*Werbung*

Das Kloster Jerichow ist das älteste Backsteingebäude Norddeutschlands. 900 Jahre Geschichte kann man hier entdecken, denn das Kloster wurde im Mittelalter erbaut. Das Kloster Jerichow gehört zu den beliebtesten Freizeittipps im Elb-Halvel-Winkel. Im Rahmen der Aktion #Freizeitspione wurden Bürger der Gegend nach den beliebtesten Freizeitaktivitäten und Ausflugsorten befragt – das Kloster Jerichow kam auf Platz 6! Das hat mich sehr gewundert, denn ich besuche viele historische Sehenswürdigkeiten und diese gehören eher selten zu Publikumsmagneten. Ich war sehr gespannt, was das Kloster zu bieten hat. Macht Euch mit mir heute auf die Spuren der Prämonstratenser-Mönche durch 900 Jahre Geschichte. Denn beim Spaziergang durch das Klostergelände fühlt man sich ins Mittelalter versetzt.

Altmark Sehenswürdigkeiten, Kloster, Straße der Romanik

Geschichte des Klosters Jerichow

Der Bau des Klosters begann Mitte des 12. Jahrhunderts. Die ältesten Teile des Klosters wurden im Stil der Frühromanik erbaut. Die Basilika wurde etwas später im Stil der Spätromanik erbaut. Die Türme, die zuletzt erbaut wurden, lassen schon auf die Frühgotik schließen. Wie bei so vielen Bauwerken, die über mehrere Jahrzehnte gebaut wurden, kann man hier die Veränderung der Stile beobachten.
Wie so viele Klöster in Deutschland, war das Kloster Jerichow nur bis zum 30-jährigen Krieg ein Ordenshaus. Danach wurde es säkularisiert. Es wurde zu einem Wirtschaftsbetrieb mit Landwirtschaft und Brennerei. Während der DDR-Zeit war es ein Volksgut mit einem Lehrlingswohnheim. Erst seit dem Jahr 2004 ist das Klostergelände als Museum zugänglich.

Prämonstratenser-Orden

Der eher weniger bekannte Orden wurde in Frankreich im Mittelalter, im Jahr 1120 gegründet, mit dem Bau des Klosters Jerichow wurde nur knapp 30 Jahre später begonnen. 

In der Einleitung habe ich von Prämonstratenser-Mönchen gesprochen, doch das ist nicht ganz korrekt. Der richtige Begriff sind die Prämonstratenser-Chorherren. Genau genommen ist Jerichow auch kein Kloster, sondern ein Chorherrenstift. Da aber kein Mensch bei Google nach dem Chorherrenstift Jerichow suchen wird, bleibe ich beim Kloster, denn schon im Mittelalter war es die gängige Bezeichnung und die Bezeichnung Kloster ist geblieben. Die Ordensbrüder und später auch Ordensschwestern lebten nach dem Ideal der Urkirche, in Enthaltsamkeit und Unterordnung unter die Gemeinschaft. Der Gründer Norbert von Xanten blieb ein Wandermönch und gründete viele neue Klöster in ganz Europa. Im Osten Deutschlands gehörte die Christianisierung der slawischen und wendischen Stämme zu den wichtigsten Aufgaben des Ordens. 

Kreuzgang des Klosters Jerichow

Backsteinmuseum

Backstein ist etwas Typisches für Norddeutschland. Die meisten noch erhaltenen Gebäude aus dem Mittelalter oder der frühen Renaissance sind aus Backstein gebaut, natürlich auch das Kloster Jerichow. Deswegen gibt es hier ein kleines Backstein-Museum, wo man aber nicht nur etwas über die Backsteinherstellung lesen kann. Man kann hier den Backstein selbst machen. Das Museum wird besonders gerne und zahlreich von Kindern besucht, da die Backsteinherstellung macht viel Spaß. Hier sehen die Besucher, wie viele Schritte man für die Schaffung von einem Stein aus Lehm braucht. Erst dann versteht man, dass die Bauzeit des Klosters Jerichow mehr als 40 Jahre betrug. 

Der Klostergarten von Jerichow

Hinter dem Kloster kann man einen kleinen Obst- und Gemüseanbau anschauen. Dort werden alte Sorten angebaut oder zumindest das, was als alte Sorte vermutet wird. Denn nicht von jedem Obst oder Gemüse weiß man heute, wie lange es schon kultiviert wird. Da man im Klostergarten Hoch- und Flachbeete findet, sieht der Kenner sofort, dass es sich nicht um einen Original-Klostergarten handelt. Ein Denkmal-Garten nach altem Vorbild ist aber geplant. 

Klostergarten Kloster Jerichow, alte Gemüsesorten im Kloster, Romanische Kirchen in der Altmark
Im Klostergarten werden alte Obst- und Gemüsesorten angebaut.

