Nara ist eine der ältesten Städte Japans und war sogar eine der ehemaligen Hauptstädte des Landes. Die Nara-Periode erstreckte sich von 710 bis 794. Nara hat eine Vielzahl historischer Sehenswürdigkeiten zu bieten, darunter viele sehr alte Tempel. In Nara gibt es so viele historische Tempel auf engstem Raum, dass ich einen Tempel-Overload hatte, obwohl jeder dieser Tempel sehr alt und sehenswert war. Ich habe so viele Tempel besucht, dass es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, wenn ich auf jeden einzelnen eingehen würde. Daher werde ich hier nur die Tempel beschreiben, die mich am meisten beeindruckt haben. Die zahlreichen Tempel von Nara wurden im Jahr 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Doch Nara hat mehr zu bieten als Tempel. In meinem Artikel zeige ich Euch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nara und meine Geheimtipps.

Ich vermute, dass das zutrauliche Rotwild der Hauptgrund für die Reise vieler Touristen nach Nara ist. In der Stadt gibt es unendlich viele Tiere. Tatsächlich sind es wilde Sika-Hirsche, die in den umliegenden Wäldern leben. Doch tagsüber streunen sie durch die Stadt. Die Rehe haben sich so sehr an die Menschen und die vielen Touristen gewöhnt, dass sie mittlerweile zutraulich sind – manchmal sogar aufdringlich. Die größte Wildansammlung findet man im Nara-Park, aber auch in den umliegenden Tempeln, am Eingang von Geschäften oder beim Wandern – überall trifft man auf Hirsche und Rehe.
Touristen sollten wissen, dass die Rehe betteln. An den Eingängen zum Nara-Park gibt es Verkaufsstände, an denen Hirschcracker verkauft werden. Diese sind speziell für das Wild hergestellt und damit darf man die Tiere füttern. Sobald die Hirsche jedoch bemerken, dass man Cracker gekauft hat, umrunden sie die Menschen und betteln oder versuchen sogar, sie zu stehlen. Sie haben keine Scheu, an Taschen oder Jacken zu knabbern. Sobald die Leckerlis aufgegessen sind, verlieren die Tiere jegliches Interesse an den Menschen. Am ersten Tag fand ich die wunderschönen Rehe charmant, danach jedoch eher nervig.



Der Nara-Park ist riesig und es gibt dort nicht nur Rehe. Inmitten des Parks befindet sich das Nationalmuseum und am nordwestlichen Rand die beiden berühmtesten Tempel der Stadt: der Kōfuku-ji und der Tōdai-ji. Der Park ist sehr charmant und idyllisch. Es gibt dort eine Reihe alter, traditioneller Holzhäuser, die bewohnt sind, aber auch als Teestuben oder Restaurants genutzt werden. Es gibt viele Teiche und kleine Flüsse – es ist der perfekte japanische Park – ein Ort zum Verweilen.
Wenn man aus der Innenstadt in Richtung Nara-Park geht, sieht man das Museum als Erstes, denn es liegt sehr prominent inmitten der großflächigen Parkanlage. Das Gebäude erinnert stark an ein europäisches Schloss und wurde im Stil der französischen Renaissance im 19. Jahrhundert erbaut. Es ist eines der ältesten Museen Japans und beherbergt vor allem buddhistische Artefakte und archäologische Fundstücke. Viele davon gehören zu den bedeutendsten Kulturgütern des Landes. Obwohl ich nur sehr wenige Anknüpfungspunkte zur japanischen Geschichte der frühen Vergangenheit habe, fand ich die Darstellung und Erklärung der Objekte sehr ansprechend und informativ. Ich empfehle das Museum sehr gerne Besuchern, die sich näher mit der japanischen Geschichte, Religion und Mystik befassen möchten. Japan war über Jahrhunderte hinweg von anderen Kulturen abgeschottet, daher sind sowohl die Kultur als auch die verschiedenen religiösen Strömungen einzigartig. Und auch das palastähnliche Gebäude selbst ist einen Besuch wert.
Nara Nationalmuseum: Nara Park, 50-50 Noboriōjichō, Nara, 630-8213
Öffnungszeiten: täglich 9.30 bis 17.00 Uhr

