Niedersachsen ist nicht allzu bekannt als Burgenregion, dabei hat der Süden von Niedersachsen eine überraschende Burgendichte. Zwischen Einbeck und Göttingen liegen nur 40 Km. Es gab in der Gegend zahlreiche kleine und große Adelsgeschlechter, die zwar nicht allzu bekannt, jedoch durchaus bedeutend sind. Ihnen verdanken wir die Vielzahl an Burgen in Südniedersachsen, von denen heute viele nur noch als Ruinen erhalten sind. In dem nachfolgenden Artikel möchte ich die interessantesten Burgruinen und Burgen in Südniedersachsen vorstellen, deren Geschichte, aber auch Sagen und Legenden.

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Burg Adelebsen ist eine der schönsten Burgen in Südniedersachsen.

Burgen bei Einbeck

Einbeck ist eine kleine Stadt im Süden von Niedersachsen, unweit der Grenze nach Hessen und Nordrhein-Westfalen. Bekannt ist die Fachwerkstadt Einbeck vor allem für das Einbecker Bier, aber auch für das Fahrzeugmuseum PS-Speicher. Was viele nicht wissen ist, dass Einbeck eine wunderschöne Altstadt mit sehr vielen Fachwerkhäusern hat und gleich drei Burgen drumherum. In Einbeck findet man die Burg Greene im Stadtteil Greene, die Ruine Heldenburg im Stadtteil Salzderhelden und die Burg Grubenhagen im Wald unweit von Einbeck.

Heldenburg

Die Heldenburg in Salzderhelden ist eine sehr imposante Burgruine, die aus mehreren Gebäuden besteht und ummauert ist. Erbaut wurde die Burg im 13. Jahrhundert. Es ist jedoch nicht genau bekannt, von wem die Burg erbaut wurde, es waren entweder die Welfenherzöge oder die Grafen von Dassel. Herzog Heinrich der Wunderliche (1267-1322) aus dem Hause Braunschweig-Grubenhagen lebte und starb hier. Er war ein bekannter und beliebter Herzog, der sogar als Nachfolger von Rudolf von Habsburg, dem König des Römisch-Deutschen-Reiches, gehandelt – er wurde es leider nicht. Eine seiner Töchter war später mit einem byzantinischen Kaiser verheiratet.

Im 16. Jahrhundert starb das Geschlecht der von Braunschweig-Grubenhagen aus und die Burg ging in den Besitz von Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (Sohn des Erbauers der Bibliothek von Wolfenbüttel) über. Der letzte Welfe auf der Heldenburg war Johann-Friedrich von Braunschweig-Calenberg, der Erbauer des Schlosses Herrenhausen in Hannover. Ziemlich bekannte und bedeutende Welfen lebten also auf der Heldenburg. Seit dem 18. Jahrhundert war die Burg unbewohnt und verfiel zur Ruine.

Auf der Heldenburg kann man die erste Abbildung des Niedersachsenrosses sehen, der bis heute das Wappen des Landes Niedersachsen schmückt. Herzog Albrecht I., der Vater des oben genannten Heinrich dem Wunderlichen, war der erste, der in seinem Wappen ein Pferd abbildete. Es wird vermutet, dass er dadurch einen Bezug zum legendären Sachsenherzog Widukind herstellen wollte. Denn Widukind soll einst ein schwarzes Pferd gehabt haben, doch zur Taufe hat Karl der Große ihm angeblich ein weißes Pferd geschenkt.

Legenden der Heldenburg

Im Inneren der Burg befindet sich ein Holzkreuz, ob es noch das Originalkreuz ist, dass kann ich nicht beurteilen. Die Sage erzählt vom stehenden Kreuz, heute sieht man aber nur eine kleine, hängende Version. Es wird erzählt, dass einst zwei Männer wegen Holzmangel versucht haben, das Kreuz zu stehlen. Doch als sie es brechen wollte, hörten sie Geräusche und drehten sich um. Dabei sahen sie weiße Gestalten, die ihnen drohten. Die zwei Männer liefen weg, die Gestalten sollen sie bis zum Burggraben verfolgt haben, danach verschwanden sie.