Brennerei im Kloster Jerichow

Im Klosterladen werden Klosterschnäpse und -liköre aus der Brennerei des Klosters Jerichow verkauft. Eine Brennerei gibt es im Kloster allerdings nicht mehr, der Alkohol wird hier lediglich veredelt. Auf dem Klostergelände gibt es aber noch einen alten hohen Schornstein, der an eine Industrieanlage erinnert. Das ist der Überrest der alten Brennerei. Der Schornstein ist erhalten geblieben, weil beim Abriss der Brennerei ein Storch dort sein Nest hatte. In der neuen Brennerei werden Führungen angeboten, besonders der Brenner-Abend mit Schlachteplatte ist ein großer Renner. Für den Brenner-Abend gibt es auch offizielle Termine, wo man sich ohne eine Gruppe anmelden kann, diese sind aber sehr begehrt, daher schnell ausgebucht. Mehr Infos findet Ihr auf der Webseite der Klosters.

Brennerei im Kloster Jerichow, Kloster im Winter

Lohnt sich ein Besuch im Kloster Jerichow?

Nicht ohne Grund gehört das Kloster zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Region, die Anlage ist so vielfältig, dass hier vermutlich jeder etwas für sich entdecken kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass das der Grund war, warum das Kloster Jerichow zu den Top Ausflugstipps in der Altmark gehört, denn ca. 30.000 Besucher kommen jedes Jahr hierher. Die alten Mauern sind an sich schon unglaublich, so düster und geheimnisvoll und voller Geschichte. Ein Gang durch den Kreuzgang des Klosters ist wie eine Reise in die Vergangenheit

Beliebt ist das Kloster auch als Heirats-Location, weil hier die Nebenstelle des Standesamtes ist. Der große Saal kann für Veranstaltungen gebucht werden und ist besonders bei Hochzeiten oder Tagungen beliebt. 

Jedes Jahr findet hier ein Mittelalterfest statt, bei dem sehr darauf geachtet wird, dass die Stände wirklich ein mittelalterliches Vorbild haben. Alles sollte so original wie möglich sein. Das Mittelalterfest im Kloster Jerichow findet an jedem zweiten Wochenende im Juli statt.

Und am Ende eine Legende

Die Legende vom unterirdischen Gang, der das Kloster mit der Stadtkirche von Jerichow verbinden soll hält sich hartnäckig. Doch der Gang wurde bisher nicht gefunden. Im Mittelalter soll es zahlreiche Raubritter in der Gegend gegeben haben, die immer wieder das Kloster überfielen. Mönche sollen den unterirdischen Gang angelegt haben, um sich dort vor den Räubern zu schützen. Bis heute wird angeblich erzählt, dass in den Kellern am Altstädter Berg in Jerichow manchmal Schritte gehört werden.
Die Sage stammt aus dem Buch „Die schwarzen Führer: Sachsen-Anhalt“*

*Affiliate Link zu Amazon, d.h. wenn du über diesen Link etwas bestellst, zahlst Du keinen Aufpreis, ich bekomme aber eine kleine Provision.

Der Beitrag entstand im Rahmen einer gesponserten Bloggerreise. Vielen Dank für die schöne Zeit!

Erstellt am November 18, 2019

Ähnliche Posts


4 Antworten zu “Kloster Jerichow – 900 Jahre Geschichte in alten Mauern”

  1. Vielen Dank, dass du uns diese wundervolle Anlage so detailliert vorstellst, Eva. Nimm es mir aber bitte nicht über, wenn ich dich bei der Baugeschichte etwas korrigiere. Ich habe in Jerichow viele Jahre geforscht. Die Anlage war ein wesentlicher Teil meiner Dissertation. Gerade Krypta und Apsiden sind eben nicht die ältesten Teile der Anlage. Baubeginn war wie üblich im Osten mit dem Hauptchor und der Hauptapsis. Der Grundriss war aber ein anderer als heute. Krypta und Nebenchöre mit Nebenapsiden sind spätere Zutaten, die aber mit nicht zu langem zeitlichen Abstand zum Erstbau errichtet wurden. Auch das Langhaus endete ein Joch weiter östlich als es am heutigen Bau. Die Doppelturmfassade ist in der Tat eine spätere Zutat, die um 1240 begonnen wurde. Die absolute Datierung des Erstbaus ist dagegen bis heute in der Forschung umstritten. Baubeginn ist sowohl um 1150 als auch um 1180 denkbar. Aber gerne schmückt man sich in Jerichow mit dem Titel des ältesten Backsteinbaus Norddeutschlands. Wirklich gesichert ist das nicht.

    Viele Grüße, Damian

    • Burgdame sagt:

      Danke für die Infos! Ich freue mich, dass Du es berichtigst, denn meine Infos habe ich aus dem Netz und die müssen nicht unbedingt richtig sein. Daher habe ich den Teil gelöscht, in der Hoffnung, dass die meisten den Artikel zu Ende lesen und dann Dein Kommentar dazu lesen. Das ist ein spannendes Dissertationsthema, vor allem muss es toll sein, an so einem Ort wie das Kloster Jerichow zu forschen. Ich hoffe, auf Deinem Blog mal mehr darüber zu lesen. Grüße zurück!

  2. Shadownlight sagt:

    Wunderschön, danke fürs „Mitnehmen“.
    Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.