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Das Vogtland trägt den Namen der Vögte, des bedeutenden Adelsgeschlechts, welches über Jahrhunderte in der Region herrschte. Die Familie teilte sich, zuerst in zwei Hauptlinien, später in verschiedene Zweige. Die Vögte nannten sich später Reußen und gehörten zu einem der bedeutendsten Adelsgeschlechter in Thüringen. Den Vögten und später den Reußen verdanken wir eine große Fülle von Burgen und Schlössern im Vogtland. Es gibt Teile vom Vogtland, wo man in fast jedem Ort einen imposanten Adelssitz entdecken kann. Dann wiederum gibt es kleine Städte wie Greiz, wo man direkt drei sehenswerte Schlösser findet. Das besondere ist, dass sehr viele der Burgen und Schlösser im Vogtland heute in Museen umgebaut wurden und für Besucher zugänglich sind. Im heutigen Artikel zeige ich Euch die interessantesten und die schönsten Burgen und Schlösser im Vogtland. Ich starte im nördlichen Thüringen und ende im südlichen Sachsen. Das Vogtland erstreckt sich aber nicht nur über Teile von Thüringen und Sachsen, sondern auch bis nach Bayern und ins tschechische Grenzgebiet. 

Burgen und Schlösser im Vogtland, Schlösser in Greiz, Oberes Schloss in Greiz
In Greiz, Vogtland findet man gleich drei Schlösser. Über der Stadt auf einem Berg thront das Obere Schloss.

Warum heißen alle Reußen Heinrich?

Alle Vögte und alle späteren Reußen, bis zum heutigen Tag heißen Heinrich. Seit mehr als 800 Jahren und in allen Familienzweigen heißen alle männlichen Nachkommen Heinrich. Ich glaube, das ist einmalig. Bisher ist es mir noch nie begegnet, dass ein Adelsgeschlecht über Jahrhunderte denselben Vornamen hatte. Im Mittelalter, im 11. Jahrhundert setzte Kaiser Friedrich Barbarossa die Vögte als Verwalter für seine Ländereien ein, sie wurden bedeutend und wohlhabend. Natürlich hatten die Vögte das Bedürfnis, sich zu präsentieren, daher bauten sie schon im Mittelalter viele Burgen. Barbarossas Sohn, Kaiser Heinrich Vl. hat das weitergeführt und die Bedeutung der Vögte stabilisiert. Zu Ehren des Kaisers wurden fortan alle männlichen Nachkommen der Vögte und später auch der Reußen Heinrich genannt. Das ist bis heute so geblieben. Den Beinamen Ruthenus, später Reuß bekam einer der Heinrichs im 13. Jahrhundert, weil er längere Zeit in Russland lebte und eine russische Fürstin geheiratet hat. Der Begriff Ruthenen bzw. Reußen war damals für die Ostslawen gebräuchlich.

Die Osterburg in Weida – der Beginn der Herrschaft der Vögte

Die Osterburg gehört zu den ältesten Burgen der Vögte, vielleicht ist es sogar die älteste. Erbaut wurde die Burg Mitte des 12. Jahrhunderts von Heinrich I., er war der Bruder des Gründers von Weida. Doch auf dem Burgberg gab es schon viel früher Besiedlung und vermutlich auch eine slawische Burg. Bis zum 15. Jahrhundert war die Osterburg der Stammsitz der Vögte von Weida, dann fiel sie an die Markgrafen zu Meißen aus dem Hause Wettin. In diesen Jahrhunderten wurde die Burg teilweise zerstört und wieder aufgebaut, erst im Stil der Renaissance, später im Stil des Barock. Der letzte Wettiner auf der Osterburg war Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Zeitz. Er starb hier und wurde nicht in der Familiengruft in Zeitz, sondern in der Marienkirche in Weida bestattet.

Der Name Osterburg kommt nicht von Ostern, sondern von der Umgebung, die Osterland oder Ostland genannt wird. In der Burg befindet sich heute ein Museum mit verschiedenen Ausstellungen. Die Geschichte der Vögte und deren Bedeutung für das Vogtland wird hier mit vielen Exponaten veranschaulicht. Es gibt eine Ausstellung zur Stadtgeschichte, zur Astronomie und Naturwissenschaften, aber am faszinierendsten fand ich die Kunstausstellung im dritten Obergeschoss. Denn die Räume dort sind entkernt, aber noch nicht renoviert. Die Kunst wird hier in einer einzigartigen Kulisse gezeigt.

