Wie kommt es, dass drei kleine Städte in der Region Saale Unstrut, die quasi nebeneinander liegen, drei prachtvolle und absolut imposante Residenzschlösser haben? Eine so große Schlossdichte ist ungewöhnlich. Das es so viele Schlösser in Saale Unstrut gibt, liegt daran, dass Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen seine Güter nicht nur dem ältesten Sohn vererbt hat, wie damals üblich, sondern er teilte sein Erbe unter seinen vier Söhnen auf. Die Schlösser in Saale Unstrut sind die Folge der Sekundogenitur, einer Erbteilung, bei der alle Erben deutlich mehr Besitz erhalten, als die gewöhnliche Abfindung.

Der zweitgeborene Sohn, Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels bekam die Gegend um Weißenfels und baute das Schloss Neu-Augustusburg. Der drittgeborene, Christian I. von Sachsen-Merseburg erbte Merseburg und übernahm die Verwaltung des Hochstifts Merseburg. Der jüngste Sohn, Moritz übernahm die Regierung über das Herzogtum Sachsen-Zeitz und baute das Schloss Moritzburg. So entstanden die Herzogtümer Sachsen-Merseburg, Sachsen-Weißenfels und Sachsen-Zeitz. Der erstgeborene Sohn, Johann Georg II. von Sachsen war nicht glücklich über die Entscheidung seines Vaters. Das Verhältnis der Herzogtümer zu Kursachsen war seit dem gestört. 

Die Schlösser in Saale-Unstrut haben noch eine weitere Gemeinsamkeit. Sowohl im Merseburger Dom, als auch in der St. Trinitatiskirche in Neu-Augustusburg und im Dom St. Peter und Paul in Zeitz findet man Krypten mit einmalig prachtvoller Ausstattung. Die Prunksärge aus der Barockzeit sind selten und sehenswert. Die jeweiligen Herzöge und deren Familien haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Schloss und Dom Merseburg

Das Schloss Merseburg und der Dom bilden ein Ensemble, müssen daher zusammen betrachtet werden. Der Dom ist ein über 1000 Jahre altes Highlight, doch auch das Schloss mit dem angrenzenden Garten sind sehr sehenswert.

Bevor ich zur Geschichte des Schlosses übergehe, noch eine Info für alle Cineasten. Das Schloss und der Dom Merseburg dienten als Kulisse für den Film “Monuments Men” mit George Clooney, Bill Murrey und Cate Blanchet. Die Szenen, als die Monuments Men die Michelangelo-Statue in der Liebfrauenkirche in Brügge fanden, wurden gar nicht in Brügge gedreht, sondern in Merseburg.

Geschichte des Schlosses

Das Schloss befindet sich auf dem Gelände einer ottonischen Kaiser- und Königspfalz, die vor dem dem Bau des Domes erbaut wurde. Von der Pfalz ist heute nichts übrig, von den glorreichen ottonischen Zeiten zeugt nur der Dom. Das Renaissance-Schloss wurde im Auftrag des Bischofs Thilo von Trotha (der Thilo aus der Rabenlegende) in den Jahren 1470-1500 erbaut. Der Dom wurde damals als ein Flügel des Schlosses eingebunden.  

Als Christian I. Herzog von Sachsen-Merseburg wurde, begann er mit dem Umbau des Renaissance-Schlosses. Das Schloss wurde dem Barockgeschmack seiner Zeit angepasst und erweitert und der Schlossgarten wurde angelegt.

Das heutige Schloss Merseburg

Heute kann man im Schloss das Kulturhistorische Museum bewundern, die Geschichte von Merseburg wird hier anhand alter und wertvoller Exponate erzählt. Eine Besonderheit, die es nur sehr selten zu sehen gibt, sind die Totenbilder des Herzogs Christian I. von Sachsen-Merseburg und seiner Familie. Die Totenbilder sind Erinnerungen an die Verstorbenen. Die großen Gemälde wurden von den Familien aufbewahrt, die kleinen wurden an Verwandte/Bekannte verschickt, um sie über den Tod der jeweiligen Person zu informieren. Sie wurden wie die heutigen Traueranzeigen wurden genutzt.

Dom zu Merseburg

Der Dom von Merseburg war mein Highlight, ich fand den Dom so unglaublich interessant. Schon seit ich Rebecca Gablés Otto-Sage gelesen habe, interessiert mich die Geschichte von Otto dem Großen. Merseburg ist dabei eine ganz wichtige Station, denn das Bistum Merseburg wurde von Otto gegründet. Der romanische Dom ist alt und prachtvoll ausgestattet. Geweiht wurde der Dom 18. Mai 1015, somit ist er inzwischen 1003 Jahre alt.