Burg Grubenhagen

Die Burg Grubenhagen liegt mitten im Wald auf einer Bergkuppe. Man muss fast 2 Kilometer wandern, um die Burgruine zu erreichen. Von der Burg ist heute nur noch ein Turm, der Bergfried, erhalten.

Diese Burg wurde etwas früher wie die Heldenburg erbaut, vermutlich Mitte des 12. Jahrhunderts. Und auch hier sind die Erbauer nicht genau bekannt. Auch hier waren es entweder die Welfen oder die Grafen von Dassel. Die Burg war im Besitz derselben Adelshäuser wie die Heldenburg, wurde aber nie von so berühmten Personen bewohnt, sie war nie eine fürstliche Residenz. Dabei war gerade die Burg Grubenhagen namensgebend für das im 1291 neu gegründete welfische Fürstentum Grubenhagen. Die Herzöge residierten aber auf der Heldenburg. Im 30-Jährigen Krieg plünderten die Soldaten Tillys die Burg, seit dem blieb sie weitgehend unbewohnt und verfiel.

Burg Greene oder Greener Burg

Benannt wurde die Greener Burg nach der Ortschaft Greene, heute ein Stadtteil von Einbeck. Erbaut wurde die Burg 1308 von den Edelherren von Homburg, die von der Homburg bei Stadtoldendorf stammen. Als das Adelsgeschlecht ausgestorben ist, fiel die Burg an die Welfen, wurde aber schnell an den Bischof von Hildesheim verkauft. Knapp 100 Jahre später konnten die Welfen die Burganlage samt Ländereien wieder zurückkaufen. Sie blieb in deren Besitz, im 16. Jahrhundert wurde sie aber nur noch als Amtshaus genutzt. Seit dem 17. Jahrhundert verfiel die Burg und ist heute nur noch eine Ruine.

Burgen bei Göttingen

In der Umgebung von Göttingen gibt es eine Vielzahl von Burgen und Schlössern zu entdecken. Im 14. und 15. Jahrhundert war das Fürstentum Göttingen ein eigenständiges Fürstentum. Ich habe bisher lediglich die bekanntesten Burgen bei Göttingen besucht, die Burg Hardenberg in Nörten-Hardenberg, die Burg und Schloss Adelebsen, die Burg Plesse und die Burg Hardeg. Aber ich komme wieder und werde den Artikel ergänzen.

Burg Hardenberg in Nörten-Hardenberg

Die Burg Hardenberg ist eine der schönsten Ruinen, die ich kenne. Sie ist absolut romantisch, verfallen und wild bewuchert und sie thront auf einem steilen und unannehmbaren Berg. Diese Burg ist für mich der Innbegriff der Ruinenromantik. Und gerade diese zauberhafte Burgruine ist nur selten im Rahmen einer Führung zugänglich.

Die Burgruine Hardenberg ist eine Doppelburg, die einst von zwei Familien bewohnt wurde. Erbaut wurde die Burg angeblich im 12. Jahrhundert vom Mainzer Bischof. Seit dem 13. Jahrhundert bis heute ist die Burg im Besitz der Familie von Hardenberg, einer bedeutenden niedersächsischen Adelsfamilien. Die Familie gab sich im 13. Jhdt den Beinamen „de Novalis“ – daher hat der Schriftsteller Novalis sein Pseudonym. Er stammt auch aus dem Geschlecht der von Hardenberg, auch wenn nicht aus Nörten-Hardenberg, sondern von einer anderen Linie.

Im 14. Jahrhundert meldeten zwei Familienlinien der von Hardenberg Anspruch auf die Burg Hardenberg, was zu Streitigkeiten führte. Der Besitz wurde aufgeteilt, seit dem wurde die Burg Hardenberg als Doppelburg ausgebaut. Schon die Größe der Burganlage ist unglaublich, die vielen verfallenen Gebäude regen die Fantasie an. Ende des 17. Jahrhunderts baute ein Teil der Familie von Hardenberg ein Schloss unweit der Burg, welches bis heute bewohnt wird.

