Mehr über die Himmelsscheibe von Nebra, über das codierte Geheimwissen und über die Entstehung des Artefakts findet Ihr hier.

Die Himmelsscheibe von Nebra zeigt unter anderem ein Abbild des Sonnenlaufs der Sonne während der Sonnenwende. Genau diese Konstellation der Gestirne spielt auch beim Sonnenobservatorium von Goseck und beim Ringheiligtums Pömmelte eine große Rolle. Doch was ist das Sonnenobservatorium von Goseck? Was ist das Ringheiligtum von Pömmelte? Goseck und Pömmelte sind uralte Anlagen zur Himmelsbeobachtung. Zumindest glaubt man heute, dass es sich um ein Sonnenobservatorium und eine Kultstätte handelt, welches an die 7000 Jahre alt sind. Es sind runde Grabenanlage mit Palisaden, die den jährlichen Sonnenlauf abgebildet hat. Sie stammt aus der Jungsteinzeit. Man vermutet, dass das Sonnenobservatorium wie das Ringheiligtum einst für rituelle Zwecke genutzt wurde. Die zwei Tore der Anlage sind genau nach der Sonne ausgerichtet, an Tagen der Sonnenwende fällt das Licht durch die zwei Tore. Beim Sonnenuntergang fallen die Sonnenstrahlen durch das eine Tor und beim Sonnenaufgang durch das andere Tor. Der Tag der Winter- und Sommersonnenwende ist auch auf der Himmelsscheibe von Nebra dargestellt.

Das Prachtstück des Museums – die Himmelsscheibe von Nebra (in der Hand natürlich nur eine Kopie)

Himmelsscheibe und die prähistorischen Kultstätten

Das Ringheiligtum von Pömmelte wird das „Deutsche Stonehenge“ genannt, denn es hat genau denselben Aufbau und dieselbe Größe wie der Steinkreis von Stonehenge. Allerdings wurde Stonehenge aus Steinen erbaut, ist daher noch erhalten. Pömmelte wurde aus Holz erbaut, daher ist davon leider nicht mehr viel übrig. Auch der Aufbau des Himmelsobservatoriums von Goseck erinnert stark sowohl an Stonehenge, als auch an die Konstellation auf der Himmelsscheibe. Goseck und Pömmelte liegen nicht allzu weit vom Fundort der Himmelsscheibe. Das Phänomen thematisiert die derzeit laufende Ausstellung „Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte“. Der Schwerpunkt der Ausstellung sind die internationalen Beziehungen der Menschen vor Tausenden Jahren. Es ist absolut faszinierend, die Handelsrouten von damals zu sehen. Globalisierung ist nichts Neues.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit The British Museum, London.
Mehr über die Sonderausstellung findet Ihr auf der Webseite „Ausstellung Himmelsscheibe“.

Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle
Tel. 0345/5247 30

Führungen: besucherbetreuung@ida.stk.sachsen-anhalt.de

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Mehr Ausflugstipps für die Umgebung von Halle an der Saale

Die Himmelsscheibe von Nebra ist nicht das einzige UNESCO-Welterbe in Sachsen-Anhalt, das Bundesland hat die meisten Welterbestätten in Deutschland.
Die kleine Stadt Naumburg ist auf jeden Fall einen Ausflug wert, nicht nur wegen dem Dom. Ein faszinierendes Ausflugsziel ist auch die Lutherstadt Wittenberg, auch für Personen, die sich nicht für Reformation interessieren.
Die Städte Merseburg, Zeitz und Weißenfels haben nicht nur sehr schöne Altstädte, sondern auch prachtvolle Schlösser.
Einzigartig ist das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Das Ensemble aus mehreren Schlössern und angrenzenden imposanten Schlossparks wurde nicht ohne Grund UNESO-Welterbe. Direkt um die Ecke findet man ein ganz besonderes Museum – Ferropolis ist eine Stadt der Riesenbagger aus dem Braunkohletagebau. Es ist ein Denkmal der Industriekultur, welches man nirgendwo anders finden wird.

* Das Museum für Vorgeschichte in Halle habe ich im Rahmen einer Bloggerreise in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt, der Investitions- und Marketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) sowie der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt besucht. 


Erstellt am Juni 18, 2021

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Eine Antwort zu “Museum in Halle – So spannend kann ein archäologisches Museum sein”

  1. Anette sagt:

    Dieses Museum will ich unbedingt irgendwann mal sehen!

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