Sehr fasziniert haben mich die Merseburger Zaubersprüche. Vertont hat diese vermutlich inzwischen jede Mittelalter-Band, nun weiß ich aber auch, woher sie stammen. Die Merseburger Zaubersprüche sind zwei im 9. Jahrhundert aufgeschriebene althochdeutsche Zaubersprüche, ein Lösezauber und ein Heilungszauber. Die Sprüche stammen aus dem 6. oder 7. Jahrhundert und nehmen Bezug auf Personen der germanischen Mythologie. Die Zaubersprüche befinden sich in einem Sakramentar, einer christlichen Gebetssammlung. Nicht nur der Fund der so alter Zaubersprüche ist eine Seltenheit. Dass sie sich in einem Gebetbuch befanden, ist einmalig. Das beweist, dass der alte und neue Glaube für die Menschen im Frühmittelalter nebeneinander existiert haben. 

Eine weitere Sehenswürdigkeit im Dom von Merseburg ist eine Orgel des berühmten Orgelbauers Friedrich Lagegast (1818-1905). Mit 5700 Orgelpfeifen ist es eine der größten Orgeln von Ladegast.

Die schon oben erwähnte romanische Krypta gehört zu dem ältesten Teils des Doms. In der Krypta befindet sich die Grablege der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Die prachtvollen Zinnsärge, die sowohl das Leben feiern, aber auch an den Tod erinnern, erinnern mich an die Krypta der Habsburger in Wien.

Derzeit, noch bis zum 04. November 2018 kann man im Dom die Sonderausstellung “Thietmars Welt – Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte” sehen. Der Bischof Thietmar von Merseburg (976-1018) war einer der bedeutendsten Chronisten des Mittelalters, seine Chronik ist heute die wichtigste und umfassendste Quelle über das Leben der Ottonen. Von Thietmar wissen wir heute, wie sich die Christianisierung in den Gebieten der Slawen, Dänen, in Polen, Böhmen und Ungarn entwickelte.

Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels

Ein Schloss wie Neu-Augustusburg habe ich noch nie gesehen, denn das Schloss ist zur Hälfte renoviert und zur Hälfte eine Baustelle, schon seit einigen Jahren. Besuchen kann man daher nur einen kleinen Teil des Schlosses.

Geschichte des Schlosses Neu-Augustusburg

Das Schloss in Weißenfels wurde später als das Schloss Merseburg erbaut, zwischen 1660 und 1694 im Stil des Frühbarock. Erbaut wurde es vom Herzog von Sachsen-Weißenfels und blieb bis 1746 die Residenz der Familie. Die 5. Generation des Hauses Sachsen-Weißenfels starb kinderlos, danach fiel der Besitz wieder an Sachsen. Das Weißenfelser Schloss gehörte zu den Kulturhochburgen seiner Zeit, denn wichtige Persönlichkeiten wie Bach, Händel, Telemann oder die “Neuberin” waren hier zu Gast. Bach trug den Titel “Weißenfelser Hofkapellmeister” komponierte auf Neu-Augustusburg die Toccata in F-Dur.

Heutige Nutzung von Neu-Augustusburg

Auch das Schloss in Weißenfels wird heute als Museum genutzt. Ein Teil der Räume zeigt eine Ausstellung über das Herzogtum Sachsen-Weißenfels und die Stadt Weißenfels. Außerdem befindet sich hier ein Schuhmuseum, wo man nicht nur historische Schuhe bewundern kann, sondern auch Schuhe berühmter Personen oder sehr internationale Schuhtrends, die zum Teil sehr außergewöhnlich sind.

Schlosskirche St. Trinitatis

Der prachtvollste Teil des heute zugänglichen Schlossteils ist die Schlosskirche. Die Stuckarbeiten sind so filigran und schön. Absolut sehenswert ist auch die Gruft der Herzöge zu Sachsen-Weißenfels, 38 Prunksärge kann man dort bewundern, 28 aus Zinn und 10 aus Holz. Die Krypta ist nur selten geöffnet, die Öffnungszeiten kann man von der Webseite des Schlosses entnehmen.

Schloss Moritzburg und der Dom St. Peter und Paul in Zeitz

Dort wo früher eine Bischofsburg stand, errichtete der jüngste Bruder, Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz das imposante Schloss Moritzburg. Moritzburg ist heute vielleicht das imposanteste der drei Schlösser in Saale Unstrut, doch bewohnt wurde es nur sehr kurz. 

Geschichte des Schlosses Moritzburg

Erbaut wurde das frühbaraocke Schloss fast zeitgleich mit Schloss Neu-Augustusburg, 1657-1678. Bewohnt wurde das Schloss lediglich 50 Jahre, zuerst durch Herzog Moritz und seine Ehefrau Maria Amalia und später von seinem Sohn Moritz Wilhelm. Leider verstarb Moritz Wilhelm  früh und kinderlos und das Herzogtum viel wieder an Dresden zurück.

Nach dem Aussterben der Fürstenfamilie wurde das Schloss 100 Jahre als Gefängnis genutzt, danach war es eine Besserungsanstalt. Damals hatte Zeitz den Beinamen Huren-Zeitz, da viele Prostituierte sich hier bessern sollten. Der Schlossgeist heißt übrigens Moritz, er wohnt im Turm.

