Schlösser der Weserrenaissance –

Schloss Bückeburg gehört zu den prachtvollsten Häusern der Region. Nicht nur das beeindruckende Schloss, sondern auch die große Parkanlage ist ein Besuchermagnet. Ein Haus mit 250 Zimmern, wo heute noch Hochadel wohnt, dazu die einzige Hofreitschule Deutschlands – das Schloss hat für jeden etwas. Für mich gehört das Schloss zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten im Weserbergland. Wenn Ihr in der Gegend zwischen Hameln und Minden seid, dann lohnt sich ein Abstecher nach Bückeburg. 

Schloss Bückeburg im Weserbergland

Barockteil des Schlosses Bückeburg

Geschichte des Schlosses Bückeburg

Das Schloss befindet sich seit über 700 Jahren im Familienbesitz, zuerst im Besitz der Grafen von Holstein-Schaumburg, die später zu Fürsten zu Schaumburg-Lippe wurden. Erbaut wurde die Anlage als Wasserburg zu Beginn des 14. Jahrhunderts, doch heute ist vom Ursprungsbau nur noch die Bausubstanz erhalten. Ab 1560 wurde die Wasserburg in ein punkvolles Renaissanceschloss umgebaut. Graf Otto IV von Holstein-Schaumburg und sein Sohn Ernst bauten das Gelände im Stil der Weserrenaissance um. Graf Ernst war auch derjenige, dank dem die Familie in den Fürstenstand erhoben wurde – er zahlte ein sehr großzügiges Darlehn dem Kaiser.

Als Weserrenaissance werden die Prachtbauten bezeichnet, die in der Nähe der Weser im Renaissancestil gebaut oder umgebaut wurden. Da die Weser ein bedeutender Handelsweg der damaligen Zeit war, wurde eine Fülle an Schlössern in direkter Erreichbarkeit des Flusses gebaut. Vor dem 30-jährigen Krieg erlebte die Gegend einen Bauboom, alte Burgen und Gutshöfe wurden umgebaut, neue Schlösser wurden gebaut.

Nach einem Teilbrand des Schlosses 1732 wurden zwei Flügel im Barockstil aufgebaut.

Schloss Bückeburg im Weserbergland

Barockes Hauptgebäude mit Renaissanceflügel

Weserrenaissance Schloss Bückeburg, Schloss bei Minden

Renaissanceflügel des Schlosses

 

Innenräume im Schloss Bückeburg

Die Innenräume des Schlosses sehen aus, als ob sie im Barock oder im Rokoko entstanden wären, doch nur ein Teil der Inneneinrichtung stammt aus dieser Zeit. Ein großer Teil der Räumlichkeiten wurde im 19. Jahrhundert umgestaltet und im Stil des Historismus umgebaut. Im 19. Jahrhundert gehörte das Fürstenhaus Schaumburg-Lippe zu den fünf reichsten Fürstenhäusern Europas, daher wurden die Räume entsprechend prunkvoll eingerichtet. Die Fürsten von Schaumburg-Lippe waren, wie viele andere Adelshäuser, begeisterte Kunstsammler, so sind die Räumlichkeiten mit vielen antiken Artefakten ausgestattet, wie z. B. kostbaren Gobelins.

Eine Besonderheit sind die Fürstinnen-Stühle, denn ein Brauch aus der Renaissance wird bei der Familie von Schaumburg-Lippe weiter gepflegt. Während der Verlobungszeit bestickt die Prinzessin ein Stuhl eigenhändig mit ihrem und dem Wappen des zukünftigen Gatten. Dabei habe ich erfahren, dass die 2013 verstorbene Fürstin Eva Benita aus dem Hause von Tiele-Winckler stammt, einem mecklenburgischen und schlesischen Adelsgeschlecht. Ein Schloss der Familie Tiele-Winckler habe ich auf meinem Blog schon vorgestellt, das Schloss Moschen in Schlesien.