Osterburg zu Weida, Schlossberg 14, 07570 Weida
Öffnungszeiten: Donnerstag – Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Gera – Erinnerungen an einstige Pracht

Auch Gera sollte auf den Spuren der Vögte besucht werden, obwohl vom Schloss der Reußen heute nicht mehr viel erhalten ist. Schon im 12. Jahrhundert errichteten die Vögte hier einen ihrer Herrschaftssitze. Später wurde die Burg Osterstein zum Schloss umgebaut und zum Herrschaftssitz der Reußen der jüngeren Linie. In Gera lebte einer der bekanntesten Reußen, Heinrich Posthumus Reuß, er war Landesherr und kaiserlicher Rat. Er hat protestantischen Glaubensflüchtlingen aus Flandern erlaubt, sich in Gera anzusiedeln, was den Handel zum Florieren brachte und die Stadt sehr wohlhabend machte.  

Das Schloss Osterstein wurde im II. Weltkrieg zerstört und in der DDR-Zeit gesprengt. Heute sind nur Scheunen und Wirtschaftsgebäude, der Bergfried und ein Schlossgarten erhalten geblieben. Derzeit werden die verbliebenen Schlossgebäude saniert, sie sollen in Wohnungen und eine Pflegeeinrichtung umgestaltet werden. Doch sehr viele Gebäude unterhalb des Schlosses gehörten zu den Wirtschaftsgebäuden. Daher stammt auch der Name des Stadtteils, Untermhaus steht für “Unter dem Schloss”, es ist der älteste und schönste Stadtteil von Gera. Vor allem die wunderschöne barocke Orangerie erinnert an den Wohlstand der Reußen. Graf Heinrich XVIII. ließ die Orangerie als Gewächshaus für Orangen und exotische Pflanzen erbauen.

Greiz – die Stadt der drei Schlösser 

Knapp 23.000 Tausend Einwohner und drei Schlösser hat die wunderschöne Stadt Greiz. Daher ist Greiz die wichtigste Station, wenn man die Burgen und Schlösser im Vogtland erleben möchte. Das verdanken wir den Fürsten von Reuß, der älteren Linie. Spätestens seit die Adelslinie 1778 aus dem Grafen- in den Fürstenstand erhoben wurde, wurden die Schlösser prachtvoll aus- und umgebaut. Obwohl das Fürstentum Reuß ältere Linie das flächenmäßig kleinste Fürstentum des 1871 gegründeten Deutschen Reiches war, kann der Prunk der Schlösser mit vielen großen Fürstenhäusern mithalten. 

Aber nicht nur die Schlösser waren der Grund, warum mir Greiz unglaublich gut gefallen hat. Die Stadt ist voller wunderschöner Jugendstilhäuser. Um die Jahrhundertwende gab es in Greiz viel Textilindustrie, was der Stadt großen Reichtum brachte und das sieht man bis heute. 

Das Obere Schloss

Auf dem Berg, dort wo einst die Burg der Vögte von Weida und Plauen stand, wurde das Obere Schloss erbaut. Im Norden und Westen der Stadt sieht das Schloss sehr trutzig und schmucklos aus, doch im Osten sieht man die filigrane Renaissance-Architektur. Das Areal des Schlosses ist sehr groß, hier kann man einige der Bauphasen des Schlosses aus der Renaissancezeit und aus dem Barock sehen. Eine Burg auf dem Berg existierte schon im 13. Jahrhundert, Mitte des 16. Jahrhunderts ist sie aber fast vollständig abgebrannt und wurde nach neuester Mode wieder aufgebaut. Ende des 16. und 17. Jahrhunderts kamen noch einige Barockanbauten dazu.