Burgruine Hardenberg

Legende von der Burg Hardenberg

Das Wappen der Hardenberger soll bis heute an die Familienfehde erinnern. 1430 soll es wieder zu einem Familienzwist gekommen sein. Die Burg Hardenberg wurde eines nachts angegriffen, doch ein Eber grunzte so laut, dass er die Burgbewohner weckte und sie konnten sich verteidigen. Der Eberkopf ziert bis heute den Familienwappen und auch alle Flaschen aus der Familienbrennerei. Der Hardenberger Korn mit dem Eberkopf ist heute überregional bekannt.

Burg Plesse

Nur wenige Kilometer südlich von der Burg Hardenberg kann man die Burg Plesse besuchen, eins der beliebtesten Ausflugsziele bei Göttingen. Am steilen Berg in schöner Landschaft, mit Blick auf Göttingen in der Ferne ist die Burg mit der Gastronomie im Innenhof tatsächlich ein vielseitiges und reizvolles Ausflugsziel.

Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahre 1015, sie soll damals dem Paderborner Bischof Meinwerk gehört haben. Es ist dokumentiert, dass Meinwerk am 15. September 1015, am Tag der Weihe des Paderborner Domes, die Burg und weitere Ländereien der Kirche vererbte.

Später war die Burg erst im Besitz der Grafen von Winzenburg, dann, über 400 Jahre lang gehörte die Anlage den Edelherren von Plesse. Im 30-Jährigen Krieg wurde die Burg belagert und zum Teil zerstört. Kurz nach dem Krieg, um 1660 wurde die Burg Plesse aufgegeben und verfiel zur Ruine. Erst im 19. Jahrhundert, als Ruinen sehr beliebt waren, wurde die Burg Plesse zum beliebten Ausflugsziel, vor allem für die Göttinger Studenten. Königin Marie von Hannover, die auf der Marienburg lebte, ließ 1853 teile der Burg wieder aufbauen.

1801 besuchte Johann Wolfgang von Goethe die Burg, saß unter der Linde, die heute die Goethe-Linde genannt wird und schrieb die folgenden Zeilen darüber:

„Auf diesen Trümmern hab’ ich gesessen
vergnügt getrunken und gegessen
und in die Welt hinausgeschaut.“

Legende von der Burg Plesse

Die Burg wurde vermutlich Anfang des 11. Jahrhundert erbaut, also fast noch im frühen Mittelalter. Die Menschen sollen damals noch sehr opfergläubig gewesen sein und glaubten, dass wenn ein Kind in die Burgmauern lebendig eingemauert wird, bleibt die Burg uneinnehmbar. Also wurde nach einem Kinderopfer gesucht und es fand sich tatsächlich eine Mutter, die ihr taubstummes Kind für einen großzügigen Lohn verkaufte. Als das Kind eingemauert werden sollte, begann es plötzlich zu sprechen. Die Mutter war aber schon weg, daher wurde das Kind dennoch eingemauert.

Auch der Berg, auf dem sich die Burg Plesse befindet, ist sagenumwoben, denn im Berg sollen Zwerge wohnen. In Südniedersachsen werden sie „Das stille Volk“ genannt, diese Zwerge sind hilfsbereit und helfen Menschen gerne. Aber kein Mensch darf die Höhlen im Berg betreten, denn angeblich hüten die Zwerge einen kostbaren Schatz. Die unterirdischen Gänge unter der Burg gibt es tatsächlich, sie sind dokumentiert in alten Aufzeichnungen.

Burg Adelebsen

Sehr imposant thront die Burg Adelebsen über der Stadt. Die Anlage ist sehr groß, neben einer mittelalterlichen Burg befindet sich nebenan das Schloss Adelebsen. Die Burg und das Schloss wurden immer wieder umgebaut und angebaut. Die Burg ist aus dem Mittelalter. Das Schloss wurde im Stil der Weserrenaissance erbaut und im 19. Jahrhundert nochmal im klassizistischen Stil umgebaut. Man findet dort aber auch Barockelemente. Adelebsen ist ein sehr sehenswerter Mix verschiedener Epochen.

