Nimwegen liegt fast direkt an der deutschen Grenze, daher ist die Stadt ein beliebtes Ausflugsziel für deutsche Reisende und Tagestouristen. Natürlich kommen sehr viele zum Einkaufen, weil Nimwegen eine unglaublich charmante Einkaufsstadt ist, mit viel individuellem Einzelhandel, interessanten Geschäften und kleinen Boutiquen. In Nimwegen gibt es aber auch sehr viele historische Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Es wird behauptet, dass Nimwegen die älteste Stadt der Niederlande ist. Die Stadt existierte schon zur Zeit der Römer, vermutlich sogar etwas früher als keltische Siedlung. Im Mittelalter war Nimwegen ein bedeutender Standort für Kaiser und Könige. Karl der Große ließ eine Pfalz hier erbauen. Später wählte auch Friedrich Barbarossa Nimwegen als Standort für seine Kaiserpfalz. Im späten Mittelalter wurde Nimwegen ein Mitglied der Hanse, was der Stadt noch mehr Reichtum brachte. Nimwegen entwickelte sich zur wichtigsten Stadt in der Provinz Gelderland. Mir gefällt Nimwegen sehr und ich besuche die Stadt an der Waal immer wieder, daher nehme ich Euch heute mit auf eine Entdeckungstour durch die Altstadt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nimwegen.

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Der Valkhof – der Standort der Kaiserpfalzen

Der Valkhof ist der älteste Teil von Nimwegen. Es ist das alte Regierungszentrum, der Platz, wo einst die Königs- und Kaiserpfalzen lagen. Aus der Zeit der frühen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches sind heute nur noch zwei Kapellen erhalten geblieben, eine intakte Kapelle und eine Kapellenruine. Der Valkhof liegt auf einer kleinen Anhöhe über der Waal und ist der Ursprung von Nimwegen, weil sich hier einst die römische und vermutlich auch die keltische Siedlung befand. Die Lage war strategisch günstig auf einer Anhöhe über dem Fluss. Nicht nur Karl der Große und Friedrich Barbarossa residierten hier, viele Könige des Mittelalters wählten den Ort als einen ihrer Regierungssitze. Kaiserin Theophanu lebte mehrere Jahre in Nimwegen und starb hier 991. Kaiser Heinrich III. heiratete hier Gunhild von Dänemark. Die Burg an der Spitze des Berges muss sehr groß, imposant und bedeutend gewesen sein, doch daran erinnern nur noch die zwei Kapellen. Für mich sind die zwei Kapellen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nimwegen.

Nikolauskapelle

Die Nikolauskapelle auf dem Valkhof ist eins der ältesten Gebäude der Niederlande. Die kleine und schlichte Kapelle ist magisch. Die Form der Kapelle ist achteckig. Das erinnert an die Pfalzkapelle in Aachen, die der Nikolauskapelle vermutlich als Vorbild diente. Wann die Nikolauskapelle erbaut wurde, ist heute nicht vollständig bekannt. Ob die Kapelle tatsächlich aus der Zeit um Karl den Großen stammt, ist nicht endgültig bewiesen. Einige Wissenschaftler vermuten die Erbauungszeit des Gotteshauses im 9. Jahrhundert, einige erst im frühen 10. Jahrhundert. 

Die Kapelle ist sehr schlicht mit kleinen Rundbogenfenstern. Im Innern der Rotunde befindet sich ein Rundgang mit einem Altar in der Mitte. An einigen Wänden kann man  Fresken aus dem Mittelalter sehen, diese sind absolut einmalig. Direkt neben der Kapelle befindet sich ein Bunker aus dem II. Weltkrieg, der zum Schutz der Waalbrücke erbaut wurde. 

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Die Nikolauskapelle ist eins der ältesten Gebäude der Niederlande, im Inneren kann man Fresken aus dem frühen Mittelalter entdecken.

Martinskapelle

Die zweite Kapelle ist die Martinskapelle, sie ist heute nur noch eine Ruine. Man kann dort die Überreste einer sehr schönen Apsis sehen. Die Martinskapelle ist jünger als die Nikolauskapelle. Sie ist vermutlich während der Erbauungszeit der Kaiserpfalz von Friedrich Barbarossa um 1155 erbaut worden. Daher wird die Kapellenruine auch Barbarossa-Kapelle genannt.

