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Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit den meisten UNESCO-Welterben in Deutschland. Wusstet Ihr das? Dass es in Sachsen-Anhalt mehrere UNESCO-Welterbestätten gibt, war mir bewusst, dennoch war ich überrascht, dass sich die größte Anzahl an Welterben in Sachsen-Anhalt befindet. Das ist der Stand vom November 2020, vielleicht kommen in den nächsten Jahren noch einige Welterbeststätten dazu. Doch wie kommt es, dass ein so kleines und wenig besiedeltes Bundesland so viel UNESCO-Welterbe bündelt? Sachsen-Anhalt war im Mittelalter und der Renaissance eins der kulturellen Zentren Europas, das merkt man bis heute, wenn man das Bundesland bereist. Es gibt sehr viele alte und einst sehr wohlhabende Städte, viele Klöster und alte Kirchen, aber auch eine unglaubliche Dichte an Schlössern. Die UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt erzählen Geschichte aus mehreren Jahrtausenden. Die Himmelsscheibe von Nebra ist etwas 6000-7000 Jahre alt, der Naumburger Dom und die Stadt Quedlinburg sind an die 1000 Jahre alt. Die Gedenkorte der Reformation Wittenberg und Eisleben und der Schlosspark von Wörlitz ist schon deutlich jünger. Bauhaus Dessau dagegen ist keine 100 Jahre alt, dennoch nicht weniger bedeutend. Eine Reise zu den UNESCO-Welterbe-Orten in Sachsen-Anhalt ist wie eine Zeitreise durch die Geschichte der Menschheit. Ich zeige Euch heute vier der UNESCO-Welterben in Sachsen-Anhalt.

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Die Altstadt von Wittenberg wäre auch ohne Luther ein Schmuckstück.

Die Himmelsscheibe von Nebra im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle

Die legendäre und geheimnisvolle Himmelsscheibe von Nebra ist keine UNESCO-Welterbestätte, genau genommen ist es UNESCO-Weltdokumentenerbe. Die Himmelsscheibe ist ein Dokument, welches über das Wissens, die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen erzählt, aber auch ein Dokument der Globalisierung vor Tausenden von Jahren. Die Himmelsscheibe ist einmalig, es gibt kein vergleichbares Objekt weltweit.

Heute ist es bekannt, dass die Himmelsscheibe in verschiedenen Epochen entstand und auch im Laufe der Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte verändert wurde. Wie alt genau die Himmelsscheibe von Nebra ist, kann man heute immer noch nicht sagen, die Wissenschaftler vermuten jedoch, dass sie etwa 6000 oder sogar 7000 Jahre alt ist.

Sehr interessant ist die Herkunft der Materialien, aus denen die Himmelsscheibe hergestellt wurde. Sie kommen aus ganz Europa, aber nicht aus der Umgebung von Sachsen Anhalt. Hergestellt ist die Himmelsscheibe aus Bronze, hat aber Auflagen aus Gold. Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn. Das Kupfer stammt aus dem Alpenraum, eventuell aus dem Salzburger Land. Das Zinn und Gold stammen aus England, vermutlich aus Wales. Es hat mich sehr beeindruckt, dass schon vor Tausenden von Jahren die Menschen aus ganz Europa Handelsbeziehungen pflegten. Globalisierung ist somit nichts Neues.

Neu war mir, dass die Himmelsscheibe von Nebra in verschiedenen Perioden erschaffen wurde, die ursprüngliche Scheibe wurde mehrfach ergänzt und verändert. Zunächst war die Scheibe dunkel, nicht grün, die grüne Farbe ist nur ein Produkt der Korrosion. Auch wurde zuerst nur der Vollmond, der Sichelmond und 32 Sterne dargestellt. Vermutlich sollte das eine bestimmte Konstellation des vier Tage alten Mondes und der Plejaden (einer Sternansammlung) darstellen. Es gibt babylonische Texte über diese Sternkonstellation, sie zeigt, wann man ein Schaljahr einlegen muss. Zum späteren Zeitpunkt wurden einige Sterne abgenommen und zwei Goldbögen wurden hinzugefügt. Diese Abbildung sollte den Lauf der Sonne bei der Sonnenwende darstellen. In der letzten Periode wurde einer der Goldbögen entfernt und ein neuer Bogen mit Streifen hinzugefügt. Hier wird vermutet, dass der Bogen ein mythologisches Himmelsschiff darstellen soll. Die Himmelsscheibe von Nebra wird umso interessanter, je mehr man über sie weiß.

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Eins der geheimnisvollsten und faszinierendsten Artefakte der Menschheit ist die Himmelsscheibe von Nebra. Keine Sorge, ich halte nur eine Kopie in der Hand.

