Möchtet ihr eine Zeitreise direkt vor den Toren von Cluj-Napoca unternehmen? Dann empfehle ich euch heute einen Tagesausflug ab Cluj-Napoca zu den Schlössern der Familie Bánffy. Die beiden Schlösser in Bontida und Râșcruci gehören zu den besten Ausflugszielen der Region – egal, ob Sie sich für prachtvolle Architektur oder Adelsgeschichten interessieren. Beide Schlösser sind heute Museen und für Besucher geöffnet. Dank der guten Erreichbarkeit mit Bus und Bahn können Sie beide Schlösser als Tagesausflug ab Cluj besuchen, ganz ohne Auto.

Möchte man die Burgen und Schlösser bei Cluj-Napoca entdecken, kommt man an der Adelsfamilie Bánffy nicht vorbei.

Eine der bedeutendsten Adelsfamilien Ungarns – Familie Bánffy

Die Ursprünge der Familie Bánffy reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Es gibt zwei Zweige der Familie. Der eine, die Familie Bánffy von Losoncz, war in Südungarn und Siebenbürgen sehr einflussreich. Aus der Familie stammen viele bedeutende Politiker, Diplomaten und Militärs. Zu den bekanntesten Persönlichkeiten zählt Graf Miklós Bánffy (1873–1950), der vor allem für seine Bücher der „Siebenbürgen-Trilogie”* bekannt ist. Die Familiengeschichte soll so spannend wie Downton Abbey sein – nur mit deutlich mehr Skandalen und Affären. Die Familie Bánffy von Alsólendva war dagegen eher im Südwesten des damaligen Königreichs Ungarn ansässig, das heute zu Slowenien und Kroatien gehört.

Schloss Bánffy in Bontida – das rumänische Versailles

Ein Vergleich mit Versailles ist zwar sehr optimistisch, dennoch zählt das Schloss Bánffy in Bontida zu den größten Burganlagen Rumäniens. Schon alleine deswegen lohnt sich ein Tagesausflug aus Cluj-Napoca. Einst muss es unglaublich prunkvoll gewesen sein, doch heute braucht man etwas Fantasie, um die ehemalige Pracht zu erahnen. Die Anlage ist jedoch sehr sehenswert, weitläufig und architektonisch sehr vielseitig. Auch der Verfall erzählt die Geschichte des Landes. Übrigens soll das Schloss einst eine der größten Privatbibliotheken beherbergt haben.

Geschichte des Schlosses Bánffy

Die erste urkundliche Erwähnung eines Gutshofes im Besitz der Familie Bánffy stammt aus dem 14. Jahrhundert. Ob es sich damals bereits um eine Burg handelte, ist jedoch nicht bekannt. Im Jahr 1387 verlieh Kaiser Sigismund von Luxemburg das Anwesen an die Familie Bánffy. Mit dem Bau des Schlosses wurde im 16. Jahrhundert begonnen. Dénes Bánffy ließ das Schloss im 18. Jahrhundert in ein unglaubliches Prachtschloss umbauen. Schon damals wurde es als „Versailles von Siebenbürgen” bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurden weitere Gebäude im neogotischen Stil angebaut. Diese Teile des Schlosses zählen heute zu den schönsten Gebäuden der Anlage.

Schloss Bánffy im II. Weltkrieg

Der letzte Besitzer des Schlosses war Miklós Bánffy, ein Schriftsteller und ehemaliger ungarischer Außenminister. Während des II. Weltkriegs unterstützte das Königreich Ungarn das Deutsche Reich. Ein Flügel des Schlosses wurde der Wehrmacht als Militärhospital und Warenlager zur Verfügung gestellt.

Doch im Jahr 1944 stellte sich Graf Miklós Bánffy gegen das Deutsche Reich und auf die Seite der Alliierten. Als Rache setzte die Wehrmacht sein Schloss in Brand, wobei die Bibliothek und ein Großteil der Einrichtung zerstört wurden. Zuvor hatte die Wehrmacht jedoch bereits sehr viele wertvolle Gegenstände und Bücher gestohlen. Tragischerweise wurden die abrückenden Truppen bombardiert und die Beute wurde ebenfalls zerstört.

