Kamakura wird oft als die schönste historische Stadt Japans bezeichnet. Das kann ich nicht überprüfen, doch während meiner Reise war Kamakura tatsächlich eine der schönsten Städte, weshalb ich sie im heutigen Artikel genauer beschreiben möchte. In Kamakura gibt es sehr viele alte und bedeutende Tempel sowie eine charmante Altstadt mit vielen kleinen, interessanten Geschäften und Gaststätten. Die Stadt liegt direkt am Meer und ist von zauberhafter, bergiger Landschaft umgeben. Nicht ohne Grund war Kamakura im Mittelalter so bedeutend: Umringt von drei Bergen und dem Meer war die Stadt quasi uneinnehmbar. Kamakura ist so schön, dass sich ein Besuch absolut lohnt. Von Tokio aus erreicht man Kamakura mit der Bahn in knapp einer Stunde. Wenn Ihr einen Tagesausflug ab Tokio plant, solltet Ihr Kamakura unbedingt in Betracht ziehen.

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Die Tempel prägen das Bild von Kamakura und sind alle einzigartig. In Kamakura kann man eine riesige Ansammlung von Jizo-Statuen sehen. Das sind japanische Schutzpatrone für früh verstorbene Kinder – jedes Kind hat seinen eigenen Schutzpatron.

Kurze Geschichte von Kamakura – der historischen Stadt am Meer

Kamakura ist eine sehr alte Stadt, deren Geschichte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht. Während der mit dem europäischen Mittelalter vergleichbaren Heian-Periode war Kamakura eine wichtige Provinzhauptstadt an der Ostküste Japans. Große Bedeutung erlangte die Stadt im 12. Jahrhundert, als sie zum politischen und kulturellen Mittelpunkt Japans wurde, denn in Kamakura wurde das Shogunat gegründet. Daher wird die Kamakura-Periode (1185–1333) auch als die Ära der Krieger bezeichnet.

Seit dieser Zeit lag die Herrschaft über Japan nicht mehr beim Kaiser, sondern beim Shogun. Nicht der Adel, sondern die Krieger, die Samurai, hatten die Macht und besetzten die wichtigsten Ämter. Der Kaiser existierte zwar noch, hatte aber nur noch eine repräsentative Rolle. In dieser Epoche entwickelten sich neue buddhistische Strömungen und Kamakura wurde zum buddhistischen Zentrum. Bis heute können die uralten Tempel und Schreine aus dieser Zeit besucht werden. Man muss nicht weit reisen, um alte japanische Städte zu besuchen, denn Kamakura ist in nur einer Stunde von Tokio erreichbar.

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Kamakura ist nicht nur eine historisch bedeutendes Zentrum, sondern auch ein Surfer-Hotspot.

Tempel Great Kannon Kamakura Hasedera

Der Hase-Kannon-Tempel soll der älteste Tempel in Kamakura, der alten japanischen Kaiserstadt, sein. Er wurde im Jahr 736 in der Nara-Periode erbaut. Im 13. Jahrhundert wurde er an vierter Stelle in den Kanon der heiligsten Stätten in Ostjapan aufgenommen. Seit über 800 Jahren ist der Hasedera-Tempel eine der bedeutendsten Pilgerstätten für die Bodhisattva-Verehrung in Japan.

Das Tempelareal ist riesig. Neben der großen Kannon-do-Halle gibt es mehrere kleine Tempel und Schreine. Außerdem gibt es ein Tempelmuseum und Tempelhöhlen. Besonders beeindruckend ist die über neun Meter hohe Skulptur des buddhistischen Gottes Kannon Bosatsu. Sie zählt zu den höchsten Holzstatuen in Japan. Legenden zufolge wurde sie aus dem Holz eines heiligen indischen Kampferbaumes geschnitzt. Es gibt noch viele weitere bedeutende Götterstatuen. Erwähnen möchte ich nur noch eine davon: die Statue der Gottheit Daikoku. Der Gott des Erfolgs und des Wohlstands soll die älteste und wertvollste Holzskulptur Japans sein. Sie wird von zahlreichen Pilgern aufgesucht.

Kyozo – das Sutra-Archiv

Am faszinierendsten war für mich der „Bibliotheksschrein”. Er enthält ein riesiges, drehbares Bücherregal mit Schriften. Darin werden die wichtigsten buddhistischen Schriften, die sogenannten Sutren, aufbewahrt. Es heißt, dass man dasselbe Wissen erlangt, als wenn man alle Schriften lesen würde, wenn man sich in der Halle aufhält, während sich das Regal dreht. Faszinierend, oder? An einigen religiösen Tagen wird Pilgern und Besuchern erlaubt, den Schrein zu drehen. Weil er aber sehr schwer ist, schaffen das angeblich nur wenige.

