Ich wohne in einer Gegend, die fürs Wandern geradezu geschaffen wurde. Der Teutoburger Wald und das Eggegebirge sind perfekt für Wanderungen jeder Art, sowohl für leichte Spaziergänge als auch für anspruchsvollen Bergtouren. Nebenbei bietet jede Wanderung neue Entdeckungen für mich. Ich dachte, dass ich alle Burgen und Schlösser im Umkreis von ca. 100 Km kennen würde, doch was für ein großer Irrtum war das. Dieses Mal entdeckte ich das Schloss Borlinghausen, von dem ich bis dato noch nie etwas gehört habe.

Große Schneemassen, eisige Kälte, doch in der Sonne glitzert der Schnee wie Millionen Swarovski-Steine. Es ist wunderschön. Trotz deutlicher Minustemperaturen ist mir warm, denn die Wanderung durch die Berge ist nicht immer leicht. Zum Teil sind die Wege nicht geräumt, da muss ich durch knöchelhohen Schnee stapfen. Die Fußspuren anderer Wanderer erleichtern das. Wandern entspannt, macht den Kopf frei, bietet neue Reize und Entdeckungen, trotzdem habe ich das Wandern erst sehr spät entdeckt. Inzwischen heißt es beim guten Wetter nur noch „Raus aus dem Haus“.

WANDERN UM BORLINGHAUSEN BEI WILLEBADESSEN

In der Gegend um Willebadessen gibt es sehr viele Wanderwege, alleine in der Gegend um Borlinghausen existieren vier empfohlene Wanderstrecken. Die Wanderwege starten alle an der Kirche, gegenüber vom Schloss, entsprechend gut kann man dort parken (falls der Parkplatz nicht völlig zugeschneit ist). Die Länge der Wanderwege ist sehr unterschiedlich, für jede Kondition ist etwas dabei, von einem leichten Spaziergang von 2 Km bis zu der 8 Km Wanderung mit vielen Steigungen, die wir in Angriff genommen haben.

SCHLOSS BORLINGHAUSEN

Obwohl das Schloss mir bisher unbekannt war, ist es nicht unbedeutend. Wie man unschwer am Wassergraben erkennen kann, ist es ein Wasserschloss. Die ältesten Teile des Schlosses stammen vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Grafen von Spiegel verließen die Desenburg bei Warburg und siedelten sich in Borlinghausen an. In meinem Post über die Desenburg habe ich schon die Legende erzählt, wie das Grafengeschlecht von Spiegel zu ihrem Namen gekommen ist.

Werner und Katharina von Spiegel ließen Mitte des 16. Jahrhunderts die Burg in ein Wasserschloss im Stil der Weserrenaissance umbauen. Die Familie von Spiegel bekam immer mehr Bedeutung. 1807 wurde Freiherr von Spiegel-Borlinghausen der Kämmerer von Napoleons Bruder, Jérôme Bonaparte.

1839 wurde das Schloss an einen Bankier aus Braunschweig, Julius Bierbaum, verkauft. Im laufe der nächsten Jahrzehnte wechselte das Schloss noch häufiger die Besitzer, bis es 1926 vom Freiherrn von Weichs zur Wenne gekauft wurde. Bis heute befindet sich das Schloss im Besitz der Familie von Weichs. Da das Schloss im Privatbesitz ist, kann es leider nicht besichtigt werden.

BIERBAUMS NAGEL

Wie schon im oberen Abschnitt genannt, war das Schloss Borlinghausen Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz des Bankiers Julius Bierbaum. Dieser ließ für seine Ehefrau einen Aussichtsturm bauen, von dem man angeblich sogar den Herkules in Kassel sehen kann (ich hab ihn leider nicht erkennen können). Bierbaums Ehefrau stammt aus Kassel und litt an großem Heimweh. Bierbaums Nagel ist der älteste Aussichtsturm Ostwestfalens.

TEEEMPFEHLUNG UND KLOSTER WILLEBADESSEN

Das Kloster in Willebadessen habe ich schon in meinem Bericht über die Wanderwege zu mystischen Stätten beschrieben. Es ist ein ziemlich altes Benediktinerkloster,denn schon Mitte des 12. Jahrhunderts wurde es erbaut. Dass Willebadessen schon im 11. Jahrhundert geschichtlich bedeutsam war, könnt Ihr im Buch „Das Haupt der Welt von Rebecca Gablé lesen.

Eine Empfehlung für Willebadessen möchte ich dennoch aussprechen. Das Café „Die Kaffeebohne“ hat zwar die Charme einer Kantine, aber eine große Auswahl selbstgemachter Kuchen, verschiedene frisch gebackene Waffeln und eine beeindruckende Auswahl loser Tees sind probierenswert. Gute Tees sind in Cafés eher selten, daher verdient das eine Hervorhebung.

Eine Wanderung ist für mich umso schöner, wenn ich sie mit Geschichte und Kultur und auch mit etwas Genuss verbinden kann. Solche Empfehlungen gebe ich daher gerne weiter.

 

Erstellt am Februar 5, 2017


12 Antworten zu “Wanderwege Ostwestfalen: Wandern bei Willebadessen im Eggegebirge”

  1. Kerstin sagt:

    Bierbaums Nagel war eine meiner ersten Wanderungen, nachdem ich in diese Gegend gezogen bin. Dein wunderbarer Bericht macht nun aber Lust auf eine erneute Wanderung dorthin. Und Deinen Café-Tipp muss ich dann auch unbedingt ausprobieren.
    Liebe Grüße von
    Kerstin

  2. Maria sagt:

    Ich scheine unsere Umgebung viel zu selten zu erkunden, was wirklich schade ist bei dieser tollen Aussicht!

  3. Ela sagt:

    Für mich klingt ja Teutoburger Wald immer extra mystisch und voller gefährlicher gefahren 😉
    Aber das sieht ja richtig hübsch aus. Könnte ich also gleich mal auf die langsam unendlich werdende Liste an Zielen setzen. Und liegt sogar im erreichbaren Radius.
    Liebe Grüsse Ela
    P.S.: morgen gibt es bei mir ein linkup Winterwunderland und da würd dein Post super dazu passen. Vielleicht magst vorbei hopsen und ihn einhängen.

  4. shadownlight sagt:

    Du findest auch die kleinsten Schlösser :).
    Tolle Bilder sind entstanden!
    Liebe Grüße!

  5. Andrea sagt:

    Das Schloß würde euch auch gut stehen, und das Cafe setze ich mal auf meine Liste. LG, Andrea

  6. Thea sagt:

    Da fehlen also noch ein paar Bekannte in diversen Hoch/ und sonstigen Adel, so dass Du nicht mehr am Wassergraben aufhören musst über ein neues Schloss zu berichten ^^

    Die verschneiten Waldfotos sind wunderschön, und auch der Aussichtsturm sieht so verwunschen aus. Und der Bücherschrank gefällt selbstverständlich ebenfalls. LG Thea

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