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Das Kloster Bentlage in Rheine liegt in der nordwestlichsten Spitze des Münsterlandes. Die Landesgrenze zu Niedersachsen ist quasi nebenan und in die Niederlande sind nur wenige Kilometer entfernt. Die Gegend ist vor allem bei Fahrradfahrern beliebt. Doch auch Kulturinteressierte können in der Umgebung von Rheine sehr viel entdecken. Mein Highlight und Ausflugstipp ist das Kloster Bentlage. Das ehemalige Kloster der Kreuzherren ist heute ein Zentrum für Kunst und Kultur mit einer unglaublichen Angebotsvielfalt. Neben interessanter Klostergeschichte und skurrilen Reliquienaltären findet man hier renommierte und zeitgenössische Kunst. Ein englischer High-Tea mit selbstgebackenem Kuchen rundet die Klosteridylle ab. Direkt neben dem Kloster gibt es noch weitere Ausflugsziele, wie die Saline mit einer Salzwerkstatt und der Natur-Zoo. Daher möchte ich Euch heute zeigen, warum ein Ausflug zum Kloster Bentlage für jeden spannend sein kann und das es ein Geheimtipp für das Münsterland ist.

Museum Kloster Bentlage

Geschichte des Klosters Bentlage

Gegründet wurde das Kloster 1437 vom Orden der Kreuzherren. Der Orden der Kreuzherren, auch Kreuzbrüder genannt, wurde in Belgien im späten Mittelalter gegründet. Über die Niederlande breitete sich der Orden auch nach Deutschland aus. Das Kloster Bentlage war das dritte Kreuzherrenkloster auf deutschem Boden. Die Lage war optimal, denn die Brüder hatten Zugang zum Wasser, Fischen, zu Weiden, Wäldern und Steinen, dazu war im Boden Salz. Mit der Gründung erhielt Bentlage das Recht zur Salzgewinnung und Fischereirechte, was dem Kloster schnell gewissen Wohlstand brachte. Im 30-jährigen Krieg brannte fast der ganze Klosterkomplex ab, nur die Kirche blieb unversehrt. Doch das ganze Klostergebäude wurde noch größer wieder aufgebaut. Die Klosterkirche wurde im 19. Jahrhundert abgerissen, lediglich ein Umriss auf dem Boden erinnert an den Standort. Der Besucher findet hier Kunst und Kultur, eingebettet in eine historische Kulturlandschaft an der Ems.

Aus dem Kloster wird Schloss Rheina

Als der Klerus während der Säkularisierung enteignet wurde, wurde auch 1803 das Kloster Bentlage säkularisiert und in ein Schloss umgewandelt. Das kann man heute vor allem an der Westfassade sehen, denn die Seite ist deutlich prachtvoller als der restliche Teil des Klosters. Das Klostergebäude wurde der belgischen Adelsfamilie Looz-Corswarem übergeben und in Schloss Rheina umbenannt. Gleichzeitig wurde der Kleinstaat Fürstentum Rheina-Wolbeck gegründet, mit dem Hauptsitz in Rheine im Kloster Bentlage. Das Fürstentum zerfiel nach nur 3 Jahren, das Schloss blieb aber im Besitz der Adelsfamilie bis 1978. Genutzt wurde es nur als Sommersitz, daher war das Schloss und das Gelände ziemlich vernachlässigt. Danach hat die Stadt Rheine die Anlage gekauft. Lange war nicht bekannt, dass es sich um ein besonderes Schmuckstück handelt. Das Kloster Bentlage ist das besterhaltene ländliche Kloster Westfalens.

Schloss Rheina, Ausflugstipps für das Münsterland, Kloster Bentlage
An der Westfassade des Klosters sieht man am besten, dass das Kloster Bentlage einst auch das Schloss Rheina war.

Kloster Bentlage heute

Das Kloster ist etwa 3 Kilometer von der Innenstadt entfernt. Es ist eine Strecke, die man ganz wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen kann, denn sie führt durch die Emsauen, direkt an der Ems entlang. Es ist ein unglaublich schöner Weg.

Das Kloster ist heute eine kulturelle Begegnungsstätte. Auf dem Gelände des Klosters kann man gleich mehrere Museen entdecken, zwei davon direkt im Klostergebäude. Die Ausstellung im Erdgeschoss widmet sich der Geschichte des Klosters und der Kreuzherren in Bentlage. Im Ersten Stock findet man die „Westfälische Galerie“.

Klostermuseum

Die Ausstellung widmet sich dem Klosterleben im Kreuzherrenkloster. Vielseitige Exponate aus der Kloster- und Schlossgeschichte kann der Besucher hier bewundern. Einige seltene Exponate kann man dort entdecken, z. B. einen gotischen Messkelch der barocke Messgewänder aus Leder. Ein absolutes Highlight sind aber zwei Reliquienaltare, die einmalig in Deutschland oder sogar in Europa sind. Die zwei Altarbilder aus den Jahren 1499 und 1520 bestehen aus Schädeln und Knochen verschiedener Heiliger.