Die Martinskapelle oder auch Barbarossakapelle genannt, ist heute nur noch eine Ruine, sie steht jedoch mitten in der Innenstadt.

Ein Spaziergang an der Waal

Nimwegen liegt am Fluss Waal und Städte an Flüssen haben grundsätzlich eine besondere Atmosphäre. Die Waal streift die Altstadt und fließt unterhalb des Valkhofs. Vom Hügel an der Nikolauskapelle hat man einen wunderschönen Ausblick auf das Flusstal. Die Parkanlage des Valkhofs grenzt fast an das Flussufer, daher ist der Park ein idealer Ort für Spaziergänge oder kleine Auszeiten. Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Waalbrücke, das ist eine imposante Stahlbogenbrücke. Die weiße Brücke wurde inzwischen zum Kulturdenkmal ernannt. Eingeweiht wurde sie 1936 von der niederländischen Königin Wilhelmina. Als ich das erste Mal in Nimwegen war, sind mir die malerischen Flussauen gar nicht aufgefallen. Doch beim guten Wetter lohnt sich ein Spaziergang unbedingt, daher erwähne ich diese Gegend als besonderen Tipp für Nimwegen.

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Unweit der Waalbrücke sieht man ein imposantes Backsteingebäude, das ist die Bastei, ein dicker Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert. Heute befindet sich dort ein Naturkunde- und Geschichtsmuseum – das ich allerdings nicht besucht habe.

Museum Het Valkhof

Das Museum Het Valkhof besteht aus zwei Teilen, aus einer archäologischen Abteilung und eine Abteilung für zeitgenössische und moderne Kunst. Die archäologische Abteilung zeigt verschiedene Fundstücke aus der römischen und der mittelalterlichen Vergangenheit der Stadt. Die Abteilung für moderne Kunst bietet den krassen Gegensatz, denn hier kann man Kunst vom Expressionismus bis zu Pop Art sehen. Vor allem niederländische und deutsche Künstler werden im Museum gezeigt. Das Museum ist nicht die wichtigste Sehenswürdigkeit von Nimwegen, doch man kann dort sehr interessante und einzigartige Exponate und interessante Sonderausstellungen sehen. Ich fand die Ausstellungen sehr interessant. Diese Sehenswürdigkeit von Nimwegen ist nicht nur beim schlechten Wetter eine Empfehlung.

St. Stevenskerk 

Die Stephanskirche ist die wichtigste Kirche von Nimwegen, sie liegt fast in der Fußgängerzone. Erbaut wurde die Kirche als romanische Basilika, aber Mitte des 14. Jahrhunderts wurde sie im gotischen Stil umgebaut. Heute ist die Kirche vor allem niederländisch-schlicht, sehr hell, überwiegend weiß. Besonders sehenswert sind einige erhaltene Fresken aus der Zeit der Renaissance und eine Orgel aus der Barockzeit. Die besonderen Schätze der Kirche habe ich erst auf den zweiten Blick entdeckt. Zum einen steht vor dem Altar ein besonders prunkvoller Sarkophag, das ist die letzte Ruhestätte von Katharina von Bourbon, der Herzogin von Geldern und Ehefrau von Adolf von Egmond. Im Boden der Kirche sind einige alte Grabplatten eingemauert, hier entdeckte ich eine Freimauer-Grabplatte. Die Freimauerinsignien machen das Grab schon zu etwas ganz besonderem. Doch wer ist dort begraben? Ludwig von Sachsen-Hildburghausen (1710-1759) weckte mein Interesse, weil er aus Hildburghausen, der Stadt der Dunkelgräfin kommt und weil sein Vater aus meiner Heimatstadt Arolsen stammt.