Das Schloss nach 1945

Während des Kommunismus wurde das Schloss verstaatlicht. Es diente als landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, als Krankenhaus und leider auch als Steinbruch für die umliegenden Dörfer. Die Schlossgebäude verfielen zunehmend. Erst 1990 begann der Transylvanian Trust mit der Restaurierung des Schlosses. Schirmherr ist King Charles III., damals noch Prince of Wales.

Öffnungszeiten Schloss Bánffy in Bontida: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr

Berühmte Bewohner – der Rittmeister Maria Theresias

Wir verdanken den Ausbau des Schlosses in eine prachtvolle Barockanlage dem Grafen Dénes Bánffy. Schon seit dem Umbau im 18. Jahrhundert trägt das Schloss den Titel „Versailles von Siebenbürgen”. Graf Dénes verbrachte mehrere Jahre am Wiener Hof von Kaiserin Maria Theresia. Wahrscheinlich ließ er sich dort von der Pracht anderer europäischer Schlösser inspirieren, denn nach seiner Rückkehr baute er das unglaublich prächtige Schloss. Sein Sohn, György Bánffy, erbaute das Stadtschloss Bánffy in Cluj.

Bánffy Castle in Bontida – Ort des Electric Castle Festivals

Das Electric Castle Festival ist tatsächlich weltberühmt, denn dort treten jedes sehr viele namhafte Künstler auf. Das weitläufige Gelände neben der Burg ist perfekt dafür geeignet. Als ich Ende März in Rumänien war, wurde bereits mit dem Aufbau für das im Juli stattfindende Festival begonnen. Das Festival ist riesig. Es findet seit 2013 statt und hat mittlerweile jährlich mehr als 200.000 Besucher. Es gibt mehrere Bühnen und sehr viel Platz zum Zelten. Im Laufe der Jahre sind dort sehr berühmte Bands aufgetreten, zum Beispiel The Prodigy*, Fatboy Slim*, Iggy Pop* und Florence + the Machine*. In diesem Jahr sind The Cure* und Twenty One Pilots* die Hauptacts, im letzten Jahr waren es Queens of the Stone Age* und Justin Timberlake*. Wie ihr seht, bietet das Programm für jeden etwas.

Schloss Bánffy in Râscruci – das Sommerschloss der Familie Bánffy

Das zweite Schloss der Familie Bánffy ist ein Palast. Während das alte Schloss der Familie noch etwas Liebe und Zuwendung bedarf, ist das neue perfekt restauriert. Es ist ein Schmuckstück in einem winzigen, vergessenen Dorf.

Das Dorf Râscruci war seit dem 14. Jahrhundert im Besitz der Familie Bánffy. Die erste urkundliche Erwähnung eines Adelssitzes in dem Ort stammt jedoch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das heutige Schloss wurde 1809 im Stil einer Mischung aus Barock und Klassizismus erbaut. Es zeigt die Symmetrie und Farben der späten Barockschlösser, doch die Schlichtheit verrät den Wandel der Mode. Das Schloss wurde zunächst als Sommerresidenz und später als Hauptwohnsitz genutzt. Schon von außen ist das Schloss sehr beeindruckend, doch wenn man hineinkommt, staunt man noch mehr. Die Eingangshalle und weitere Räume sind mit kunstvollen, filigranen Holzschnitzereien geschmückt.

Ein zweites Schloss der Familie Bánffy befindet sich ebenfalls in Bontida, allerdings im Ortsteil Râscruci. Es handelt sich um ein kleines Sommerschloss.

Geschichte des Schlosses Bánffy

Das erste Schloss in Râscruci wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut, doch davon ist heute nur noch wenig übrig. Das heutige Schloss ließ Baron György Bánffy um das Jahr 1809 errichten. Während der Revolution von 1848/49 wurde das Schloss erheblich beschädigt, doch Baron Albert Bánffy ließ es wieder aufbauen. Er und seine Ehefrau Ágnes Esterházy wählten das Schloss als ihre Hauptresidenz.

