Was kann man an einem Wochenende in Nürnberg machen? Meine Tipps zu den Sehenswürdigkeiten von Nürnberg sind vielleicht untypisch für ein Mädelswochenende, für meine Leser aber vermutlich nicht ungewöhnlich. Im heutigen Post erzähle ich, was ich mit zwei anderen Damen alles besichtigt, angeschaut und genossen haben.

Seit ich blogge, habe ich schon einige Blind-Dates gehabt, ein ganzes Wochenende mit Mädels, die ich fast gar nicht oder gar nicht kenne, war für mich dennoch eine Premiere. Denn Kerstin von glitzerdings.net habe ich bisher nur einmal zum Kaffee getroffen und Michaela von elablogt kannte ich noch gar nicht. Die Wahl ist auf Nürnberg gefallen, da Ela aus München kommt und Kerstin und ich aus Ostwestfalen – als Treffpunkt kamen die Städte „auf dem Weg“ in Betracht. Natürlich trifft man sich, wenn man schon im Vorfeld merkt, dass man einige Gemeinsamkeiten hat. Dass ich mit den beiden Burgen besteigen, Friedhöfe besuchen, unterirdische Gänge erkunden oder Kunst genießen kann, war schon etwas Besonderes.

Eva, Kerstin, Michaela (von links nach rechts)

EIN SPAZIERGANG DURCH NÜRNBERGS ALTSTADT

Nürnberg hat eine so eine reizvolle Altstadt, dass man vermutlich Stunden verbringen kann, indem man nur durch die Gassen schlendert, die Fachwerkhäuser bewundert und die Architektur und Ausblicke genießt. Die Stadt mit ca. 500.000 Einwohnern hat hinter jedem Winkel eine neue Überraschung zu bieten, sogar von der Starbucks-Terrasse hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Pegnitz.

Ein Spaziergang am Ufer der Pegnitz ist besonders charmant, zum Beispiel kann man am Fluss von der Altstadt zum St. Johannis Friedhof laufen. Um sich in Nürnberg wohl zu fühlen, muss man kein Power-Sightseeing machen. Wenn man wenig Zeit hat, reicht etwas Lustwandeln.

ST. LORENZ BASILIKA

Mitten im Zentrum, in einer der Haupteinkaufsstraßen findet man die Basilika St. Lorenz. Die Kirche gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Mehr als 200 Jahre wurde die gotische Basilika gebaut, von ca. 1250 bis 1477. Auch wenn man Kirchen nicht mag und sich für Religion nicht interessiert, lohnt sich ein Besuch hier. Kirchen gehören nun mal zu den prachtvollsten Gebäuden ihrer Zeit, sehenswert finde ich sie immer. Gotische Kirchen sind einmalig, die filigranen Verzierungen, die unglaublichen Lichtverhältnisse, die Vielfalt der Farben – für mich gehört Gotik zu den interessantesten Kunstepochen.

Die Basilika ist mit sehr vielen, vorwiegend mittelalterlichen Kunstwerken geschmückt. Zu den bedeutendsten gehört jedoch der „Engelsgruß im Rosenkranz“ (auch Englischer Gruß genannt) des mittelalterlichen Bildhauers Veit Stoß. Die Begegnung des Erzengels Gabriel mit Maria stellt der Engelsgruß dar. Die Bezeichnung „Englischer Gruß“ hat jedoch nichts mit England zu tun, die Bezeichnung „englisch“ stammt hier vom Engel ab.

Blick auf den Altar der St. Lorenz Basilika

Engelsgruß des Bildhauers Veit Stoß

Kerstin hat’s entdeckt: Spiderman hat schon im Mittelalter gelebt!

 

SANKT JOHANNISFRIEDHOF

Der Friedhof hat eine alte Tradition. Angelegt wurde er 1518, als aufgrund einer Pestepidemie den Menschen verboten wurde, die Toten innerhalb der Stadtmauer zu beerdigen. Der Friedhof liegt nördlich der mittelalterlichen Stadtmauer. An der Stelle des Friedhofs gab es schon im 13. Jahrhundert eine Aussätzigensiedlung und ein Gräberfeld für Lepratote.

Schnell wurde aus dem Pestfriedhof der größte und bedeutendste Friedhof von Nürnberg. Heute kann man dort Gräber der bedeutendsten Bewohner der Stadt besuchen, dazu gehört z. B. der Grafiker Albrecht Dürer, der Bildhauer Veit Stoß, der Globuserfinder Martin Behaim oder der Maler Anselm Feuerbach.

Heute wird der Friedhof auch Rosenfriedhof, da man dort eine Vielzahl Rosensträucher bewundern kann. Falls Ihr mehr über St. Johannis erfahren möchtet, lest den Artikel auf ARTpla.net „Unter Rosen gebettet“.

