Was Johann Wolfgang von Goethe für die Deutschen ist, das ist Robert Burns für die Schotten. Burns wird in Schottland vielleicht sogar noch mehr verehrt und gefeiert als Goethe in Deutschland. Er ist der schottische Nationaldichter, aber auch der Dichter der einfachen Leute. Er hat sein recht kurzes Leben weitgehend im Süden Schottlands verbracht und wird dort bis heute verehrt. Es gibt viele Orte, an denen seine Erinnerung hochgehalten wird. Viele davon sind einen Besuch wert, auch wenn man die Werke von Robert Burns nicht kennt. In diesem Artikel nehme ich euch mit auf eine Reise durch Dumfries and Galloway, eine Region im Südwesten Schottlands, die auch Burns County genannt wird.

Meine erste Begegnung mit Robert Burns verdanke ich Haggis. Denn er hat die Ode an Haggis geschrieben, ein Gedicht mit dem Titel „Address to a Haggis”. Ich muss gestehen, dass dies das einzige Werk von Burns ist, das ich kenne. Dafür feiere ich jedes Jahr – zumindest fast jedes Jahr – die Burns Night, denn nicht immer habe ich die Gelegenheit, Haggis zu kaufen. Über die Burns Night werde ich gleich etwas erzählen.
Robert Burns (1759–1796) lebte zur gleichen Zeit wie Goethe. Er wird als der Dichter der einfachen Leute bezeichnet, denn er stammte aus einfachen Verhältnissen, schrieb in schottischer Sprache und seine Protagonisten stammten oft ebenfalls aus einfachen Verhältnissen. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Ballade „Tam O’Shanter“, in der ein Betrunkener nachts Zeuge eines Hexentanzes wird. In einer wilden Verfolgungsjagd kann er sich über eine verwunschene Brücke vor den Hexen retten. Noch bekannter ist die berühmte Ode „Auld Lang Syne”, die in Großbritannien an Silvester gesungen wird. Und natürlich die Ode an den Haggis, durch die ich erst auf Robert Burns aufmerksam geworden bin.


Die Burns Night, die am 25. Januar, dem Geburtstag von Robert Burns, gefeiert wird, ist in ganz Schottland weit verbreitet. Mit Essen, Trinken und Musik wird nicht nur der Dichter, sondern auch das schottische Nationalgericht Haggis gefeiert. An diesem Tag wird Haggis mit „Neeps and Tatties” gegessen: „Neeps” sind Steckrübenpüree und „Tatties” Kartoffelpüree. Doch was ist Haggis? Haggis ist ein mit Herz, Lunge, Leber und Nieren vom Schaf sowie Hafermehl und Zwiebeln gefüllter Schafsmagen. Es schmeckt! Natürlich wird während der Burns Night viel Whisky getrunken und Burns‘ berühmte Ode rezitiert. Hier der Anfang des Gedichts:
Sei gegrüßt deinem ehrlichen, freundlichen Antlitz,
Großer Häuptling der Pudding-Rasse!
Über sie alle nimmst du deinen Platz ein,
Pansen, Kutteln oder Darm:
Wohl bist du eines Segensspruchs würdig,
So lang wie mein Arm.
Die stöhnende Servierplatte füllst du dort,
Deine Hinterbacken wie ein ferner Hügel,
Dein Pflock würde helfen, eine Mühle zu reparieren,
In Zeiten der Not,
Während durch deine Poren die Tauperlen sickern,
Wie Bernsteinkügelchen.
Sieh, wie der rustikale Arbeiter sein Messer wetzt,
Und dich mit geschickter Leichtigkeit aufschneidet,
Deine sprudelnden, hellen Eingeweide freilegt,
Wie jeden Graben; Und dann, oh welch herrlicher Anblick,
Warm-dampfend, reich!
(…)

Nun aber zu den Stationen im kurzen Leben des Robert Burns.
Das Leben von Robert Burns war kurz, aber ereignisreich. Er wuchs in recht armen Verhältnissen auf und musste schon seit früher Kindheit hart arbeiten. Dies hat wohl auch zu seinem frühen Tod beigetragen, ebenso wie die Unterernährung, ein Herzfehler und sein konsequenter Alkoholkonsum. Burns wurde schon recht früh bekannt und verdiente mit seinen Werken gut. Da er aber nicht haushalten konnte, lebte auch seine Familie in Armut. Er hatte immer wieder Geliebte und uneheliche Kinder und trank zu viel Alkohol. Auch wurde er früh Mitglied der Freimaurer, was sein Leben und seine Werke beeinflusste. Seit seiner Kindheit war er kränklich und sein Lebenswandel verbesserte seinen Gesundheitszustand nicht. Robert Burns starb im Alter von nur 37 Jahren.
Robert Burns wurde im kleinen schottischen Dorf Alloway an der Westküste geboren. Sein Geburtshaus kann man dort besuchen. Es wird heute als Museum genutzt und vom National Trust for Scotland verwaltet. In der Nähe des Geburtshauses liegt die Kirchenruine, die Burns in seinen Briefen erwähnt hat und die ihm als Vorlage für die Spukkirche aus der Ballade „Tam o’ Shanter” diente. Auf dem Kirchenfriedhof ist sein Vater bestattet. Trotz ihrer Armut waren seine Eltern gebildet und legten großen Wert auf gute Bildung. Burns verarbeitete seine Erfahrungen mit Armut, Bauern und Arbeitern sowie die schottische Folklore, Sagen und Legenden in seinen Werken.
Robert Burns Birthplace Museum, Murdoch’s Lone Alloway, Ayr KA7 4PQ,
Öffnungszeiten: Museum 10.00–17.00 Uhr; Burns Cottage 11.00–15.30 Uhr
Ellisland, eine Farm war das erste Wohnhaus von Robert Burns und seiner Familie. Er zog mit seiner Ehefrau Jean Armour und seinem ersten Sohn hierher. Doch das Farmhaus war von Anfang an eine unfertige Baustelle. Zwar konnte Burns hier all seine Ideen umsetzen, doch dies ruinierte ihn auch finanziell. Er lebte schon damals sehr unstet, trank und feierte viel und hatte uneheliche Kinder. Nach nur drei Jahren musste er die Farm mit finanziellem Verlust wieder aufgeben. Heute beherbergt die Farm ein kleines Museum und ein Burns-Archiv.
Robert Burns Ellisland Museum & Farm, Holywood Parish Hall Dercongal Road, Dumfries DG20RG Öffnungszeiten: April bis Oktober: Dienstag bis Sonntag 11.00 – 16.00 Uhr, in den Wintermonaten geschlossen
In der Nähe der Farm lebte im Schloss Friars Carse ein guter Freund von Robert Burns: Robert Riddell, der Gutsherr des Friars Carse House. Mit Riddell feierte Burns nicht nur wilde Gelage. Dieser stellte Burns auch ein kleines Sommerhäuschen, eine Einsiedelei inmitten der Wälder, zur Verfügung. Diese kann heute ebenfalls besucht werden, doch darüber habe ich bereits in meinem Artikel über das Friars Carse Country House berichtet.
Hier ist der Link zum Artikel: Auf den Spuren von Robert Burns im Friars Carse House