Im Oberen Schloss befindet sich heute ein Museum über die Geschichte des Adelsgeschlechts Reuß, von den mittelalterlichen Vögten bis zur Erhebung in den Fürstenstand. Die Multimedia-Ausstellung ist sehr interessant und kurzweilig gemacht, es ist eine Zeitreise durch die Epochen. Hier sind nicht nur die Räume prunkvoll, sondern in jedem Raum gibt es eine neue Multimedia-Idee zu entdecken, z. B. kann man auf einem Skateboard um das Schloss fliegen, mit einem Fahrstuhl eine Zeitreise machen oder einen sehr amüsanten 3D-Film über die Geschichte der Vögte sehen. 

Oberes Schloss Greiz, Öffnungszeiten Dienstag – Sonntag 10.00-17.00 Uhr

Burgen und Schlösser im Vogtland, Greiz, die Stadt der drei Schlösser, die Schlösser von Greiz, hier das Obere Schloss
Im Oberen Schloss in Greiz befindet sich eine fantastische Multimedia-Ausstellung über das Leben der Vögte von Greiz. Zwischen der Innenstadt und dem Schloss findet man ein frisch saniertes Rokoko-Pavillon

Das Untere Schloss 

Am Ufer der Weißen Elster befindet sich ein weiteres fürstliches Bauwerk der Stadt, das Untere Schloss. Durch eine Erbteilung im 16. Jahrhundert wurden die Ländereien um Greiz geteilt und Heinrich der Ältere baute ein zweites Schloss. Der eine Zweig der Familie lebte auf dem Berg, das war die Herrschaft Ober-Greiz, die Herren von Unter-Greiz lebten unten am Fluss. Im 18. Jahrhundert starb die Linie Unter-Greiz aus und die Ländereien fielen an Ober-Greiz. Somit wurde die Linie wieder vereint und in den Fürstenstand erhoben. Heute befindet sich der zweite Teil des Museum des Oberen Schlosses hier, die Familiengeschichte der Reußen von Greiz im 19. und 20. Jahrhundert und die Geschichte der Stadt Greiz wird hier gezeigt. 

Unteres Schloss Greiz, Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr

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Das Untere Schloss in Greiz liegt idyllisch direkt an der Weißen Elster und beherbergt Teil II des Museums.

Das Sommerpalais mit englischem Garten

Das kleine Barockpalais ist unglaublich prunkvoll gestaltet. Erbaut oder eher umgebaut wurde es von Heinrich XI. Reuß, der ein bestehendes Palais vermutlich aufgrund der Erhebung in den Fürstenstand prachtvoll ausbauen ließ. Es wurde nach der neuesten Mode des Spätbarock, im Stil Louis XVI. erbaut. Heute beherbergt das Sommerpalais eine imposante Bibliothek, eine Kupferstichsammlung und das “Satiricum” – eine Sammlung von Satirezeichnungen. Heinrich war schon in seinen jungen Jahren ein großer Bücherfreund und seine Sammelleidenschaft von Büchern begann früh und blieb bis ins hohe Alter bestehen. Neben kostbaren und seltenen Bibelausgaben findet man in der Bibliothek vor allem französische Werke aus der Zeit der Aufklärung und sehr viele bekannte Werke europäischer Autoren in mehreren Sprachen.

Das Palais ist ein kleines Schmuckstück, die Innenräume sind schön und filigran ausgestattet, die Bibliothek ist ein Paradies für Buchliebhaber und die Satire-Abteilung hat mich sehr zum Schmunzeln und zum Lachen gebracht. Wunderschön ist auch ein Spaziergang durch den weitläufigen englischen Park. Sehr empfehlen kann ich eine Pause im alten Küchenhaus des Schlosses, denn das Café im Küchenhaus ist sehr nostalgisch und edel mit hervorragender Tee- und Kuchenauswahl.

Sommerpalais im Fürstlich Greizer Park, Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag im Sommer 10.00 – 17.00 Uhr, im Winter 10.00 bis 16.00 Uhr

Burgen und Schlösser im Vogtland, Greiz, die Stadt der drei Schlösser, die Schlösser von Greiz, hier das Sommerpalais von Greiz.

Das Sommerpalais ist ein filigranes Kleinod mit einer wunderbaren Bibliothek.