Naumburger Dom

Der Naumburger Dom entstand in der Übergangszeit von der Spätromanik zur Frühgotik, beide Epochen kann man noch erkennen. Schon bevor der Dom zum UNESCO-Weltkulturerbe gewählt wurde, war er ein weltweit berühmter Besuchermagnet. Die Kirche ist besonders, sie hat vier Türme, zwei Chöre und zwei Altäre. Zum Kulturerbe wurde der Dom als „Meisterwerk menschlicher Schöpfungskraft“ aufgenommen. Tatsächlich findet man im Dom faszinierende Werke, die unglaublich realitätsnah sind, obwohl sie vor 800 Jahren geschaffen wurden. Die berühmteste Frau des Naumburger Doms ist Uta von Naumburg, sie gehört zum Ensemble der Stifterfiguren und steht stolz mit erhobenem Haupt neben ihrem Ehemann Ekkehardt II. von Meißen. Uta ist vermutlich so berühmt geworden, weil sie so beispiellos anmutig und elegant ist, sie soll als die schönste Frau des Mittelalters gelten. Angeblich war sie auch das Vorbild für die böse Königin in Disneys „Schneewittchen“. Deutlich faszinierender fand ich jedoch das Paar gegenüber von Uta und Ekkehardt. Die Skulpturen zeigen Reglindis und Hermann von Meißen. Hermann von Meißen war der Bruder von Ekkehard II., verheiratet war er mit Reglindis, der Tochter des ersten polnischen Königs Boleslaw I. Chrobry. Reglindis ist das Gegenteil der ernsten und stolzen Uta, sie lächelt verschmitzt, ihre Augen scheinen zu leuchten. Das Lächeln wirkt unglaublich echt, ich hatte das Bedürfnis, zurückzulächeln. Die lebensnahen Abbildungen der verschiedenen Figuren sind bestimmt nicht unerheblich für die Wahl zum UNESCO-Welterbe.

Die Meisterwerke wurden vom „Naumburger Meister“ erschaffen, dabei handelt es sich aber nicht um einen Künstler oder eher Kunsthandwerker, sondern um eine ganze Bauhütte. Die Mitglieder der Bauhütte kamen vermutlich ursprünglich aus Frankreich und brachten die Baukunst der Gotik nach Deutschland. Ihre Route führte aus Frankreich über Mainz, Bamberg nach Naumburg und weiter nach Meißen. Überall haben die Naumburger Meister wunderbare Kunstwerke hinterlassen, dadurch kann man ihren Weg gen Osten verfolgen.

Ein besonderer Schatz des Naumburger Doms ist zeitgenössisch, es sind die Glasfenster des Leipziger Künstlers Neo Rauch. Es gibt eine Vielzahl bedeutender Künstler, die Glasfenster für Kirchen gestalten, z. B. Marc Chagall in Metz und Mainz oder Gerhard Richter in Köln. Neo Rauch wählte die Elisabethkapelle für seine Werke, die Fenster zeigen Szenen aus dem Leben der wohltätigen Elisabeth.

Lutherstadt Wittenberg

Man muss sich nicht für das Thema Religion interessieren, um von der Lutherstadt Wittenberg begeistert zu sein. In Wittenberg entstanden Ideen, die später die ganze Welt veränderten, das macht die Stadt so einzigartig. Der Reformator Martin Luther ist der berühmteste Bewohner von Wittenberg, aber hier lebten und lehrten auch fast alle anderen wichtigen Reformatoren, wie Philipp Melanchthon, Thomas Müntzer, Johannes Bugenhagen und Lucas Cranach. Wittenberg hat unglaublich viele Stationen, die von der Reformation erzählen, die Stadt ist fast ein Reformations-Freilichtmuseum. Wittenberg wurde aber auch wegen der zahlreichen Dokumente zum Welterbe erklärt, denn im Archiv befinden sich die wichtigsten Dokumente aus der Zeit der Reformation.