Der Kōfuku-ji ist ein sehr alter buddhistischer Tempel, der im Jahr 699 gegründet worden sein soll. Als Nara im Jahr 710 zur Hauptstadt Japans wurde, erlangte der Tempel große Bedeutung. Wie bei unseren Kirchen und Schlössern wurden auch die japanischen Tempel immer wieder ausgebaut und umgebaut, so auch dieser. Das Tempelareal wurde dabei immer wieder vergrößert. Im Kofuku-ji-Tempel sind zahlreiche Schätze von nationaler Bedeutung erhalten geblieben.
Die goldene Halle, welche von zwei Kaiserinnen, Kaiserin Genmei und Kaiserin Gensho, im Jahr 721 errichtet wurde, bildet den Mittelpunkt. In dieser Halle sind viele wertvolle Holzskulpturen und Altäre untergebracht, die zu den Nationalschätzen Japans zählen. Dazu zählen die Buddha-Köpfe aus Bronze sowie die Statuen von Ashura, Bodhisattva und Rikishi. Ebenfalls imposant ist die fünfstöckige Goyunoto-Pagode.
Kofuku-Ji Tempel, 48 Noboriojicho, Nara 630-8213
Öffnungszeiten: täglich 9.00 bis 17.00 Uhr



Da die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nara die vielen uralten Tempel sind, geht es in diesem Abschnitt erneut um einen Tempel. Die zweitwichtigste Sehenswürdigkeit von Nara ist der Todaiji-Tempel, der nur wenige Gehminuten vom Kofukuji-Tempel entfernt ist und ebenfalls an den Nara-Park grenzt. Der Tempel hat einige Superlative zu bieten. So ist der Todai-ji das größte Holzbauwerk der Welt, denn er wurde ausschließlich aus Holz erbaut. Außerdem kann man dort die größte Bronze-Buddhastatue Japans bewundern. Die Bronzefigur ist 15 Meter hoch und wiegt fast 500 Tonnen.
Der Todaj-Ji Tempel ist fast genauso alt wie der zuvor genannte Kōfuku-ji. Er wurde um 750 in der Nara-Periode erbaut. Auch die Buddha-Figur soll aus dieser Zeit stammen. Laut Wikipedia wurde sie im Jahr 751 hergestellt. An seinem Bau sollen 50.000 Zimmerleute und 37.000 Metallschmiede beteiligt gewesen sein. Unglaublich, oder? Ich bin sehr ehrfürchtig durch die Anlage spaziert, denn allein das Alter macht den Ort magisch. Stellt euch vor, das war schon vor über 1000 Jahren ein spiritueller Ort. Das beeindruckt mich immer wieder zutiefst.
Todaj-Ji-Tempel, 406-1 Zoshicho, Nara City, Nara
Öffnungszeiten: täglich 7.30 bis 17.30 Uhr




Die Gegend um Nara bietet zahlreiche Wanderrouten, sagenhafte Landschaften und zauberhafte Ausblicke. Daher haben wir natürlich eine Wanderung in Nara unternommen. Wir haben uns für ein Stück des alten Pilgerwegs entschieden. Die Route ist sehr abwechslungsreich, nicht allzu schwierig und voller schöner Fotospots. Der Weg war mit nur etwa 5 km relativ kurz, dennoch gab es sehr viel zu entdecken. Er ist sehr gut ausgeschildert und beginnt kurz hinter dem Todaj-ji-Tempel im Nara-Park.
Der Wanderweg führte uns durch eine nebelverhangene Gebirgslandschaft. Alles sah sehr mystisch aus. Die Gegend war sehr waldreich, doch die Berggipfel waren nur spärlich bewachsen und sehr steinig. Auf fast der Hälfte des Weges trafen wir auf die zahmen Nara-Hirsche, die entspannt am Weg grasten. Am Berggipfel angekommen, hat man einen traumhaften Ausblick und es gibt einige Picknick-Möglichkeiten, denn die Japaner lieben Picknicken. Der Rückweg führte durch mystische Wälder, an einigen Wasserfällen und kleinen Seen entlang. Dieser Wanderweg lässt sich wunderbar in die Tempel- und Stadterkundung einbeziehen, da er keine besonderen Fähigkeiten oder aufwendige Ausrüstung erfordert.
Link zur Wanderung für Komoot: Mount Wakakusa Wanderung


