Das Schlosshotel Teleborg Slot ist ein wahrhaftes Märchenhotel. Es ist so prachtvoll, verspielt und filigran, dass man es eher in Großbritannien als in Skandinavien vermuten würde. Es ist ein historistisches Meisterwerk, das an eine mittelalterliche Ritterburg erinnert. Doch auch die idyllische Lage am Ufer des Trummen-Sees trägt dazu bei, dass das Schlosshotel ein unglaublich romantischer Ort ist. Hinzu kommt, dass es ein Spukschloss ist. Erfahrt mehr über das romantische Schlosshotel Teleborg in Växjö in Schweden und die Geister des Hauses.

Das Schloss Teleborg ist ein echtes Märchenschloss, obwohl es im 19. Jahrhundert erbaut wurde. In der Epoche des Historismus liebten die Menschen Romantik, alte Rittersagen und düstere, gotische Gebäude mit Spitzbögen und hohen Türmen. In dieser Zeit wurden viele Schlösser nach mittelalterlichem Vorbild erbaut, jedoch entsprachen sie nicht der Realität, sondern waren wesentlich verspielter, lieblicher und prächtiger. Die Vergangenheit wurde im 19. Jahrhundert verklärt, besonders das Mittelalter, daher sehen viele Schlösser aus dieser Epoche wie Märchenschlösser aus. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist Neuschwanstein. Angeblich dienten die Ritterburgen am Mittelrhein als Vorbild für das Schloss Teleborg.


Das schwedische Märchenschloss wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und ist daher nur etwas mehr als 100 Jahre alt. Es sieht jedoch deutlich älter und imposanter aus. Graf Gustaf Frederik Bonde ließ das Schloss 1986 für seine deutlich jüngere Ehefrau Anna Koskull erbauen. Den damit verbundenen gesellschaftlichen Skandal möchte ich nicht unerwähnt lassen. Graf Bonde war 26 Jahre lang mit seiner ersten Ehefrau verheiratet und hatte fünf Kinder. Doch im Alter von 47 Jahren verliebte er sich in sein Mündel, die 21-jährige Anna Koskull. Annas Eltern waren früh verstorben, Graf Bonde war ein Freund und Nachbar der Familie und übernahm daher die Vormundschaft. Aus der Vormundschaft wurde Liebe – und ein riesiger gesellschaftlicher Skandal. Der Graf ließ sich von seiner Ehefrau scheiden, um seine 26 Jahre jüngere Geliebte zu heiraten, die auch noch sein Mündel war!
Nach dem Tod von Anna Koskull ging das Schloss an den Neffen des Grafen Bonde über, er nutzte es als Sommerresidenz. Bereits in den 1930er-Jahren richtete die Familie im Schloss ein Restaurant ein und öffnete den Park für die Öffentlichkeit, da nur so die enormen Unterhaltskosten zu stemmen waren. Während des Zweiten Weltkriegs und in der Zeit danach war der Erhalt des Schlosses für die Familie unrentabel und das Gebäude verfiel. 1964 kaufte die Stadt Växjö das Schloss. Da der Schlosspark direkt an die Linné-Universität grenzt, wurden Teile des Schlosses zunächst als Universitätsgebäude genutzt. Erst seit 2003 wird das Anwesen touristisch als Hotel und Restaurant genutzt.


Wir haben drei Nächte im Schloss Teleborg verbracht und hatten eine großartige Zeit dort. Das Hotel ist sehr edel, altmodisch und stilvoll eingerichtet. Die Möbel sind teilweise antik, am beeindruckendsten sind jedoch die alten Kachelöfen. Genau so mögen wir es. Die Zimmer wurden nicht verändert, das bedeutet, dass sie kein eigenes Bad haben. Es gibt aber mehrere Bäder auf der Etage. Diese werden mehrmals täglich gereinigt und waren nie besetzt, daher ist es trotz Etagenbad sehr entspannt. Auch die Speisen waren sehr gut. Das Frühstücksbuffet war sehr abwechslungsreich und bot viele schwedische Spezialitäten. Das Restaurant war ebenfalls sehr gut, die Speisen waren schmackhaft und ansprechend präsentiert. Allerdings wirbt das Restaurant mit regionalen und schwedischen Spezialitäten, die ich ein wenig vermisst habe. Das Hotel hat mir sehr gefallen, sonst würde ich keinen Artikel darüber schreiben.


Auch die wunderschöne Umgebung ist eine Erwähnung wert. Der Schlosspark ist zwar klein, doch das gesamte Gelände ist von Wald umgeben und das Schloss liegt fast direkt am See. Bis zum Ufer sind es etwa 200 Meter – das habe ich besonders genossen. Denn ein Dinner im Restaurant ist toll, aber ein Picknick am See genieße ich noch viel mehr. Zwei Abende haben wir mit Picknicken verbracht. Der Trummen See hat einen Umfang von knapp 4 km und grenzt an die Stadt Växjö. Das hat mir ebenfalls sehr gefallen, denn es war die perfekte Strecke für meine Morgenläufe. Selten hatte ich so idyllische Laufstrecken wie am Schloss Teleborg. In die Innenstadt von Växjö kann man zwar zu Fuß gehen, aber es ist recht weit. Wir sind etwas mehr als 30 Minuten gegangen. Es gibt jedoch so viele Busverbindungen, dass man zu jeder Tageszeit in weniger als zehn Minuten in der Stadt ist.
Die schwedischen Schlösser sind deutlich geistreicher als die alten Gemäuer in Deutschland. Fast jedes schwedische Schloss hat mindestens einen Hausgeist. Im Schloss Teleborg beispielsweise sollen die Geister für Ordnung sorgen. Gäste haben angeblich Lichterscheinungen im zweiten Stock beobachtet. Die Angestellten sagen, dass sie manchmal eine weiße Dame dort sehen. Es soll sich um den Geist der unglücklichen Anna Koskull handeln. Ihr Ehemann starb neun Jahre nach dem Bau des Schlosses und sie verbrachte ihre letzten Lebensjahre einsam und ohne Kinder oder gesellschaftliche Akzeptanz im Schloss. Leider haben wir im ersten und nicht im zweiten Stock des Schlosses gewohnt.


Teleborg Slott, Slottsallén 33, 352 56 Växjö, Schweden
Quellen:
Geschichte des Schlosses Teleborg
Zeitschrift: Lokaltitninge

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