Schloss Voigtsberg in Oelsnitz

Nur 35 Km von Greiz, doch schon fast an der tschechischen Grenze findet man ein weiteres bedeutendes Schloss der Vögte, das Schloss Voigtsberg. Auch dieses Schloss wurde schon im Mittelalter als wehrhafte Burg erbaut, im Auftrag der Vögte von Straßberg. Erbaut wurde die Burg vermutlich um 1200, erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1249. Aus dem Mittelalter stammen noch die Wehrmauern und der hohe Bergfried, von dem man eine wunderschöne Sicht auf die schöne Umgebung hat. 

Die Schlossgebäude werden heute als Museum, bzw. als mehrere Museen genutzt. Im Hauptgebäude, dem mittelalterlichen Teil des Schlosses, gibt es eine Ausstellung zur Schlossgeschichte. Sehenswert ist vor allem die gotische Burgkapelle, Georgskapelle genannt, mit einigen wertvollen Exponaten. Besonders erwähnenswert ist das Gemälde der Erzherzogin Katharina von Österreich, denn es wurde angeblich von Tizian gemalt.

Im Schloss befindet sich auch eine Ausstellung der Zeichnerin und Buchillustratorin Regine Heinecke. Im Gewölbekeller kann man eine Mineralienausstellung bewundern. Weil Oelsnitz ein Zentrum der Teppichproduktion war, befindet sich in einem Nebengebäude des Schlosses ein großes Teppichmuseum, das nicht nur die Geschichte der Oelsnitzer Teppiche erzählt, sondern die Geschichte um die Teppichherstellung in Europa und der ganzen Welt. Es ist eine sehr interessante Ausstellung, weil man nicht nur etwas über die Herstellung erfährt, sondern auch über religiöse Bedeutung oder Symbolik der Teppiche. 

Schloss Voigtsberg, Schloßstraße 32, 08606 Oelsnitz
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11.00 – 17.00 Uhr

Reußen Royal – Hermine, die Fast-Kaiserin

Hermine Reuß ältere Linie (1887 – 1947) heiratete Kaiser Wilhelm II., allerdings erst nach seiner Abdankung, als Wilhelm nicht mehr Kaiser war. Bis zum Tod Wilhelms lebten beide im Schloss Doorn in den Niederlanden. Hermine Reuß war die Tochter von Heinrich XXII. von Reuß, ältere Linie und Ida von Schaumburg-Lippe vom Schloss Bückeburg, sie stammt aus Greiz. Hermine soll schon in ihren jungen Jahren eine große Verehrerin von Kaiser Wilhelm II. gewesen sein, angeblich hatte sie in ihrem Mädchenzimmer ein Foto und Bücher über den Kaiser. Wilhelm war verheiratet, Hermine ehelichte den schlesischen Prinzen von Schoeneich-Carolath, doch dieser starb jung an Tuberkulose. Dann starb auch die Ex-Kaiserin Auguste Viktoria, woraufhin Hermine einen Beileidsbrief an Wilhelm schrieb. Er lud sie ins Schloss Doorn ein und heiratete sie wenige Monate später. So kann eine Jugendliebe tatsächlich in Erfüllung gehen. Böse Zungen behaupten jedoch, dass sie nur aus Berechnung Wilhelm geheiratet hat, weil sie gehofft hatte, doch noch deutsche Kaiserin zu werden.

Eine Anekdote zum Ende

Alle männlichen Reußen heißen Heinrich. Über Heinrich LXXII. wird behauptet, dass er eine kurze aber leidenschaftliche Affäre mit Lola Montez gehabt haben soll. Lola war auch die Geliebte von König Ludwig I. von Bayern. Tatsache ist, dass Lola Montez Heinrich in seinem Schloss Ebersdorf besucht hat. Über die beiden wird eine amüsante Anekdote erzählt. Heinrich soll Lola zugeflüstert haben: „Lola, Du meine einzige Geliebte.” – Sie soll ihm geantwortet haben: “Heinrich, Du mein 72-ster.” Beim Entdecken der Burgen und Schlösser im Vogtland macht es mir Spaß, auch etwas Gossip zu kennen.

*Werbung: Dieser Beitrag ist im Rahmen einer bezahlten Kooperation entstanden. Herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit und die wunderbare Zeit im Vogtland.

Erstellt am Oktober 14, 2022

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