Benten-Hutsu-Höhle

Auf dem Tempelgelände gibt es weitläufige, in Felsen gehauene unterirdische Gänge, die eine Art unterirdischen Tempel bilden. Dieser ist der Göttin Benzaiten gewidmet. In den Gängen befinden sich zahlreiche kleine Nischen mit Skulpturen und Reliefs der Göttin Benzaiten, die auch Benten genannt wird. Sie ist eine der Glücksgötter Japans und die einzige weibliche Glücksgöttin, weshalb sie besonders verehrt wird. Gleichzeitig ist sie die Göttin der Musik, der Beredsamkeit und der Weisheit. Sie soll einst einen kinderfressenden Drachen gezähmt haben, indem sie dessen Ehefrau wurde. Da sie aber sehr eifersüchtig gewesen sein soll, sollten Paare die Benten geweihte Tempel und Schreine nicht gemeinsam besuchen.

Hasedera Tempel, 3-11-2 Hase, Kamamura-shi

Kotoku In – Der 800 Jahre alte Riesen-Buddha

Der 13 Meter hohe Buddha aus Bronze ist das Wahrzeichen von Kamakura. Die im Jahr 1252 gefertigte Buddha-Figur besteht aus 30 einzelnen Bronzeabschnitten und wurde ganz ohne moderne Maschinen hergestellt. Sie wiegt etwa 120 Tonnen. Der Buddha steht unter freiem Himmel, ganz ohne Tempel. Dieser wurde im 15. Jahrhundert durch einen Tsunami zerstört und nicht wieder aufgebaut. Eine Legende besagt, dass die Locken des Buddha aus vielen kleinen Schnecken bestehen, die ihn vor der Sonne schützen sollen. Bei so vielen historischen Stätten in einem kleinen Ort ist Kamakura der perfekte Tagesausflug von Tokio für alle geschichtsinteressierten Touristen.

Kotoku In, 4 Chome-2-28 Hase, Kamakura

Jufuku Ji Tempel – der älteste Tempel von Kamakura

Der Jufuku-ji-Tempel ist ein echter Geheimtipp: Während sehr viele Besucher den Hasedera-Tempel oder den Großen Buddha besuchen, ist dieser Tempel eine Oase der Ruhe. Es gibt nur wenige Besucher und schon gar keine Touristen. Dabei liegt der Tempel nur etwa 15 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum Kamakuras entfernt und dennoch fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Der Jufuku-ji-Tempel gehört zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten von Kamakura, denn er ist der älteste Tempel der Stadt.

Hojo Masako (1157-1225), die Witwe des ersten Shoguns ließ den Tempel um 1200 zum Gedenken an ihren Ehemann erbauen. Der erste Abt des Tempels war der berühmte Mönch Eisei. Ihm wird nachgesagt, die Teetradition aus China nach Japan gebracht zu haben. Mir hat der Tempel vor allem wegen seiner grünen Umgebung gefallen. Er ist von Wäldern und Felsen umgeben, was die Atmosphäre dort so stimmungsvoll macht. Wenn man hinter dem Tempel ein Stück durch den Wald geht, findet man außerdem den ältesten Friedhof von Kamakura.

Jufuki-Ji Tempel, 1 Chome-15 Ogigayatsu, Kamakura

Der Friedhof am Jufuku-Ji

Meine regelmäßigen Leser wissen, wie gerne ich alte Friedhöfe besuche. Daher habe ich natürlich auch in Japan nach solchen gesucht. Dieser hier war am interessantesten und geheimnisvollsten. Er ist einzigartig, denn neben den klassischen Erdgräbern, wie wir sie aus Europa kennen, gibt es dort auch sehr viele Höhlengräber. Aufgrund von Platzmangel wurden in die Felsen kleine Höhlen hineingehauen, um die Toten dort zu bestatten.

Hier befinden sich die Gräber der Shogunwitwe und Gründerin des Tempels, Hojo Masako, sowie ihres Sohnes, des dritten Kamakura-Shoguns, Minamoto no Sanetomo. Ich liebe die Atmosphäre der teilweise verfallenen Gräber und der von Pflanzen umrankten Höhlen mit Spinnenweben am Eingang hier sehr. Die ältesten Gräber sind 800 Jahre alt.