Moritzburg heute

Im Schloss kann man heute eine Ausstellung über die Zeit und das Leben der sächsischen Herzöge in der Barockzeit sehen. Außerdem befindet sich dort eine große Sammlung historischer Möbel, von der Renaissance bis zur Biedermeierzeit. Wie in Merseburg, kann man auch hier eine Sammlung von Totenbildern bewundern. Früher waren Totenbilder üblich, heute werden sie nur noch sehr selten gezeigt, denn wir scheuen heut das Thema Tod. 

Eine weitere Besonderheit des Schlosses ist das Kinderwagenmuseum, mit einer Ausstellung über die Geschichte und Entwicklung von Kinderwagen, denn aus Zeitz kommt die Firma ZEKIWA, früher einer der größten Kinderwagenhersteller Europas. Unbedingt sehenswert ist auch der Schlosspark, denn die Anlage der früheren Landesgartenschau ist unglaublich vielseitig.

Dom St. Peter und Paul

Der Dom von Zeitz liegt direkt auf dem Schlossgelände, ist jedoch deutlich älter als das Schloss. Erbaut im Stil der Romanik, als im Mittelalter Zeitz ein Bistum war. Im 14. Jahrhundert wurde die romanische Kirche in Stil der Gotik umgebaut. Als Herzog Moritz sein Schloss baute, machte er den Dom zu seiner Schlosskirche und gestaltete das Innere im Barockstil.

Fazit

Auf einer Strecke von 45 Km findet man drei prachtvolle und imposante Schlösser in Saale Unstrut, das ist ungewöhnlich. Die Geschichte, der wir heute die Residenzen verdanken, ist spannend und würde bestimmt eine intrigenreiche Familiensaga zeigen. Es freut mich, dass alle Schlösser heute für Besucher geöffnet sind und wir etwas über die glanzvollen Zeit erfahren können. Jedes der Schlösser hat eigene Charme, jedes ist einen Besuch wert. Moritzburg ist vielleicht das repräsentativste der drei Schlösser. Architektonisch am interessantesten ist dagegen Merseburg, denn der Stilmix, der durch An- und Umbau entstand, sieht ein wenig verspielt aus. Einmalig ist Neu-Augustusburg, denn ein Schloss, welches zur Hälfte renoviert ist und zur Hälfte quasi ein Lost Place – ich glaube, das gibt es nirgendwo. Dennoch hoffe ich, dass das Schloss bald vollständig saniert wird und man vielleicht auch den zweiten Flügel besuchen kann. Sehenswert und abwechslungsreich sind alle der drei Schlösser in Saale Unstrut. 

 

Mehr über die Region Saale Unstrut:

Schloss Burgwerben – ein Dorf renoviert ein Schloss

 

 

Die Schlösser in Saale Unstrut habe ich im Rahmen einer Recherchereise durch die Region Saale-Unstrut besucht, die Reise wurde gesponsert. 

 

 

Erstellt am August 26, 2018


6 Antworten zu “Schlösser in Saale Unstrut – Schloss Moritzburg, Schloss Merseburg und Schloss Neu-Augustusburg”

  1. Karl sagt:

    Einen wunderschönen Guten Tag, liebe “Burgdame” Eva,

    recht herzlichen Dank für Deinen mal wieder gelungenen Reise- und Kunstgeschichtebeitrag !
    Freue mich jedes Mal auf einen neuen Beitrag von Dir !
    Mit lieben Grüßen aus Colonia
    Karl-H.Theißen

    PS. Solltest Du mal über einen “reisehistorischen” Beitrag über Köln nachdenken, so kann ich Dir -als altem Kölner- sicher ein paar Tips geben….

    • Burgdame sagt:

      Vielen Dank!!! So nette Worte freuen mich immer wieder. Ich werde bestimmt wieder nach Köln kommen und auch über Köln berichten. Hab Köln früher oft besucht, als ich in der Nähe gewohnt hab… damals hatte ich aber noch keinen Blog, daher taucht die Stadt so selten hier auf.

  2. Karl sagt:

    Ein kleiner Nachtrag…..

    Habe ich jetzt etwas überlesen, oder warum finden die ausgezeichneten Rieslingweine des Gebiets Saale-Unstrut
    keinerlei Erwähnung? Diese Weine sind doch quasi inoffizielles Kulturerbe dieser Landschaft….
    Karl

    • Burgdame sagt:

      Weil es in dem Beitrag um Schlösser geht und nicht um Wein, darum taucht der (wirklich ausgezeichnete) Wein hier nicht auf. Aber ich schreibe schon an einem weiteren Artikel über Saale Unstrut, dort wird auch der Wein gewürdigt.
      🙂

  3. Hey, ja die Ecken haben einfach super schöne Burgen und Schlösser.
    Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche!

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