Die Klagemauer kennt vermutlich jeder, sie ist eins der Wahrzeichen von Jerusalem. Es ist DIE religiöse Stätte des Judentums. Den Tunnel unter der Klagemauer kennen vermutlich deutlich Weniger und trotzdem ist der Besuch des unterirdischen Jerusalem ein Highlight.

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Die Klagemauer ist ein Teil der einer alten jüdischen Tempelanlage, des zweiten Jerusalemer Tempels. Der erste Tempel von Jerusalem wurde unter König Salomo erbaut und 600 v. Ch. von Babyloniern zerstört. Nach der Babylonischen Gefangenschaft, als die Juden wieder nach Judäa wiederkehren konnten, wurde der zweite Tempel erbaut, 515 v. Chr. Im Jahre 19 v. Ch. hat König Herodes (der Kindermörder von Bethlehem) begonnen, den Tempel auszubauen, zu renovieren und deutlich prachtvoller umzugestalten. Um den Tempelberg legte er Stützwände an, er baute unterirdische Gänge und Zugänge. Zerstört wurde dieser Tempel 70 n. Ch von den Römern, die Westmauer und die unterirdischen Mauern sind das, was heute vom zweiten Tempel geblieben ist.

Die Klagemauer ist die westliche Mauer des Tempels von Jerusalem. Der Vorplatz vor der Klagemauer soll früher eine Synagoge gewesen sein, daher gilt er als geweihter Boden. An der Stelle, wo sich angeblich der Tempel von Jerusalem befand, stehen heute der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee, zwei der wichtigsten Gotteshäuser der Moslems. Die Juden haben keinen Zutritt zum Tempelberg.

Viele Menschen stecken ihre Gebete und Wünsche in die Spalten der Mauer. Jeden Monat werden diese Zettel gesammelt und auf dem Ölberg bestattet.

Der Tempel von Jerusalem war der Ort, an dem Gott in die irdische Welt einfließen konnte. Nirgendwo waren die Menschen näher an Gott als im Tempel von Jerusalem und heute an der Klagemauer. An dieser Stelle ist die Chance am größten, dass die Gebete der Menschen erhört werden, daher werden die Zettel in die Mauer gesteckt. Auch die Gebete der Nichtjuden werden am Tempel von Jerusalem erhört, das soll schon König Salomo gesagt haben.

Ein großer Teil der Klagemauer befindet sich unterirdisch. Unter der Klagemauer ist ein fast 500 m langer Teil der Klagemauer , während der obere Teil der Klagemauer nur ca. 60 m misst.

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Menschliche Zivilisation soll es auf dem Tempelberg schon vor 15.000 Jahren gegeben haben, die ältersten Funde von Töpferwaren sind so alt.

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Der Tunnel wurde von Charles Wilson und Charles Warren während der Ausgrabungen an der Klagemauer im 19. Jahrhundert entdeckt. Übrigens, Charles Warren (1840-1927) wurde nach seiner Archäologenkarriere zum Chef der Londoner Polizei ernannt und jagte erfolglos Jack the Ripper.

Der Tunnel gleicht einer unterirdischen Stadt, es gibt dort verschiedene Straßen und Abzweigungen. Es wird vermutet, dass vieles noch gar nicht freigelegt wurde. Ausgrabungen auf dem Tempelberg sind jedoch verboten. Der Teil, der heute begehbar ist, läuft entlang einer herodianischen Straße.

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In der Nähe des Warren-Tors, einem der früheren 4 Eingänge zum Tempelberg, gibt es eine kleine unterirdische Synagoge. An dieser Stelle können Juden Gott am nächsten kommen. Auch in die unterirdische Klagemauer werden Gebetszettel gesteckt.

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Die Steine des Tunnels sind gewaltig. Der größte Stein, auch der Klagestein genannt soll 510 Tonnen wiegen. Der Tunnel bzw. die Steine sollten als Befestigung des Tempels dienen. Die Stützen wurden trotz der Zerstörung des Tempels verschont, da sie unterirdisch lagen.

Während der Ausgrabungen werden bis heute viele alte Artefakte aus verschiedenen Epochen gefunden. Die Israelis versuchen durch Ausgrabungen ihre Existenberechtigung in Israel zu beweisen, während Palästinenser versuchen, sie eher zu verbieten oder zu begrenzen. Manchmal versuchen sie sogar, die Spuren jüdischer Geschichte zu vernichten. Die Existenz eines Tempels auf dem Tempelberg wird von vielen bis heute verleugnet.

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Der Eingang zu den Tunneln befindet fast direkt neben der Klagemauer, auf der linken Seite. Besuch ist nur im Rahmen einer Führung möglich (Englisch oder Hebräisch). Der Eintritt kostet ca. 7 €.

Erstellt am Dezember 26, 2014


4 Antworten zu “Der Tunnel unter der Klagemauer / Western Wall Tunnels in Jerusalem”

  1. fantastisch, danke für die tollen eindrücke!
    liebe gruesse!

  2. Rostrose sagt:

    Eine spannende Exkursion, auf die du uns da mitgenommen hast, liebe Maegwin!
    Ich habe auch dein voriges Posting mit Interesse gelesen und mir die Bilder dazu angesehen, denn (vor allem) Jerusalem steht auch auf unserer Liste. Allerdings warten wir noch (vielleicht ewig) darauf, dass sich dort die Lage RICHTIG SPÜRBAR bessert… Das ab und zu doch mulmige Gefühl, das du beschrieben hast, möchte ich nämlich im Urlaub nicht unbedingt haben – selbst (oder erst recht) an einem Ort nicht, der so geschichtsträchtig und voll mit Sehenswertem ist und den ich spätestens besuchen möchte, seit ich "Die Entdeckung des Himmels" gelesen habe. (Und du weißt, wir treiben uns öfter mal an Orten herum, wo manche fragen "Habt ihr dort keine Angst gehabt?" Religiöse Fanatismusgeschichten sind mir einfach zu unberechenbar, vielleicht liegt's daran, dass ich in Sachen Israel feiger bin als anderswo.) Bethlehem hätte mich ursprünglich auch gereizt (es gibt Theorien, dass mein Familienname aus dieser Gegend stammt), da klang deine Beschreibung allerdings nicht so euphorisch… Nun, ich lasse mir einfach noch Zeit, eines Tages soll es vielleicht sein, dann sehe ich das alles mit meinen eigenen Augen. Und wenn nicht, habe ich hier bei dir zumindest einen schönen Überblick bekommen…
    Alles Liebe und ein schönes,
    erholsames Wochenende, Traude
    *♥♫♫♥**♥♫♫♥**♥♫♫♥**♥♫♫♥**♥♫♫♥**♥♫♫♥*

  3. Maegwin sagt:

    Ja, Du hast recht, es ist wirklich unberechenbar. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es nicht mein letzter Besuch in Israel war, das Land hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Ich wünsche allen dort und auch uns beiden, dass dort wieder mehr Ruhe einkehrt.

  4. Salo sagt:

    Das sieht ja spannend aus! Ich finde so Tunnelsysteme zwar immer ein wenig gruselig (liegt wohl an meiner Vorliebe für Horrorfilme, die in Höhlen ablaufen), aber würde mich auch mal reizen den zu besuchen!
    Alles Liebe, Salo

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