1 Chome-12-1 Ogigayatsu, Kamakura

Die nostalgische, europäische Seite von Kamakura

Mir hat auch die nostalgische europäische Atmosphäre in Kamakura sehr gefallen. Ich weiß, dass ich mich bei einer Reise nach Japan nicht über eine europäische Atmosphäre freuen sollte. Doch die Japaner lieben das Europa der Vergangenheit und zelebrieren es. Die Stadt hat mich manchmal an England erinnert. In Kamakura gibt es sehr viele Geschäfte mit europäischen Produkten, besonders mit englischen. Das Sortiment reicht von Tweedkleidung über altmodische Haushaltssachen bis zu Speisen. Hier möchte ich Euch gerne ein britisches Museum und eine wundervolle, nostalgische Kaffeebar empfehlen, von denen es in Japan übrigens zahlreiche gibt. Wer in Japan Europa vermisst, der sollte diesen Tagesausflug von Tokio machen und Kamakura besuchen.

British Antiques Museum Kamakura

Eigentlich sollte ich mich nicht über englischen Flair in Japan freuen, aber ich tue es dennoch. Ich liebe den britischen Old-Fashioned-Style und habe dieses Museum gefeiert. Es ist wie ein englisches Schloss oder Country House ausgestattet. Im Museum gibt einen viktorianischen und einen georgianischen Raum sowie ein Sherlock-Holmes-Zimmer. Es ist ein Stück nostalgisches England in Japan, das die Japaner lieben.

British Antique Museum, 1-11-4-1 Yukinoshita, Kamakura

Antik-Café in Kamakura – Coffee Minikomu

Für mich gehört zu einem gelungenen Tag nicht nur interessantes Sightseeing, sondern auch gutes Essen. In Japan habe ich die altmodischen „Jun-Kissa”-Cafés für mich entdeckt. In wunderbar altmodischer Atmosphäre wird dort aromatischer Kaffee per Hand gebrüht. Dazu wird selbst gebackener Kuchen auf antikem Porzellan serviert. Ich liebe diese kleinen, individuellen Retro-Cafés, deren Besitzer vermutlich so alt sind wie die Einrichtung. Die Auswahl und Qualität der Kaffeesorten ist überragend. Oft kann man aus 10–15 verschiedenen Sorten wählen und die Brühart selbst bestimmen. Diese Cafés sind in Japan zahlreich vertreten, aber oft so klein und gut versteckt, dass man sie suchen muss. Die Junkissas sind eine kleine Genussreise in die Vergangenheit.

Daher empfehle ich gerne das Café „Minikomu” in Kamakura. Es befindet sich auf der Komachi Street, der Hauptstraße von Kamakura, und ist doch so versteckt. Um in das Café zu gelangen, muss man in einem völlig unauffälligen Hauseingang eine Treppe in den Keller hinabsteigen. Schon am Eingang sieht man die dunkle Holzeinrichtung und die Windsor-Stühle. Neben Kaffee aus Jamaika, Äthiopien, Nepal, Sumatra, Kolumbien, Indonesien, Brasilien und Guatemala gibt es auch verschiedene Kaffeemischungen, Eiskaffee und hervorragenden Tee.

Coffee Kyu Minikomu, Kamakura, Komachi, 2 Chome−10−4

Kamakura – die historische Stadt am Meer

Kamakura ist kein Geheimtipp mehr, denn viele Touristen besuchen diese Stadt. Doch das ist meist ein gutes Indiz dafür, dass der Ort auch sehenswert ist. Kamakura ist ein solcher perfekter Ort, an dem für mich alles stimmig war. Natürlich trägt die Lage der Stadt sehr viel zu ihrer besonderen Atmosphäre bei, denn nur wenige Städte können mit Meer und hügeligen Bergen aufwarten. Auch die Innenstadt ist ganz wunderbar mit vielen interessanten Einzelhandelsgeschäften, kleinen, individuellen Läden sowie einer Vielzahl interessanter Restaurants und Cafés. Die Auswahl an Gastronomie ist riesig. Neben der lebendigen Innenstadt hat Kamakura mehrere alte Tempelanlagen, die zur Entschleunigung und Besinnung einladen. Am meisten haben mich jedoch nicht die berühmtesten Tempel von Kamakura beeindruckt, sondern der älteste Tempel der Stadt, der von Touristen kaum beachtet wird. Der alte, verfallene Friedhof daneben hat eine mystische Atmosphäre.

Wenn Ihr während eures Aufenthalts in Tokio etwas Zeit übrig habt, ist ein Tagesausflug nach Kamakura ein wunderbares Ziel. Ich bin aber auch überzeugt, dass diese Stadt mehr zu bieten hat, als ich an einem Tag sehen konnte. Gerne hätte ich mehrere Tage hier verbracht.

Sehenswürdigkeiten von Kamakura auf der Karte – der perfekte Tagesausflug von Tokio

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Erstellt am März 16, 2026

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