Grab, Veiß Stoß, Wit Stwosz,

Grab des Bildhauers Veit Stoß

Grab des Malers Anselm Feuerbach

Grab von Albrecht Dürer

 

SOULFOOD LOW-CARBERIA

Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, in ein Low-Carb-Café zu gehen, aber auf dem Friedhof war es kalt und das Café ist in unmittelbarer Nähe des St. Johannis-Friedhofs. Heißer Kaffee musste her, daher sind wir hier gelandet. Belohnt wurden wir nicht nur mit einfachem Kaffee, denn neben den üblichen Kaffeespezialitäten konnte man zwischen drei Sorten Filterkaffee wählen, normal, extra stark und aromageröstet. Die süßen Kleinigkeiten waren köstlich und ungewöhnlich – und schmeckten überhaupt nicht nach Low-Carb.

Weiße-Marzipan-Lebkuchen und Doppelschoko-Chili-Cupcake

HESPERIDEN-GÄRTEN – KLEINE BAROCKGÄRTEN

Nicht nur das Café, auch die Barockgärten findet man in unmittelbarer Nähe zum Friedhof. Der Eingang zu den Hesperidengärten befindet sich direkt neben dem Café. Die Gärten gehörten einst reichen Kaufleuten, die sich ein wenig Glanz des Adels in die eigenen Häuser holen wollten, daher bauten sie kleine barocke Lust- und Ziergärten. Der Name der Hesperiden stammt aus der griechischen Mythologie. Hesperiden waren die Töchter von Atlas, sie bewachten einen wunderschönen Garten mit goldenen Äpfeln, die ewige Jugend verliehen.

NÜRNBERGER BURG

Die Burgdame bin ich! Daher ist es klar, dass die Nürnberger Burg zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Reise gehört. Die Burganlage ist groß, imposant und sehr gut erhalten, bzw. nach den Kriegen wieder aufgebaut. Die Nürnberger Burg ist eine „Doppelburg“, denn die Anlage besteht aus zwei Burgen: der Kaiserburg und der Burggrafenburg.

Früheste Teile der Anlage stammen aus ca. 1000 n. Ch., aus der Zeit der Salierherrschaft. Im 12. Jahrhundert fiel die Burg an die Staufer. In dieser Zeit wurde sie zweite Burg, die Kaiserburg gebaut, denn diese sollte Konrad III als Königspfalz dienen. Die Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Friedrich II. und Heinrich VII. nächtigten hier häufig und gerne .Nach dem Machtverlusst der Staufer im 13. Jahrhundert fiel die Burg an die Stadt Nürnberg.

Eine Legende über die Burg habe ich natürlich auch entdeckt . Auf dem Gelände befindet sich angeblich ein Brunnen, der mit einem Schacht zum Karlsberg führt. Unter dem Karlsberg soll Karl der Große ruhen. Es gibt jedoch mehrere Berge, die sich mit dem berühmten Bewohner schmücken. In meinem Artikel über die Daseburg ist Ostwestfalen könnt Ihr mehr über die „Bergentrückung“ erfahren, warum so viele bedeutende Herrscher der Vergangenheit in Bergen ruhen.

PÂTISSERIE MACARON

Alle Blogger sind verrückt nach Macarons, uns eingeschlossen. Als wir an einem Macaron-Laden vorbeigingen, mussten wir einkehren. Die kleinen Köstlichkeiten gab es in sehr vielen exotischen Varianten, wie z. B. Erdbeer-Joghurt, Zitrone-Ingwer, Café-Noisette, Melone oder Rose. „Macaron“ ist aber auch ein Geschäft für Süßwaren, daher gibt es dort eine Vielzahl leckerer und edler Spezialitäten.

WOHNHAUS VON ALBRECHT DÜRER

Ein kleines Museum ist heute das Dürerhaus. Interessant und informativ fand ich es, unbedingt sehenswert. Man erfährt nicht nur etwas über das Leben des Künstlers, sondern vor allem etwas über seine Zeit. Es ist eins der wenigen Häuser in Nürnberg, die die Weltkriege fast unbeschadet überstanden haben. Des weiteren ist es das einzige noch erhaltene Haus eines Renaissance-Künstlers in ganz Europa.

Albrecht Dürer (1471-1528) war vielleicht der wichtigste deutsche Künstler der Renaissance. Er war nicht nur Maler oder Grafiker, sondern auch Mathematiker. Wohlhabend und angesehen war er, daher kann sich sein Haus sehen lassen. Dank einem Audio-Guide erfährt man viel über das Leben des Künstlers, z. B. dass er seine Löckchen jeden Morgen mit einem Lockeneisen frisiert hat (eitel war er – es hat sich aber gelohnt) oder dass er verbotener Weise eine Toilette in sein Haus einbauen lies – was damals streng verboten war.

Dürer-Haus

AUSTRALIAN BAR & KITCHEN

Deftige fränkische Restaurants gibt es in Nürnberg viele, es ist jedoch ganz schön schwer, am Wochenende einen Platz zu bekommen, wenn man im Vorfeld nicht reserviert hat. So sind wir in einem australischen Restaurant gelandet. Es ist perfekt, um meine Neugier nach etwas Neuem und Interessantem zu befriedigen. Entschieden habe ich mich für einen Octopus-Avocado-Burger mit Süßkartoffelpommes. Köstlich! Ich bereue es aber ein wenig, nicht die Heuschrecken in Speckmantel probiert zu haben.