In der Innenstadt von Nara gibt es zwei weitere sehenswerte und sehr alte Tempel, die jedoch kaum bekannt sind. Während die großen Tempel von Touristen überrannt werden, trifft man an den beiden sehr alten Tempeln am Rande der Innenstadt kaum einen Menschen. Die Atmosphäre dort habe ich sehr genossen. Beide Tempel liegen direkt nebeneinander.
Besonders begeistert haben mich die alten Wand- und Deckengemälde im Rencho-ji-Tempel, denn sie sind fantastisch und einzigartig. Ich hätte sehr gerne mehr über die Motive erfahren, doch wo keine Touristen sind, gibt es auch keine Erklärungen.
Rencho-Ji Temlel, 426 Aburasakacho, Nara
Den Gango-Ji Tempel eIch empfehle den Gango-ji-Tempel wegen seines alten Friedhofs. Der Friedhof ist voller alter Steine, die sehr wahrscheinlich aus verschiedenen Epochen stammen. Es handelt sich dabei aber nicht um klassische Grabsteine, wie wir sie in Europa kennen, sondern um kleine Buddha-Figuren oder Stupas. Sie sind dicht an dicht gestellt und zum Teil moosbedeckt. Alte Friedhöfe gehören für mich immer zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten einer Stadt – egal, wo.
Gango-Ji Tempel, 11 Chuincho, Nara


Nara war einst die Hauptstadt Japans und eine Kaiserstadt. Das ist schon sehr lange her, so etwa 1300 Jahre. Doch die Ruinen des Kaiserpalasts sind bis heute erhalten geblieben und die frühen Bauwerke werden originalgetreu nachgebaut. Der Begriff „Ruinen” ist vielleicht etwas übertrieben, denn die Bauwerke in Japan waren damals und sind oft bis heute aus Holz erbaut. Einige Grundmauern sind noch erhalten und können bewundert werden. Sie gehören mittlerweile zum UNESCO-Welterbe. Obwohl von der damaligen Zeit nur sehr wenig erhalten ist, ist die Stätte des Nara-Palasts ein sehr interessanter und informativer Ort..
Wir sind im Museum gestartet. Dort erfährt man sehr viel über das Leben am japanischen Kaiserhof um das Jahr 700 und ist erstaunt, wie fortschrittlich die Menschen damals lebten. Noch faszinierender fand ich jedoch die Bürokratie am kaiserlichen Hof. Ihr glaubt, dass Deutschland heute ein Bürokratiedschungel ist? Dann reist doch mal in die Nara-Periode nach Japan, ihr werdet staunen. In der Mitte der Anlage befindet sich prominent die Audienzhalle des Kaisers, in der man auch den Nachbau des Throns bestaunen kann. Die Guides erklären in perfektem Englisch, wie die kaiserlichen Empfänge abgehalten wurden. Auch eines der Palasttore wurde wieder aufgebaut. Das imposante Tor ist ähnlich prachtvoll gestaltet wie die Audienzhalle. Zuletzt könnt ihr ein Informationszentrum zum Wiederaufbau besuchen, in dem archäologische Funde und aufbereitete Materialien ausgestellt sind.
Die Nara Palace Site befindet sich noch im Aufbau. Ich bin jedoch überzeugt, dass daraus irgendwann ein sehr interessantes und informatives Freilichtmuseum entstehen wird. Ich fand es bereits jetzt sehenswert.
Nara Palace Site, 3-5-1 Nijoojiminami, Nara City, Nara Pref. 630-8012
Öffnungszeiten: täglich 9.00 bis 17.00 Uhr; Der Eintritt ist kostenlos.
Anreise: Nara Hauptbahnhof – die Buslinien 160/164 oder Zug: Station Yamato-Saidaiji



