Gut Böckel Wege durch das Land

In Ostwestfalen gibt es eine bezaubernde Veranstaltungsreihe „Wege durch das Land“ – durch diese Veranstaltungen entdecke ich immer wieder Orte, die so nah sind, so sehenswert und doch völlig unbekannt für mich.

Eine der Veranstaltungen führte mich auf Gut Böckel, ein Rittergut, auf dem… Rainer Maria Rilke dichtete, Martin Heidegger philosophierte und Theodor Heuss Besuche abstattete. Heute ist das Gut im Besitz der Unternehmerfamilie Leffers, denen anteilig die Warenhauskette SinnLeffers gehört.

Gut Böckel Wege durch das Land

Das Rittergut ist alt, erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1350, es gehörte damals dem Ritter Alhard von dem Bussche. Das ostwestfälische Geschlecht der von dem Bussche gehört zum Uradel des Ravensberger Landes, das ist die Gegend um Bielefeld, Halle und Herford. Die damalige Burg Altenböckel stand nordöstlich des heutigen Anwesens.

1495 ging das gut in den Besitz der Familie Quernheim über, 1540 wurde es von der Familie von Voss aufgekauft. In dieser Zeit trug das Gut den Namen Voßböckel, am Torbogen des Eingangs kann man heute noch den Wappen der Familie von Voß bewundern.

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Das heute noch erhaltene Barocke Äußere des Gutshofes stammt aus dem Jahr 1682. Verschiedene Besitzer folgten. Im Jahre 1874 erwarb Leopold König, ein Großindustrieller, das Gut, seine Enkelin, die Schriftstellerin Hertha König öffnete es für Kunst und Kultur.

Gut Böckel Wege durch das Land

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Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Hertha König (1884-1976), war eine deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Betreiberin eines literarischen Salons, in dem sich wichtige Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur trafen. Geboren wurde Hertha König auf Gut Böckel, dort starb sie auch, zwischendurch lebte sie aber auch in München, Freiburg oder auf einem Einsiedlerhof in Oberbayern. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahre 1927 übernahm sie die Verwaltung des Gutes Böckel und verbrachte den Rest ihres Lebens dort. Seit dem diente das Gut als Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen. Eine umfassende Kunstsammlung erwarb sie, unter anderem mit Werken von Pablo Picasso, Emil Nolde und Paul Klee, diese ist inzwischen leider aufgelöst. Eine enge Freundschaft zu Rainer Maria Rilke verband sie, daher besuchte er mehrfach das Rittergut.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg pflegte Hertha König Bekanntschaften zu bedeutenden Zeitgenossen, so besuchten der Philosoph Martin Heidegger oder der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss.

„Amazone“ von Hertha König (aus „Die Alte Stadt“, 1925)
Dunkle Kraft in mir
Trieb mich von Haus
An die Gefahr hinaus
Und die Begier
Nach dem stärkeren Du,
Das den Kampf übersteht,
Wenn es aufs Letzte geht,
Trieb mich dem Feinde zu.
Ohne Sehnsucht und Liebesglut
Glauben sie mich. Mit nichten!
Harnisch und Lanze trügen.
O nach Liebe flammt mein Blut.
Aber verzichten –
Nicht begnügen.
Herta König

Hertha König (Bildrechte: Pendragon-Verlag, Bielefeld)

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Kleid: Cream; 
Strumpfhose TK Maxx, 
Kette: Mango
Jacke: one green elephant, 
Tasche: Bershka
Schuhe: Neosens

„Wege durch das Land“ ist eine Veranstaltungsreihe, die in ganz Ostwestfalen stattfindet. Als Veranstaltungsorte werden sehr oft Schlösser oder Gutshöfe gewählt, die im Privatbesitz sind, normalerweise bekommt man sie nicht zu sehen. Für mich sind es oft interessante Neuentdeckungen. Die Events sind für viele Sinne gemacht, sie beinhalten Lesungen aus aktuellen Büchern und aus Klassikern, Konzerte und Essen und Wein in der Pause. Hier noch ein Blick auf das Programm der letzten Veranstaltung:

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Gut Böckel Wege durch das Land

Erstellt am Juni 4, 2015


4 Antworten zu “Gut Böckel – ein Rittergut mit Kulturprogramm”

  1. ela sagt:

    Wege durch das Land klingt nach einer wunderbaren Aktion. Schade, dass es sowas bei uns nicht gibt. Da wäre sicher einiges zu entdecken auch.
    Das Gut sieht ein wenig verwunschen aus, da kann ich nachvollziehen, dass man dort in Laune kommt Gedichte zu schreiben. Und du würdest dich als Gutsherrin auch eignen 🙂
    Liebe Grüße Ela

  2. Lorkyn sagt:

    Ohhh, alte Steine und schöne Berichte. Ich liebe Schlösser, Burgen und Ruinen, hier schau ich doch mal weiter zu! Liebe Grüße 🙂

  3. Marisa M sagt:

    sehr schöner Post! 🙂 solche Gemäuer haben immer etwas sehr faszinierendes an sich 🙂
    lg

  4. das gut finde ich unheimlich schön, es erinnert mich ein wenig an schloß rammenau.
    liebe gruesse und hab ein schönes wochenende!

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