Innenräume im Schloss Bückeburg, Heiraten im Schloss Bückeburg

Blick auf den großen Festsaal

Gelber Saal, Heiraten im Schloss Bückeburg

Der Gelbe Saal fungierte als Damensalon

Innenräume des Schlosses Bückeburg, Heiraten im Schloss Bückeburg

Kunstvolle Decke im Goldenen Salon

Bestickte Renaissancestühle, Verlobungsstuhl, Schloss Bückeburg

Bestickte Fürstinnen-Stühle

Kapelle des Schlosses Bückeburg

Die Kapelle ist definitiv einen Besuch wert, denn die Üppigkeit des Barocks wurde hier zur Perfektion geführt. Die Gestaltung der Kapelle gab Graf Ernst von Holstein-Schaumburg in Auftrag. Inspirieren ließ er sich vom italienischen Stil des Manierismus, den er auf zwei Italienreisen kennen gelernt hatte. Holzschnitzer haben 15 Jahre an der Gestaltung der Kapelle gearbeitet. Angeblich wurde der Prunk von Zeitgenossen als übertrieben kritisiert, doch ich glaube, heute sind die meisten Besucher glücklich, dieses pompöse Meisterstück bewundern zu können. Überraschend ist die Gestaltung wirklich. Die Grafschaft Schaumburg war seit der Reformation lutherisch, die Gotteshäuser eher schlicht und schmucklos. Diese Pracht hätte ich in einer katholischen Kirche erwartet. Tatsächlich wurde die ganze Dekoration während der Reformation entfernt, später aber nach und nach wieder angebracht.

Schlosskapelle Schloss Bückeburg, Prachtvolle Kapelle, Heiraten im Schloss Bückeburg

Kapelle des Schlosses

Schlosskapelle Bückeburg, Heiraten im Schloss Bückeburg,

Von Engeln gestützter Abendmahltisch

Einzige Hofreitschule in Deutschland

Die Fürstliche Hofreitschule von Bückeburg gehört zu den 5 Hofreitschulen der Welt und sie ist die einzige Hofreitschule in Deutschland. Nur 35 Jahre nach der Gründung der Wiener Hofreitschule wurde 1610 die Hofreitschule von Bückeburg errichtet. Die meisten bedeutenden Adelshöfe hatten während der Barockzeit eigene Hofreitschulen, doch die Tradition ist heute fast ausgestorben. Umso schöner ist es, dass gerade auf Schloss Bückeburg die Hofreitschule im Jahr 2004 unter der Leitung der Familie Krischke wieder belebt wurde.

Eleganz der Barocken Reitkunst

Die Bückeburger Hofreitschule befindet sich direkt auf dem Schlossgelände. Im historischen Reithaus können die Besucher Vorführungen der Reitkunst bewundern und im Marstall ein Museum der Reitkunst besuchen und die schönen Pferde bewundern. Die Vorstellung hat mir sehr gefallen. Die Eleganz der Pferde und deren Bewegungen bei den Kunststücken sind absolut sehenswert. Ich bin kein großer Pferdefan, doch die Pferde der Hofreitschule sind majestätisch. Es sind alles Pferde barocker Rassen, die speziell für die Reitkunst gezüchtet wurden. Zu den besonderen Pferderassen gehören nicht nur die aus Wien bekannten Lipizzaner, sondern auch spanische Andalusier und portugiesische Lusitaner, dänische Knabstrupper oder ein seltenes Exemplar der Bückeburger Rasse, die früher zu einer der berühmtesten Pferderassen auf den europäischen Fürstenhöfen gehörte.

Nicht umsonst wurde die Reitkunst im Barock mit Poesie und Musik verglichen. Ein barockes Ideal ist die Verständigung zwischen Reiter und Pferd, die ganz ohne Zwang passiert. Die Zufriedenheit der Pferde ist spürbar. Die Hofreitpferde werden 25-30 Jahre alt, während ein Turnierpferd lediglich 7 bis 10 Jahre alt wird. Nach einer Vorstellung lohnt sich ein Besuch im Reistkunst-Museum, denn in der Ausstellung werden viele Stücke aus dem Familienbesitz der Fürsten von Schaumburg-Lippe gezeigt.