Reliquien, Kloster Bentlage,
Dieser Alter von 1499 ist aus kunstvoll geschmückten menschlichen Knochenfragmenten und Schädeln gemacht. Es sind Reliquien von Heiligen.

Westfälische Galerie

Die „Westfälische Galerie“ im Kloster Bentlage ist eine Zweigstelle des LWL-Museums, des Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. In den Klosterräumen wird vor allem westfälischer Expressionismus gezeigt. Hervorragende und berühmte Künstler kann man hier entdecken, von einigen habe ich nicht gewusst, dass die aus Westfalen stammen. Bekannte Namen findet man dort, z. B. August Macke, Wilhelm Morgner, Christian Rohlfs, Otto Modersohn oder Josef Albers.

High-Tea Café

Englische Teestuben sind in Deutschland viel zu selten. Dass aber in deutschen Cafés ein echter britischer High Tea angeboten wird, ist eine Rarität. Im Kloster Bentlage gibt es ein High-Tea Café, wo man auf Vorbestellung einen High-Tea mit Scones und Gurkensandwiches bekommt, wie in Great Britain. Für alle, die keinen Tee mögen, es gibt natürlich auch Kaffee und hervorragenden selbst gebackenen Kuchen und auch eine Auswahl an herzhaften Speisen. Hier ist alles liebevoll selbstgemacht.

Kunst und Kultur im Kloster Bentlage

Auch die Wirtschaftsgebäude werden für unterschiedliche Kunst- und Kulturprojekte genutzt. Die Klosterscheune wird für wechselnde Ausstellungen regionaler Künstler genutzt, aber auch für Konzerte oder Lesungen. Etwa 40 Wochen im Jahr finden dort Ausstellungen zeitgenössischer Künstler statt, eine Ausstellung dauert 8-12 Wochen.

Nebenan befindet sich eine professionelle druckgrafische Werkstatt. Künstlerische Druckgrafik kann man hier herstellen oder erlernen. Es ist eine von sehr wenigen Druckwerkstätten in Deutschland, wo Laien mit Künstlern zusammen arbeiten können. Inzwischen ist Bentlage so bekannt, dass zahlreiche internationale Künstler hierher kommen, um zu arbeiten. Neben der Werkstatt befinden sich Wohnräume für die Künstler.

Jedes Jahr finden beliebte Theaterproduktionen im Kloster statt, die im Sommer als Open-Air-Veranstaltung gezeigt werden. Inzwischen hat sich hier eine eigene Firma gebildet. Die Bühne ist das Klosterensemble. Außerdem befindet sich die Bibliothek der Europäischen Märchengesellschaft im Kloster.

Kunst begegnet man überall im Kloster Bentlage – „SkyBox“ von Rob Sweere: „Es ist Kunst, wenn man drin ist und die Landschaft und die Akustik wahrnimmt.“

Übernachten im Kloster Bentlage – Gästezimmer im Torhaus

In der idyllischen Umgebung des alten Klosters kann man auch übernachten. Im Torhaus des Klosters gibt es einige Gästezimmer. Das Torhaus ist in der Barockzeit um 1743/1744 gebaut worden. Es ist der Empfangsbereich des Klosters, denn egal aus welcher Richtung man kommt, zuerst kommt man zum Torhaus.

Die Zimmer sind schlicht, ohne Fernseher, dennoch sehr geräumig und geschmackvoll ausgestattet. Gemeinschaftsbäder gibt es auf jeder Etage. Das Frühstück wird im Hauptgebäude des Klosters serviert, in sehr stilvoller Umgebung. Das Beste aber an der Übernachtung im Kloster ist die Möglichkeit, das Gelände in völliger Einsamkeit zu erkunden. Denn morgens und abends sind die Touristen und Mitarbeiter weg und das Gelände liegt still und einsam. So eine Ruhe und Idylle erlebe ich nur selten. Abends traf ich Kaninchen, morgens Störche und Rehe.

Eckdaten

Museum Kloster Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine
Tel: 05971/918-400
info@kloster-bentlage.de
Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 14.00-18.00 Uhr; Samstag und Sonntag 10.00-18.00 Uhr
1. Oktober bis 28. Februar ist das Museum auch dienstags geschlossen.

Saline Gottesgabe in Rheine

Unweit des Klosters befindet sich eine Saline. Die Saline Gottesgabe in Rheine war früher ein Wirtschaftsbetrieb, es war einst der größte Betrieb in Rheine. Das Geheimnis der Salzherstellung war eine Kunst, die die streng gehütet wurde. Die Gradierwerke stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und gehören zu den ältesten in Westfalen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Rheine auch ein Bade- und Kurbetrieb eröffnet, hauptsächlich mit Solebädern.