SCHLOSS DER FAMILIE TUCHER

Das Stadtschloss der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Tucher kann es definitiv mit Schlössern von Adeligen aufnehmen. Erbaut wurde es zwischen 1533 und 1544 im Renaissancestil.

Im Schloss befindet sich heute ein Museum, welches das Leben der Familie Tucher zeigt. Zum Teil kann man dort Originalgegenstände der damaligen Bewohner bewundern. Interessant ist der Lebenslauf der Familie, denn geschickt haben die Kaufleute ihre Heiratspolitik betrieben und heirateten in die wichtigsten Nürnberger Adelshäuser ein.

FÜHRUNG DURCH DIE UNTERIRDISCHEN GÄNGE VON NÜRNBERG

Die historischen Felsengänge von Nürnberg waren ein Muss für mich, denn meine Stammleser kennen meine Vorliebe für die unterirdische Welt. Über die Katakomben von Paris, das unterirdische Maastricht, die Katakomben in Rom, die Hellfire Caves unweit von London oder den Tunnel unter dem Tempelberg in Jerusalem habe ich schon viel geschrieben. Dass auch Nürnberg von unterirdischen Gängen durchzogen ist, wusste ich bis dato nicht, aber als Ela eine Führung vorgeschlagen hat, waren wir alle begeistert.

Entschieden haben wir uns für eine Nachtführung „Nürnbergs vergessene Kellergeister“, in der Hoffnung, dass wir etwas Unbekanntes und Gruseliges über Nürnbergs Geschichte erfahren. Die von Schauspielern performte Führung hatte ihren Schwerpunkt eher auf Erschrecken und Klamauk, viel Neues erfuhren wir nicht. Die historische Führung wäre vermutlich eine bessere Alternative gewesen.

 

FAZIT

Zwei Tage waren wir in Nürmberg unterwegs, von Freitag Mittag bis Sonntag Mittag, unser Programm würde manch einem für eine ganze Woche reichen. Von Nürnberg waren wir begeistert, die Stadt ist alt, ist schön und hat unglaubliche Charme. Es gibt noch so viele Stationen, die wir nicht geschafft haben, daher muss wiederkommen. Für das nächste gemeinsame Wochenende haben wir auch schon ein Ziel gefunden, 2017 steht Bamberg auf dem Plan.

 

Erstellt am Dezember 19, 2016


13 Antworten zu “Blogger-Wochenende in Nürnberg – unsere Top Sehenswürdigkeiten”

  1. Ela sagt:

    Bamberg wir kommen! Ich freu mich echt schon so sehr, wenn wir uns wiedersehen werden.
    Und Nürnberg war echt toll, auf den Friedhof werde ich noch einmal fahren und nachholen was ich da verpasst hab. Ihr habt mir das einfach zu schmackhaft gemacht und dann deine Fotos dazu! Toll.
    Herzliche Grüße und sei gedrückt
    Ela

  2. Anette sagt:

    In Edinburgh gibt es auch allerlei unterirdische Gänge und entsprechende Führungen. Es ist unterirdisch sogar eine ganze Gasse erhalten, die früher auf Straßenniveau lag! Kann man sich kaum vorstellen.
    Nürnberg muss ich mir wirklich auch mal anschauen!

    • Burgdame sagt:

      In Edinburg war ich zwar, die unterirdischen Gänge kenne ich jedoch nicht. Aber dass ich sowieso noch mal nach Edinburgh muss, das ist wohl klar. Bin so verliebt in diese Stadt.

  3. Shan Dark sagt:

    Toller Artikel, Danke für die Tipps! Habe erst letztes Wochenende mit Freunden besprochen, dass wir da auch mal hinmüssen. Nürnberg lohnt sich! Und jetzt wo ich die Bilder hier sehe und deinen Bericht muss ich sagen: unbedingt! Besonders auch der Friedhof sieht interessant aus…

    Liebe Grusels
    Shan Dark

    • Burgdame sagt:

      Ohja, es lohnt sich auf jeden Fall. Der Friedhof ist toll, auch wenn sehr gedrängt. Es gibt aber noch den St. Rochus-Friedhof, der ist genau so alt sein, soll aber noch verlassener sein, mit viel altem Baumbestand.

  4. Pinkpetzie sagt:

    Ich weiß nicht, wie lange ich schon nach Nürnberg möchte. Irgendwie kommt immer was dazwischen oder ein anderes Ziel erscheint erst mal wichtiger. Deine Eindrücke haben mich auf jeden Fall bestärkt, die Reise nach Nürnberg nächstes Jahr wirklich mal anzugehen.
    Liebe Grüße an dich

  5. shadownlight sagt:

    Hey, endlich auch mal eine Stadt die ich ebenfalls kenne und traumhaft schön finde :). Danke für die tollen Impressionen!
    Liebe Grüße!

  6. Kerstin sagt:

    Wenn ich Deinen Beitrag lese ist es so als wären wir erst gestern dort gewesen. Toll geschrieben und supertoll war auch das Wochenende mit Euch! Freue mich auf Bamberg 🙂

    Herzliche Grüße von Kerstin

    P.S. Heuschrecken….*örks*

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