Die verrückten Werke des Grafen Bánffy

Die Holzverkleidungen der Wände und Decken im Stil der deutschen Renaissance sollen angeblich vom Baron Ádám Bánffy persönlich geschnitzt worden sein. Er hat sie entworfen und sogar selbst hergestellt. Statt eine politische oder diplomatische Karriere zu verfolgen, entschied sich Ádám Bánffy für die Kunst. Während seiner zahlreichen Auslandsreisen holte er sich nicht nur Inspiration, sondern erlernte auch viel über Kunst und Kunsthandwerk. Er soll ein Perfektionist gewesen sein, der glaubte, dass kein Handwerker seine Arbeiten besser ausführen würde. Jahre soll er mit dem Schnitzen verbracht haben. Nicht nur heute wirkt das seltsam: Schon im 19. Jahrhundert zählte das geschnitzte Interieur von Ádám Bánffy zu den wichtigsten Kuriositäten der Region.

Grüner Terrakottaofen für Kaiser Franz-Josef

Auch der wunderschöne grüne Terrakottaofen in der Eingangshalle ist das Werk von Ádám Bánffy. Er soll jede Kachel selbst hergestellt haben. Bánffy präsentierte den Ofen während einer österreichisch-ungarischen Nationalausstellung. Kaiser Franz Josef war von dem kunstvollen Ofen sehr begeistert, weshalb Bánffy ihm diesen schenkte. Für sein Schloss stellte er einen baugleichen zweiten Ofen her.

Das Schloss Bánffy nach der Verstaatlichung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Schloss im Besitz von Albert Bánffy II., dem Sohn von Ádám, doch er verstarb 1945. Das Schloss erbte sein Sohn Dénes, der jedoch kurz danach enteignet wurde. Einige Jahre konnte er mit seiner Familie im Schloss Bánffy in Cluj leben, doch 1949 wurde er endgültig enteignet. Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg verwüstet und die Bibliothek brannte nieder. Nach dem Krieg diente das Schloss als Schulgebäude, bis es 2017 restauriert wurde. Heute befindet sich ein Museum mit Kunstausstellung im Schloss und es wird als Eventlocation genutzt.

Öffnungszeiten Schloss Bánffy in Râscruci: Dienstag – Freitag 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag in den Sommermonaten 11.00 bis 19.00 Uhr, i den Wintermonaten 10.00 bis 18.00 Uhr

Ausflüge mit Bus und Bahn ab Cluj-Napoca

Mit dem ÖPNV zu reisen ist in Rumänien grundsätzlich möglich, aber abenteuerlich. Ich hatte das Gefühl, dass die angegebenen Uhrzeiten eher Empfehlungen sind, denn die Busse kommen mal früher, mal später als geplant. Wenn sie früher kommen, warten sie nicht. Keiner der Züge, die wir genutzt haben, war pünktlich. Das ist jedoch allen deutschen Zugfahrern mittlerweile sehr bekannt. Wir sind immer dort angekommen, wo wir auch ankommen wollten und hatten einen sehr gelungenen Tagesausflug ab Cluj-Napoca.

Die Haltestellen sind abenteuerlich, zumindest in der Gegend um Cluj-Napoca. Beim Zugfahren gibt es einen Unterschied zwischen einem Halt und einer Haltestelle. Nur bei Haltestellen gibt es ein Bahnhofsgebäude. Bei einem Halt hält der Zug oft auf einem Feld außerhalb der Ortschaften. Selbst bei offiziellen Haltestellen muss man mitunter erst durch ein Feld laufen, um zum Bahnhof zu gelangen. Der große Vorteil ist jedoch, dass in der Gegend um Cluj-Napoca sehr viele Menschen sehr gut Englisch sprechen, egal ob Schaffner:innen im Zug, Fahrkartenverkäufer:innen am Bahnhof oder andere Reisende, die man nach dem Weg fragen möchte. Cluj ist eine alte und bedeutende Universitätsstadt, weshalb Englischkenntnisse für viele Menschen notwendig sind.