Einzige Hofreitschule Deutschlands, Kunstreiten Bückeburg

Reiter auf barocken Pferderassen

Schloss Bückeburg, Hofreitschule, Lipizzaner

Christin Krischke – Direktorin der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg

 

Schloss Bückeburg  und Fürstliche Hofreitschule 

Anschrift:

Schlossplatz 1
31675 Bückeburg

Öffnungszeiten Schloss

April-September 10.00-18.00 Uhr;
Oktober-März 10.00-17.00 Uhr
Führungen regelmäßig und nach Absprache

Im Restaurant „Alte Schlossküche“ kann man hervorragend essen und lokale Produkte ausprobieren oder selbstgebackenen Kuchen genießen. Im Schloss-Laden bekommt man regionale Spezialitäten wie Wild aus den fürstlichen Wäldern, Honig aus Bienenstöcken im Schlosspark oder selbstgemachten Fruchtsecco. Trauungen im Schloss Bückeburg sind möglich, die Räumlichkeiten werden sogar sehr häufig für Trauungen genutzt.

Führungen im Schloss Bückeburg

Eine Besonderheit sind die Erlebnisführungen im Schloss, z. B. eine Führung, die hinter die Kulissen des Schlosses führt und normalerweise unzugängliche Orte zeigt, wie Gewölbe, Geheimgänge oder den mittelalterlichen Turm. Es gibt Nachtführungen mit einem Schlummertrunk am Kamin, geheimnisvolle Führungen im Mausoleum oder fotografische Studienführungen. So kann man die unbekannten Seiten des Schlosses kennen lernen. Filmaufnahmen werden am häufigsten in den unzugänglichen Rääumen gemacht, denn das Schloss Bückeburg verwandelt sich häufig in einen Drehort. „Mata Hari und Mademoiselle Docteur“, „Der gute Göring“, „Bach in Brazil“, „Die drei Musketiere“ oder „Händel“ – in allen diesen Filmen oder Serien ist auch das Schloss Bückeburg zu sehen.

In der Hofreitschule finden die Vorführungen regelmäßig an Samstagen und Sonntagen um 15 Uhr oder nach Absprachen statt. In den Ferienzeiten gibt es Sondervorführungen. Zu besonderen Anlässen, z. B. in der Weihnachtszeit werden besonders prachtvolle Galavorstellungen gezeigt. Genaue Daten könnt Ihr von der Webseite der Hofreitschule entnehmen.

Mein Fazit

Das Schloss Bückeburg gehört für mich zu den schönsten und sehenswertesten Schlössern der Region. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Besonders beliebt ist das Schloss vermutlich zu den besonderen Veranstaltungen wie Landpartie oder Weihnachtszauber. Auch das Mausoleum der Fürstenfamilie, welches sich im Schlosspark befindet, ist absolut sehenswert. Ich habe mir vorgenommen, demnächst eine der besonderen Führungen mitzumachen, also könnt Ihr davon ausgehen, dass Ihr nicht zum letzten Mal etwas über das Schloss hier gelesen habt.

 

Mehr Reiseempfehlungen aus dem Weserbergland:

Burgruine Polle
Hämelschenburg

 

Das Schloss Bückeburg habe ich im Rahmen der Pressereise „Schlösser und Herrenhäuser der Weserrenaissance“ in Zusammenarbeit mit TourismusMarketing Niedersachsen GmbH besucht. Vielen Dank für die wunderschöne Reise! 

 

 

Erstellt am Dezember 16, 2017


4 Antworten zu “Schlösser im Weserbergland – Schloss Bückeburg mit Hofreitschule”

  1. Die Bückeburg finde ich auch super schön.
    Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent!

  2. Hallo Burgdame,

    Schloss Bückeburg ist das Stammhaus des Fürstenhauses zu Schaumburg-Lippe im Schaumburger Land.

    Liebe Grüße

    Olaf Boegner
    Schaumburger Land Tourismusmarketing e.V.

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