Erbaut wurde die Burg vermutlich im 13. Jahrhundert. Der Burgturm ist der älteste Teil der Anlage und soll aus aus der Erbauungszeit stammen. Die Erbauer sollen die Edelherren von Wibbeke gewesen sein, die sich seit dem Bau der Burg Freiherren von Adelebsen nannten.

Die Besitzungen blieben über Jahrhunderte im Familienbesitz, erst Mitte des 20-Jahrhunderts ist die Familie ausgestorben. Der Burgturm kann im Rahmen einer Führung besucht werden. Das Schloss ist im Privatbesitz, daher nicht zugänglich.

Burg Hardeg

Nur wenige Kilometer von Adelebsen liegt Hardegsen mit der Burg Hardeg. Die Burg wirkt heute unscheinbar, denn von der imposanten Burganlage ist nur noch ein trutziges schlichtes Gebäude erhalten geblieben. Doch die Grundmauern erinnern, wie mächtig die Anlage einst war.

Erbaut wurde die Burg Mitte des 13. Jahrhunderts von Rittern von Rosdorf. Die Nachkommen derer bauten die Burg Hardeg enorm aus, die Anlage soll doppelt so groß wie die oben genannte Burg Plesse gewesen sein.

Im 14. Jahrhundert hatte die Burg Hardeg sehr mächtigen Bewohner, es war der Welfenherzog Otto I. von Braunschweig. Otto war Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Fürst von Göttingen. Er war leider kein friedliebender Herzog, denn er führte Fehden und Kriege mit Adeligen und Bürgern aus der ganzen Umgebung. Mal verlor er einen Zwist und musste seine Besitztümer abgeben, dann wiederum legte er sich mit Bürgern oder Herrschern an und wurde aus Städten vertrieben, so wurde er sowohl aus Göttingen als auch aus Braunschweig vertrieben. Irgendwann blieb ihm nichts anderes übrig, als die Burg Hardeg zu seiner Residenz zu wählen. Bis zum 16. Jahrhundert war die Burg Hardeg ein Fürsten- und Regierungssitz.

Wann die Burg zerstört wurde, ist heute nicht bekannt. Es soll aber aber einen Merian-Stich aus dem Jahr 1653 geben, auf dem Teile der Burg schon als Ruine dargestellt wurden. Ende des 18. Jahrhunderts wurden alle Teile der Burg abgebaut, bis auf das heute noch erhaltene große turmartige Gebäude, Muthaus genannt. Die Steine wurden zum Bau der umliegenden Häuser verwendet.

Auch wenn heute nicht mehr viel von der Burg erhalten ist, soll die Anlage zu den bedeutendsten Burgen in Niedersachsen zählen. Heute wird das noch erhaltene Muthaus für Kulturveranstaltungen oder Hochzeiten genutzt.

Es gibt bestimmt noch mehr Burgen in Südniedersachsen

Natürlich habe ich noch nicht alle Burgen in Südniedersachsen besucht, aber ich bleibe dran. Ich bin überzeugt, dass es noch einige interessante Ruinen und Burgen in Südniedersachsen zu entdecken gibt. Als nächsten stehen die Ruinen Gleichen bei Göttingen auf dem Plan. Habt Ihr noch mehr Tipps für mich, dann hinterlasst ein Kommentar, ich freue mich auf Eure Empfehlungen.

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Sehenswert in Südniedersachsen, Burgen in Niedersachsen
Erstellt am Januar 19, 2021

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4 Antworten zu “Die schönsten Burgen in Südniedersachsen”

  1. Hehe, die kenne ich alle. Die meisten habe ich mehr als einmal besucht; sind ja nur einen Katzensprung von Göttingen. 🙂

  2. Danke für die tolle Zusammenfassung!
    Liebe Grüße!

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