Växjö ist eine junge und lebendige Universitätsstadt, in der sich vermutlich niemand langweilen wird. Charmant sind die zahlreichen Seen, denn Växjö ist von Wasser umgeben. Die Stadt ist der ideale Ausgangspunkt für alle, die Wassersport lieben. Die Gegend ist aber auch sehr grün und flach. Wer ohne große Steigungen am Wasser wandern möchte, findet eine Vielzahl wunderschöner Wanderwege. In diesem Artikel geht es aber vor allem um Geschichte, denn ich liebe alte Kirchen, Burgen und Schlösser sowie Museen. Auch in dieser Hinsicht hat Växjö und die Umgebung eine Vielzahl interessanter historischer Sehenswürdigkeiten zu bieten. Am Stadtrand befindet sich ein bezauberndes Märchenschloss und es gibt eine einzigartige Domkirche sowie interessante Museen. In der Umgebung kann man eine trutzige Burgruine und ein spannendes Freilichtmuseum mit einem imposanten Herrenhaus entdecken. In diesem Artikel stelle ich Euch die historischen Orte von Växjö und der näheren Umgebung vor, die ich sehr empfehlen kann.



Mein erster Eindruck von Växjö war, dass die Stadt modern, hip und sehr jung ist. Viele Gebäude in der Stadt sind neu oder stammen aus der Jahrhundertwende. Doch Växjö ist eine sehr alte Stadt. Die ersten Siedlungen gab es hier schon in der Bronzezeit. Vor 1000 Jahren war Växjö bereits eine gut besiedelte Wikingersiedlung. Davon zeugt ein Runenstein an der Außenwand der Domkirche. Seit dem 12. Jahrhundert ist Växjö Bischofssitz und seit dem 13. Jahrhundert besitzt die Stadt Stadtrechte.
Der im 14. Jahrhundert erbaute Dom ist nordisch kühl, aber dennoch einzigartig. Er ist außen alt, innen jedoch sehr modern und farbenfroh. Seine Grundmauern stammen sogar aus dem 12. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Dom immer wieder zerstört oder brannte aus, weshalb sich Stilelemente verschiedener Epochen sowohl im Inneren als auch an der Fassade befinden. Besonders sehenswert sind die moderne Inneneinrichtung, der farbenfrohe geometrische Altar und die perfekt darauf abgestimmten Glasfenster. In unmittelbarer Nähe befindet sich der weitläufige und idyllische Linné-Park, der nach dem Botaniker Carl von Linné benannt ist. Linné ging in Växjö zur Schule und lebte später in der Nähe. Daher trägt auch die Universität seinen Namen.


Etwa drei Kilometer von der Innenstadt entfernt, direkt neben der Linné-Universität, befindet sich mit dem Schloss Teleborg ein wahrhaftes Märchenschloss. Heute beherbergt das Schloss ein stilvolles Hotel mit Restaurant. Doch auch im Park und im Schloss selbst werden regelmäßig Führungen angeboten. Eine Übernachtung oder ein Essen sind natürlich eine wunderbare Gelegenheit, um das Schloss Teleborg zu besuchen. Ein älterer Adeliger ließ Teleborg Slot als Geschenk für seine junge Geliebte, die vorher sein Mündel war, erbauen. Um die Jahrhundertwende war dies ein Skandal. Doch über das Schloss Teleborg habe ich schon in einem anderen Artikel ausführlich berichtet.


Etwa fünf Kilometer nördlich von Växjö befindet sich eine imposante Schlossruine in unglaublich malerischer Lage. Das Schloss wurde Mitte des 15. Jahrhunderts als Verteidigungsschloss erbaut, denn auch ein Bistum musste in dieser Zeit beschützt werden. Da die Grenze zwischen dem Königreich Schweden und dem Königreich Dänemark damals unweit von Växjö verlief, wurde das Schloss als Grenzfestung errichtet. Die Ruine liegt wunderschön auf einer kleinen Insel.
Im Jahr 1542 führte der unbedeutende Bauer Nils Dacke einen Krieg gegen den schwedischen König Gustav Vasa. Die Bauern um Nils Dacke besetzten das Schloss und machten es zu ihrem Hauptquartier. Der Bauer soll sich im Schloss tatsächlich wie ein König benommen haben, denn er veranstaltete prunkvolle und teure Gelage. Zu einer Weihnachtsfeier lud er den gesamten Adel der Umgebung ein, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Unter seinen Gästen waren nämlich Spitzel des Königs, die ihm alle Zugänge und Schwachstellen meldeten. Kurz nach dem Weihnachtsfest wurde Nils Dacke getötet und das Schloss vom König eingenommen.