Einen Stadtspaziergang auf den Spuren der Reformatoren solle der Besucher auf dem Gelände der Universität beginnen, denn hier haben die Reformideen ihren Ursprung. Nicht nur Martin Luther, auch Philipp Melanchthon waren Professoren an dieser Uni. Die Universität Wittenberg war damals die internationalste Uni von ganz Europa, daher war es leicht, die Ideen der Reformation in die Welt hinaus zu tragen. Das Haus von Martin Luther ist natürlich ein Muss bei einem Besuch von Wittenberg. Hier kann man noch einige Originalgegenstände von Luther bewundern. Das Haus war schon Anfang des 17. Jahrhunderts eine Pilgerstätte für die Anhänger der Reformation, es ist eins der ältesten Museen in Deutschland. Nur wenige Häuser weiter befindet sich das Haus von Philipp Melanchthon, dessen Rolle nicht weniger bedeutend war. Bevor man zur imposanten Lutherkirche geht, sollte man einen Blick auf die Stadtkirche werfen, denn hier hat Luther am meisten gepredigt. Die Kirchentür, wo Martin Luther seine 95 Thesen anschlug, ist die Schlosskirche am Ende der Altstadt. Hier befinden sich heute auch die Gräber von Martin Luther und von Philipp Melanchthon. Wenn man Wittenberg auf den Spuren der Reformation erkunden möchte, gibt es sehr viel zu entdecken.

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Egal ob die Lutherkirche oder das Lutherhaus, in Wittenberg begegnet man der Reformation überall.

Gartenreich Wörlitz

Das Gartenreich in Dessau-Wörlitz ist ein Ensemble eines unglaublich progressiven und gebildeten, aber auch etwas verrückten Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817). Fürst Leopold war der erste, der die Ideen der Aufklärung nach Preußen brachte und in den Bau seiner Schlösser und Gärten integrierte. Im Alter von 23 Jahren bereiste der Fürst England, er war der erste, der die britische Lebenskultur nach Preußen brachte. Er ließ den ersten englischen Landschaftspark des Kontinents erbauen. Alle anderen europäischen Fürsten bauten noch im Stil des Rokoko. Etwas später reiste Fürst Leopold nach Italien und lernte dort den Klassizismus und die Rückbesinnung auf die Antike kennen. Nach der Rückkehr baute er das erste klassizistische Schloss in Europa, das Schloss Wörlitz. Der Golf von Neapel soll dem Fürsten besonders gut gefallen haben, daher baute er sich eine Insel, die eine Nachbildung des Golfs von Neapel ist, samt dem Vesuv, einem künstlichen feuerspeienden Vulkan.

Zum Wörlitzer Gartenreich gehört aber nicht nur das Schloss Wörlitz mit dem Wörlitzer Schlosspark. Das Gartenreich erstreckt sich über etwa 142 km². Auch das Schloss Oranienbaum, Schloss Mosigkau, das Schloss Luisium, das Schloss Georgium und die Parkanlagen, die die Schlösser umgeben, gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe Gartenreich Wörlitz. Wenn man die Straße zwischen Coswig und Oranienbaum entlang fährt, kann man sich nicht satt sehen, denn das ganze Gelände ist ein großer Schlosspark. Die Sichtachsen ermöglichen Blicke auf Schlösser, Gartenlauben, Teehäuser, Seen und Skulpturen.

Historische Orte in Sachsen-Anhalt

Die hier gezeigten UNESCO-Welterben sind nicht vollständig, denn auch die Altstadt von Quedlinburg und das Bauhaus in Dessau gehören zu den UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt. Das Bundesland ist sehr reich an historischen Orten. Die hier gezeigten Orte und Gegenstände sind natürlich absolute Highlights, aber in dem kleinen Bundesland gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Der Naumburger Dom hat zwar den UNESCO-Welterbetitel bekommen, doch der Merseburger Dom ist auch so alt und so unglaublich sehenswert. In Sachsen-Anhalt ist nicht nur das Wörlitzer Schloss und der Schlosspark sehenswert, im Burgenlandkreis gibt es eine überraschende Dichte sehenswerter Schlösser. Wenn man in Quedlinburg ist, sollte man auf jeden Fall auch Wernigerode besuchen, denn die Stadt ist genau so schön. Die Straße der Romanik führt durch Sachsen-Anhalt, daher gibt es hier viele bedeutende romanische Kirchen und Klöster zu entdecken. Um den Titel des UNESCO-Welterbes bewarb sich auch schon das Kloster Jerichow. Wer Ruinenromantik sucht, sollte unbedingt das Kloster Arendsee besuchen. Nicht nur der Naumburger Dom ist sehenswert, auch der Dom von Merseburg, der Dom von Magdeburg oder auch der Dom von Havelberg sind absolute Highlights. Die UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt sind herausragend und unbedingt eine Reise wert, doch auf dem Weg gibt es noch eine Vielzahl weiterer interessanter Sehenswürdigkeiten und schmuckvoller Altstädte.

Mehr über die UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt könnt Ihr bei Sandra von Trip-Tipp und bei Beate von Reiselust-Mag nachlesen, beide waren mit mir gemeinsam unterwegs.

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Die Reise war eine Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt, der Investitions- und Marketing-Gesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) sowie der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt statt. Vielen Dank für wunderbare Reise.

Erstellt am Mai 16, 2021

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