Wenn ihr schon einmal auf meinem Blog vorbeigeschaut habt, wisst ihr, dass ich nostalgische Restaurants, Cafés und Hotels liebe und versuche, sie zu finden. Japan ist voller traditioneller Häuser, die an die japanische Vergangenheit und Traditionen erinnern, aber auch oft europäische Nostalgie zelebrieren. Hier kommen einige genussvolle Empfehlungen für alle, die in die Vergangenheit eintauchen möchten. Denn nirgendwo habe ich so wunderbare Lokale entdeckt wie in Japan, denn es ist das Land der Nostalgiker.
Britain at its best … oder so, wie sich die Japaner eine englische Teestube vorstellen. Die frisch gebackenen Köstlichkeiten werden auf altem englischen Porzellan serviert, der Tee wird in einem Teacozy warm gehalten, die Gardinen und Stühle sind mit Rosen bedruckt und überall stehen antike Möbel und Bücher. Die Scones waren besser als in Großbritannien, denn die Japaner lieben Tee und Scones. Und der Kuchen war göttlich. Ich fühlte mich wie in England.
Anne Marie Café, 10 Higashimuki Kitamachi, Nara City


Die Japaner haben ein Händchen für absolut individuelle Cocktailkreationen in altmodischen Bars. Auch diese Bar hat den perfekten Country-House-Style: dunkle Hölzer, Chesterfieldmöbel, Messinglampen und alte Koffer … Ich liebe es. Und die Drinks sind ein Genuss. Eine Karte gibt es nicht, also lasst euch von den Barkeepern beraten. Mein Favorit war ein Gin mit Gyokuro (Grüntee), Yuzu und noch etwas … Es hat perfekt harmoniert. Mein Mann hat die japanischen Whiskys genossen. Nicht ohne Grund gehört die Bar zu den 50 besten Cocktailbars Asiens.
Lamp Bar, 26 1F Tsunofuricho, Nara City


Zum Abschluss des Artikels möchte ich gerne noch ein Hotel bzw. eine Hotelkette empfehlen: Die Onyado Nono Hotels sind in mehreren größeren Städten vertreten. Sie bieten den Komfort klassischer Hotels und die traditionelle japanische Atmosphäre eines Ryokans. In diesen gehobenen Hotels ist die schlichte Eleganz allgegenwärtig. Besonders ist, dass überall Tatami-Matten ausgelegt sind und das Hotel nur barfuß betreten werden kann. Bei den Übernachtungen kann man wählen, ob man in einem Bett oder auf Tatami-Matten schlafen möchte. Wir entschieden uns für die Tatami-Matten, die aufgrund der hochwertigen Matratzen sehr bequem waren.
Das Onsen (heißes Bad) im Onyado Nono Hotel war das schönste auf unserer ganzen Reise. Es bestand aus mehreren Pools auf dem obersten Stockwerk. Neben einem heißen und einem kühleren Pool gab es einen Außenpool mit heißem Wasser. Ich habe jeden Abend im Onsen verbracht. Neben den verschiedensten kostenlosen Produkten gab es Eis oder Yakult für die Zeit nach dem Bad. Abends gab es für alle Gäste eine kostenlose Mitternachtssuppe und eine große Auswahl alkoholfreier Getränke. Wir haben die Zeit in diesem Hotel besonders genossen.


Viele fragen mich, welche japanische Stadt mir am besten gefallen hat. Es ist Nara. Denn Nara ist eine sehr alte Stadt mit einer 1000-jährigen Geschichte. Es gibt dort viele alte Bauwerke und bedeutende Tempel. Aber vor allem ist Nara nicht so überlaufen wie Kyoto. Natürlich kommen viele Besucher nach Nara, denn die zahmen Rehe sind ein absoluter Touristenmagnet und sehr fotogen. Doch viele Besucher kommen nur für einen Tag und reisen abends wieder ab. Abends ist Nara entspannt und ruhig. Auch verirrt sich kaum ein Besucher abseits der Innenstadt. Selbst die Tempel, die nicht direkt an der Hauptstraße liegen, sind menschenleer. Beim Wandern trifft man ebenfalls nicht viele Menschen. Wenn ihr eine Reise nach Japan plant, ist Nara auf jeden Fall einen Besuch wert.
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