In diesem Museumsdorf scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Huseby Bruk besteht aus einer Eisenhütte mit Dorfgebäuden und dem Gutshof des Besitzers. Ich habe fast einen ganzen Tag dort verbracht, denn das Freilichtmuseum ist sehr vielseitig. In den Gebäuden befinden sich verschiedene Ausstellungen, beispielsweise zur Industrie, Besiedlungsgeschichte, zum Naturschutz oder zur Familiengeschichte. Es gibt aber auch einen Wanderweg durch einen „verlassenen Wald”, in dem die Natur sich selbst überlassen wird. Mein persönliches Highlight war jedoch das Schloss Huseby.


Das klassizistische Herrenhaus wurde 1844 vom Grafen Hamilton erbaut. Die Familie besaß bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine Eisenhütte in Huseby. Der Eisenhandel und die Beteiligung an der Ostindienkompanie hatten die Familie unglaublich reich gemacht. Kurze Zeit später kaufte der Professor und Parlamentsabgeordnete Joseph Stephens das Dorf samt Schloss. Er heiratete eine adelige Admiralstochter, deren Familie enge Verbindungen zum schwedischen Königshaus hatte. Daher war sogar König Gustav V. häufig zu Gast im Schloss Huseby. Das Schloss ist so prachtvoll, dass es eines Königs würdig ist.
Die Familie Stephens hatte drei Töchter. Die älteste von ihnen, Florence, erbte das Schloss. Doch sie vertraute dem falschen Mann: Prinz Carl. Florence Stephens war unglaublich wohlhabend, sehr naiv und lebte mit ihrer Familie prunkvoller als die meisten Adeligen ihrer Zeit. Daher verkehrte die Königsfamilie regelmäßig in Huseby. Florence entwickelte eine enge Freundschaft zu Carl Bernadotte, dem schwedischen Prinzen und Neffen von König Gustav V., was ihr zum Verhängnis wurde.
Weil er ihr lukrative Geschäfte versprach, überschrieb Florence dem Prinzen fast ihr gesamtes Vermögen. Doch der Prinz vernachlässigte das Dorf und den Wald und verprasste das Geld in dubiosen Geschäften. Er ließ die historischen Wälder fast vollständig abholzen und verkaufte das Holz, doch niemand wusste, was mit dem Geld geschehen war. Die Rechnungen waren gefälscht und das Geld war verschwunden. Nachdem der Betrug aufgedeckt worden war, wurde Florence für unmündig erklärt und unter Vormundschaft gestellt. Prinz Carl wurde zwar schuldig gesprochen, entging jedoch der Strafe, da er angab, nicht geistig in der Lage gewesen zu sein, die Tragweite seiner Taten zu verstehen. Nach dem Urteil floh der Prinz nach Spanien und kehrte nie wieder nach Schweden zurück. Während der Prinz straffrei blieb, wurde Florence für fast ihr ganzes Leben entmündigt.




An dieser Stelle möchte ich gerne eine Café-Empfehlung aussprechen: Das nostalgische Café im Huseby Bruk hat nicht nur eine wunderbar nostalgische Atmosphäre, sondern serviert auch hervorragenden Kaffee und die besten Zimtschnecken, die ich in Schweden gegessen habe. Dort haben wir eine perfekte Fika erlebt. Ihr wisst nicht, was eine Fika ist? Fika ist eine typisch schwedische Kaffeepause, bei der man sich Zeit nimmt, um Kaffee und Kuchen zu genießen. Zu einem Stück Kuchen oder einer Zimtschnecke gibt es Kaffee satt. Denn in Schweden kann man überall so viel Kaffee trinken, wie man möchte.


Auf meiner Liste der Sehenswürdigkeiten, die ich besuchen wollte, stand auch die Burgruine Bergkvara. Doch diese ist für Besucher mittlerweile nicht mehr zugänglich. Sie befindet sich auf dem Privatgelände des Gutshofs Bergkvara. Früher war es erlaubt, das Gelände zu betreten, inzwischen ist es jedoch verboten. Angeblich haben die neuen Besitzer des Gutshofs dies so entschieden. Ich finde, dass dieser Wunsch respektiert werden sollte, auch wenn es mich sehr traurig macht. Daher habe ich die Ruine nicht gesehen. Ich glaube, dass es mehr Ruinenromantiker wie mich gibt und wollte meine Enttäuschung daher nicht unerwähnt lassen.
Die Menschen reisen eher nach Småland, um die Natur, das Wasser und die Wälder zu genießen. Doch auch Kulturinteressierte werden in der Umgebung von Växjö viele interessante Sehenswürdigkeiten entdecken. Die Gegend ist seit Jahrtausenden besiedelt, weshalb sich dort faszinierende Sehenswürdigkeiten aus den verschiedensten Epochen finden. Besucher können sich auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte begeben. Mich hat auch die Verschmelzung von Natur und Kultur begeistert, denn viele der Sehenswürdigkeiten sind von magischen Wäldern und zauberhaften Seen umgeben. Ich bin überzeugt, dass jeder Besucher in der Umgebung von Växjö etwas für sich entdecken kann.
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