Erreichbarkeit der Bánffy-Schlösser mit dem Zug

Da beide Schlösser nah beieinanderliegen, haben wir sie mit dem Zug besucht. Wir sind am Hauptbahnhof Cluj-Napoca eingestiegen und zuerst zum Schloss in Râscruci gefahren. Eine Zugfahrt dauert etwa 30 Minuten. Die Züge IRC25, R und TFC R fahren von Cluj aus in Richtung Nordosten. Da die Strecke jedoch von zwei verschiedenen Zuggesellschaften betrieben wird, braucht man eine passende Fahrkarte. Es gibt zwei verschiedene Fahrkartenautomaten und zwei verschiedene Schalter. Am einfachsten ist es, die Fahrkarten im Zug zu kaufen. Es besteht immer die Möglichkeit, die Karten beim Schaffner zu erwerben. Auch Kartenzahlung ist möglich. Der ÖPNV ist in Rumänien sehr günstig.

In Râșcruci hält der Zug am Dorfrand auf dem Feld. Bis zum Schloss läuft man etwa 15 Minuten durch das Dorf. Busse oder Taxis gibt es meines Wissens nach nicht. In Râscruci selbst gibt es außer dem riesigen und imposanten Schloss nichts.

Zwischen Râscruci und Bontida liegen etwa 3 Kilometer, die wir zu Fuß gegangen sind. Im Sommer soll es dort Taxis geben, im Frühjahr gab es keine. Der Weg führt durch Felder, das Laufen ist kein Problem. Außer einer Pferdekutsche gab es keinen Verkehr. Der Weg durch die Felder ist allerdings sehr eintönig und die 40 Minuten zogen sich.

Für die Rückfahrt vom Schloss Bànffy in Bontida wählten wir den Bahnhof in Bontida als Zughaltestelle. Vom Schloss zur Haltestelle läuft man etwa 40 bis 45 Minuten, allerdings durch das Dorf. Bontida ist ein Straßendorf, das aus einer langen Straße mit aneinandergereihten Häusern besteht. Es gab zwei Dorfgeschäfte und eine Gaststätte.

Es war ein perfekter Tagesausflug ab Cluj-Napoca. Wir sind morgens um 11 Uhr gestartet, haben zwei Schlösser besucht, ein Picknick gemacht, Eis gegessen und waren gegen 16.30 Uhr wieder in Cluj.

Das perfekt restaurierte Schloss Bánffy in Râscruci ist heute prachtvoll und sehenswert.

Und am Ende eine Legende….

Über alte Mauern gibt es meist viele Legenden, und rumänische Burgen und Schlösser sollen deutlich häufiger von Geistern bewohnt sein als deutsche. Das Schloss Bánffy in Bontida gilt als einer der am meisten heimgesuchten Orte in Rumänien. Wie in so vielen Burgen und Schlössern wird erzählt, dass man dort manchmal einer „Weißen Dame” begegnen kann. Seit Jahrhunderten berichten Besucher davon. Während der Belagerung und Zerstörung des Schlosses im Jahr 1945 wurde die Weiße Dame besonders häufig gesehen. Einst soll eine junge Frau in den Schlossmauern eingemauert worden sein. Ob es eine unglückliche Adelige oder ein in Ungnade gefallenes Dienstmädchen war, weiß heute niemand mehr.

Eine andere Legende erzählt von dem Geist eines Stallknechts, der in der Umgebung der Ställe gesehen wird. Er soll eine Affäre der Schlossherrin entdeckt haben. Um ihn zum Schweigen zu bringen, hat sie ihn umgebracht.

Lange galt es als Legende, dass es unterirdische Geheimgänge zwischen dem Schloss in Bontida und dem Schloss in Râscruci gibt. Bei Renovierungsarbeiten an beiden Schlössern wurden jedoch tatsächlich weitläufige unterirdische Gänge entdeckt. Ob sie beide Schlösser verbinden, ist noch nicht erforscht.

Das Schloss Bánffy in Bonțida hat hingegen noch den Charme eines Lost Places. Doch auch das gehört zur Geschichte und macht das Schloss für mich besonders sehenswert.

Quellen zum heutigen Artikel

Bánffy Castle, Bontida – History
Castles of Transylvania – Bánffy Castle
Transylvania Trust
Bontida Bánffy Castle – Wikipedia
Ghost Hunters International – YouTube

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Erstellt am April 20, 2026

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