In der Salzwerkstatt kann man verschiedene museumspädagogische Angebote für Kinder buchen. Spielerisch lernen sie Historisches und Wissenswertes rund um das Salz kennen. Auch für Erwachsene gibt es interessante Angeboten, z. B. zum Thema Salz im Kurbetrieb oder Herstellung vom eigenen Badesalz.

Das Gradierwerk der Saline Gottesgabe gehört zu den ältesten Gradierwerken in Westfalen.

Josef-Winckler-Haus

Direkt neben der Saline kann man ein kleines Museum besuchen, das Geburtshaus des Schriftstellers Josef Winckler. Ihr kennt Josef Winckler nicht? Vielleicht kennt Ihr den Film „Der tolle Bomberg“ mit Hans Albers? Das ist eine Verfilmung des Buches von Josef Winckler. Obwohl Winckler vor allem für seine Schelmenromane bekannt ist, schrieb er viel Industrieliteratur, vor allem über das Leben rheinische Arbeiter.

Falkenhof-Museum in der Innenstadt

Das Rittergut Falkenhof ist ein ehemaliger Adelssitz der Familie von Morrien und beherbergt heute das Stadtmuseum. Doch an dieser Stelle stand einst die Villa Reni, der Ursprung der Stadt Rheine. Das war ein vom Karl dem Großen gegründeter Königshof. Der Sohn vom Karl dem Großen schenkte die Villa Reni dem Stift Herford, im Besitz des Stifts blieb das Anwesen bis zum 16. Jahrhundert.

Heute ist Falkenhof ein Stadtmuseum, das die Geschichte von Rheine von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert erzählt. Erst während der Restaurierung des Museums 2003/2004 wurden die unterirdischen Gewölbegänge entdeckt, wo die Adelsfamilie allerlei Kram entsorgte. Die Kanalisation war ein Highlight für Archäologen, denn niemand ahnte etwas von der Existenz der unterirdischen Gänge. Bekannt ist das Museum vor allem für die umfassende Grafiksammlung, denn hier kann man Albrecht Dürer, Francesco di Goya und Pablo Picasso.

Sehenswerte Kirchen in Rheine

Zum Schluss noch zwei Empfehlungen für zwei Kirchen, denn in der Innenstadt von Rheine gibt es zwei sehr sehenswerte Kirchen. Besonders prachtvoll ist die St. Antonius-Basilika am Rande der Innenstadt. Die mittelalterlich anmutende Basilika ist aber ein Kunstwerk des Historismus. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, nach dem Vorbild mittelalterlicher Kathedralen. Die Innenräume erinnern an die mittelalterlichen Kirchen in Hildesheim. Beim Turm sieht man sofort, dass der Paderborner Dom als Vorbild diente. Alt dagegen ist die Kirche St. Dionysius in der Stadtmitte, direkt auf dem historischen Marktplatz. Die Kirche ist in der Spätgotik entstanden, um 1400 wurde mit dem Bau begonnen.

Kloster Bentlage ist ein Geheimtipp für jeden

Alte Klöster gehören zu meinen liebsten Ausflugszielen. Oft liegen Klöster etwas abseits von Ortschaften, in ruhiger und wunderschöner Umgebung. Die Klosteridylle, die historischen Mauern inmitten der Natur genieße ich sehr. Das Kloster Bentlage gehört zu den Klöstern, die sowohl eine Zeitreise als auch perfekte Entschleunigung bieten. Doch vor allem ist das Kloster ein Ort für den Kunst- und Kulturgenuss. Die Ausstellungen sind sehr vielseitig und sehenswert, mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst.

Besonders ist auch die Umgebung des Kloster, denn es gibt hier einen Natur-Zoo, eine museale Saline, ein Schriftstellerhaus und hervorragende kulinarische Erlebnisse. Dazu ist die Ems direkt nebenan und die Wander- und Fahrradwege sind daher besonders grün und reizvoll. Ich bin überzeugt, dass in Bentlage sich keiner langweilen wird. Es ist das perfekte Ausflugsziel, wo man einen ganzen Tag oder auch mehrere Tage verbringen kann.

Das Kloster Bentlage ist ein Standort auf der 100 Schlösser Route – eines Fahrradroute durch das Münsterland. Denn auf dieser Radstrecke findet man nicht nur Burgen und Schlösser, sondern viele andere historische Sehenswürdigkeiten.

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*Werbung: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Münsterland e.V. entstanden. Im Münsterland läuft noch bis Dezember 2022 das EFRE-Förderprojekt „Schlösser- und Burgenregion Münsterland“, das sich den Schätzen der Region und ihrer besseren Erlebbarkeit widmet – denn das Münsterland hat über 100 Schlösser und Burgen zu bieten.

Erstellt am August 11, 2021

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