Das Haus der Brüder van Limburg

Das unscheinbare Haus mit der kleinen Aufschrift „Museum“ mitten in der Fußgängerzone ist alt. Angelockt hat mich vor allem das Schaufenster des Museumsshops, weil dort interessante mittelalterlich aussehende Produkte verkauft wurden. Über die Brüder van Limburg wusste ich gar nichts. Ich bin ihnen bestimmt schon mal in irgendwelchen Museen begegnet, aber da mich mittelalterliche Kunst nicht sehr interessiert, habe ich sie nicht wahrgenommen. Das kleine Museum bot mir die Gelegenheit, mich mehr mit der Kunst der Brüder van Limburg auseinanderzusetzen. Der Einführungsfilm mit englischen Untertiteln erzählt, was man über die Künstler heute weiß, denn viel bekannt ist nicht über sie. Danach geht man in den Gewölbekeller, das ist tatsächlich noch ein unrenovierter Keller. Bei der Hausrenovierung vor einigen Jahren, wurde der Gewölbekeller entdeckt, daher ist heute alles so erhalten, wie es im Mittelalter zugeschüttet wurde. Einige Gefäße und Tonscherben hat man dort gefunden, die in einer kleinen Vitrine ausgestellt werden. Sonst gibt es dort aber nichts zu sehen. Dennoch ist der Ort magisch, weil während der ganzen Jahrhunderte sich dort nichts verändert hat. Der Besuch des Hauses der Brüder van Limburg war für mich wie eine kleine Zeitreise.

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In diesen Mauern lebten und arbeiteten einst die Brüder van Limburg.

Wer waren die Brüder van Limburg?

Hermann, Paul und Johann van Limburg gehörten schon zu Lebzeiten zu den angesehensten Malern des Spätmittelalters. Sie waren Neffen und Enkel von bekannten mittelalterlichen Kunsthandwerkern. Ihr Onkel Johan Maelwael war Maler am französischen Hof, er malte für Königin Isabella von Frankreich und für die Herzöge von Burgund. Der Großvater der Brüder van Limburg war Maler von Wappen, Wappenschildern und Banner. 

Die drei Brüder haben es vermutlich ihren Onkel zu verdanken, dass sie auch eine Anstellung auf dem französischen Hof bekamen, denn ihr Onkel war Ende des 14. Jahrhunderts einer der bestbezahltesten Maler seiner Zeit. Die Brüder van Limburg gingen Anfang des 15. Jahrhunderts auch nach Paris und wurden Maler am Hofe Königs Philipp des Kühen. Als dieser starb, wurden sie von seinem Bruder Jean de Berry engagiert. Im Auftrag des Duc de Berry entstanden die bekanntesten und teuersten Werke der drei Brüder, dazu gehören die “Très Riches Heures” und die “Belles Heures”. Das sind illuminierte Inkunabeln und handgemalte Stundenbücher. Das erste bekannte Bild von Paris, das nicht einem von einem Franzosen gemalt wurde, stammt aus der Hand der Brüder van Limburg. Mich faszinieren vor allem die etwas morbiden Darstellungen, denn im Mittelalter war der Umgang mit dem Thema Tod etwas anders.

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Die Werke der Brüder van Limburg können heute etwas morbide wirken, doch im Mittelalter waren die Themen Tod, Hölle und Strafe alltäglich.

Nimwegen – alt und unglaublich charmant

Immer wenn ich in den Niederlanden bin, wundere ich mich dass die Städte dort so lebendig sind. Nimwegen hat in etwa die Größe meiner Heimatstadt Paderborn, aber die Stadt ist sehr viel quirliger, sehr viel individueller, mit vielen Cafés, mit interessanter Gastronomie und vor allem mit viel Einzelhandel. Auch wenn man sich nicht für die geschichtlichen Sehenswürdigkeiten interessiert, macht es Spaß durch die Stadt zu bummeln. Die Einkaufsstraße von Nimwegen soll angeblich die älteste Einkaufsstraße der Niederlande sein. Vom Niederrhein ist Nimwegen sehr schnell mit dem Auto erreichbar. Von Mönchengladbach oder Oberhausen erreicht man Nimwegen in etwa einer Stunde, von Kleve sogar in einer halben Stunde. Ein Ausflug nach Nimwegen lohnt sich in meinen Augen sehr, ich bin überzeugt dass hier jeder etwas für sich finden wird. 

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Mehr Tipps für Nimwegen und Umgebung

Kristof von Worthseeing findet ganz andere Seiten von Nimwegen interessant, daher lohnt sich ein Blick in seinen Artikel „Nijmegen: Die älteste Stadt in Holland ist hip geblieben.“

Fast neben Nimwegen liegt die Stadt Arnhem, die auch sehr sehenswert ist. Über Arnhem könnt Ihr einen interessanten Artikel bei Marion und Daniel von Geschichten von Unterwegs.

Unweit von Nimwegen findet man ein sehr sehenswertes Schloss, das Kasteel Doorwerth, wobei Gelderland ist eine Gegend, die sehr reich an Schlössern und Geistern ist.

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Erstellt am Januar 22, 2022

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