Burns hat am liebsten in einer einsamen Hütte mitten im Wald geschrieben. Hier hat er aber auch mit seinem Freund wilde Parties gefeiert.
Die Kleinstadt Dumfries liegt im tiefsten Südwesten Schottlands, nah an der englischen Grenze. Eigentlich hätte die Stadt nicht viel zu bieten, wäre sie nicht Robert-Burns-Town. Leider ist Dumfries eine etwas heruntergekommene Stadt, in der die schöne Altstadt von viel Leerstand geprägt ist. Doch auch Dumfries hat einige Highlights zu bieten: ein charmantes Café in einer ehemaligen Kirche oder eine riesige gotische Kirchenruine am Stadtrand zum Beispiel. Und natürlich gibt es in Dumfries viele Stationen, die an Robert Burns erinnern.
Das zweite Wohnhaus von Robert Burns befindet sich direkt in Dumfries und ist das genaue Gegenteil des großzügigen Farmhauses. Nachdem Burns die Ellisland Farm aus Kostengründen aufgeben musste, zog er in ein Mietshaus in Dumfries. In dem kleinen Haus lebte er bis zu seinem Lebensende zusammen mit seiner Ehefrau, zeitweise sechs Kindern und einer Haushälterin – in drei Zimmern. Hier kann man viele Originaldokumente und Einrichtungsgegenstände der Burns-Familie bewundern. Darüber hinaus gibt es viele Gegenstände, die an seine Freimaurer-Zugehörigkeit erinnern.
Robert Burns House, Burns St, Dumfries DG1 2PS
Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 17.00 Uhr, am Sonntag erst ab 14.00 Uhr





Nur wenige Schritte von Robert Burns‘ Haus entfernt befindet sich das Burns Pub, seine Stammkneipe. Wenn das, was ich über ihn gelesen habe, stimmt, dann hat er deutlich mehr Zeit im Pub als zu Hause verbracht. Er hat hier gegessen, getrunken, gefeiert, Vorträge und Lesungen gehalten und manchmal auch übernachtet. Das Pub von damals ist bis heute ein gemütliches, typisch britisches Pub, in dem die Burns-Tradition bis heute hochgehalten wird.
The Globe Inn Dumfries, 56 High St, Dumfries DG1 2JA
Öffnungszeiten: Mittwoch – Samstag 11.00 bis 23.00 Uhr
Tatsächlich gibt es zwei Gräber von Robert Burns in Dumfries. Das eigentliche Grab, in dem er nach seinem Tod am 21. Juli 1796 gemeinsam mit seiner Ehefrau bestattet wurde, ist sehr schlicht. Daneben befindet sich das prunkvolle Mausoleum, in das Burns 1817 umgebettet wurde. Das strahlend weiße Mausoleum steht auf einem alten Friedhof mit vielen verwitterten und zum Teil zerfallenen Gräbern – es hat mir nicht gefallen. Doch schon der Schriftsteller William Wordsworth soll sich 1803 über das unwürdige Grab von Robert Burns beschwert haben. Das Mausoleum finden nun alle Besucher.
Saint Michael’s Cemetery, Dumfries DG1 2LA



Obwohl er nicht alt wurde, wird er wahrscheinlich unsterblich bleiben. Schon zu seinen Lebzeiten war er ein Star und seine Werke waren sehr beliebt. Heute gilt er als der schottische Nationaldichter. Die Schotten sind sehr stolz auf ihren „Rabbie”, wie Robert Burns oft genannt wird. Dementsprechend werden seine Wohnorte mit Stolz erhalten und zeugen von seinem Leben und seinen Werken. Immer wieder begegnen einem dabei die Themen Armut, Volksglaube und Freimaurerei. Auch wenn ich die Werke von Robert Burns kaum kenne, hat es mir viel Spaß gemacht, auf seinen Spuren den Süden Schottlands zu entdecken und diese interessante Persönlichkeit kennenzulernen. Jetzt wird mir die Burns Night besonders viel Spaß machen.
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Haggis, Whisky & Co – Mit Robert Burns durch die Schottische Küche
Auf wildem Pfad durch Fels und Heide – Mit Robert Burns in den schottischen Highlands
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